Deutsche Börse droht erneutes Fusionsdebakel
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor
vom 20. Januar 2012, 08:30 Uhr
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Die Deutsche Börse AG ist bereits seit Jahren auf Brautschau. Im Jahr 2000 scheiterte die Übernahme der London Stock Exchange am Widerstand der Eigentümer der Londoner Börse. Auch der erneute Anlauf im Jahr 2004 endete in einer Absage, als sich die europäische Vierländer-Börse Euronext (Paris, Brüssel, Amsterdam, Lissabon) durch die Pläne veranlasst sah, sich auf eine Übernehmeschlacht einzulassen. Am Ende wollte der Hedge-Fonds und Großaktionär der Deutsche Börse AG, The Children's Investment Fund, die Übernahme nicht unterstützen und votierte im Jahr 2005 gegen die Übernahme. Daraufhin zog auch Euronext sein Angebot zurück.
Nach London scheiterte auch Euronext-Fusion
Der nächste Akt im Jahr 2006 hatte dann Euronext selbst zum Gegenstand. Obwohl die Deutsche Börse AG das bessere Angebot vorlegte, sprach sich Euronext für eine Zusammenarbeit mit der New York Stock Exchange (NYSE) aus. Zu groß waren die Befürchtungen, in einer Fusion mit der Deutsche Börse AG als Juniorpartner zu enden. Vorläufiger Höhepunkt der Marktkonsolidierung markierte das Jahr 2007, als die NYSE und Euronext fusionierten. Gleichwohl haben sich die Hoffnungen von Euronext nicht erfüllen können. Heute gilt die als unter gleichen Partnern verkündete Fusion eher als Übernahme der Euronext durch die NYSE, denn als eine echte Partnerschaft.
Frankfurt und New York wollen Traumhochzeit feiern
Seit Februar 2011 ist bekannt, dass Frankfurt und New York Gespräche über eine mögliche Fusion der beiden Handelsplätze führen. Bis zuletzt sah alles nach einer Mega-Fusion aus, die die größte Börse der Welt schaffen würde. Die Konsolidierung wird bereits seit Jahren vorangetrieben, da der außerbörsliche Handel und neue Konkurrenten aus Asien die Gewinne schrumpfen lassen.
Jetzt will EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia den Fusionsplänen einen Strich durch die Rechnung machen. Denn nach seiner Auffassung würden die beiden Handelsplätze nach der Fusion den Derivatemarkt in Europa beherrschen. Die Deutsche Börse AG Tochter EUREX und das NYSE Euronext Pendant LIFFE würden gemeinsam den börslichen Derivatehandel in Europa dominieren. Die Bedenken waren bereits im Vorfeld bekannt, sodass beide Handelsplätze bereit waren, einige Teile des Geschäfts aufzugeben.
Zugeständnisse konnten Almunia nicht überzeugen
Beide wollten sich jedoch nicht gänzlich von ihrem Derivatehandel loslösen. Auch der Vorschlag, Dritten den Zugang zur EUREX zu gewähren, konnte den Wettbewerbskommissar nicht überzeugen. Almunia hatte kürzlich den Brüsseler Kommissaren in einem internen Brief empfohlen, die Fusion zu untersagen. Damit spitzt sich das Fusionsvorhaben der Deutschen Börse AG zum wiederholten Mal zu und droht erneut zu scheitern. Der Termin für die endgültige Entscheidung ist auf den 9. Februar festgelegt.
Lobby-Maschinerie läuft auf Hochtouren
Bis dahin werden sowohl die Deutsche Börse AG als auch die NYSE Euronext ihre Lobbyisten beauftragen, um wichtige Entscheidungsträger auf EU-Ebene zu überzeugen. Ihre Argumentation wird sich auf die Marktmacht der Banken im außerbörslichen Handel konzentrieren. Durch die Fusion könnte ein Handelsplatz entstehen, der die Preismacht der Banken und Broker im außerbörslichen Handel brechen könnte.
Das World Economic Forum in Davos, das Ende Januar auch eine Reihe von EU-Kommissaren einlädt, wird von beiden Börsenbetreibern sicher dazu genutzt werden, ihre Argumente direkt den Entscheidungsträgern vorzutragen.
Sollte die Deutsche Börse abermals mit einem ihrer Fusionsvorhaben scheitern, dürfte sich langsam aber sicher die Frage stellen, ob die Ressourcen des Unternehmens auf anderem Gebiet nicht sinnvoller und vor allem erfolgversprechender einsetzbar wären