Deutsche Bank: Wo geht die Reise hin?
Cindy Bach in Insider Daily
vom 27. Juli 2010, 14:30 Uhr
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Erleichterung - so kann man wohl die Reaktion der europäischen Börsenakteure auf die Ergebnisse des großen Bankenstresstestes vom Freitag am ehesten zusammenfassend kommentieren. Nur sieben europäische Geldhäuser der insgesamt 91 getesteten Institute waren bei den Krisenszenarien durchgefallen. Der Kapitalbedarf der "Durchfaller", darunter auch die Hypo Real Estate (HRE) als einzige deutsche Bank, wurde insgesamt auf 3,5 Mrd. Euro beziffert - deutlich weniger als von Experten erwartet. "Der Test lag im Rahmen der Erwartungen und bestätigte, dass die europäischen Häuser weitere Belastungen recht gut verdauen können", kommentierten Analysten der SEB die Ergebnisse gegenüber der "Financial Times Deutschland".
Etwas weniger rosig sieht es hingegen Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Seiner Ansicht nach werfe der Stresstest gleich eine ganze Reihe von Fragen auf. Zwar habe von den hiesigen 14 Prüflingen nur die HRE gepatzt. Doch insgesamt seien das keine Ergebnisse, auf die man stolz sein kann, bemängelt er. Die uneinheitliche Einschätzung der Analysten spiegelt sich auch in der gestrigen Kursentwicklung der deutschen Bankentitel wieder. Während die Commerzbank mit einem Kursgewinn von 1,9% zeitweise stärkster DAX-Wert war, fand man die Papiere der Deutsche Bank auf der Verliererseite vor. Gegen den Trend fielen die Titel um bis zu 3% auf 48,28 Euro, erholten sich dann aber leicht auf ein Minus von 1,3%.
Deutsche Bank: Drei Gründe für die massiven Kursverluste
Die Gründe für die Abstrafung sind vielfältig. Punkt 1: Die Deutsche Bank selbst hat den Stresstest zwar erfolgreich bestanden und in Deutschland hinter der Landesbank Berlin und der HSH Nordbank den dritten Rang belegt. Die Postbank allerdings, an der die Deutsche Bank mit knapp 30% beteiligt ist, kam mit einer Kernkapitalquote von 6,6 % lediglich auf den 12. Rang. Man bedenke: Die Messlatte, um überhaupt zu bestehen, lag bei 6%. Für die Postbank also eine recht enge Geschichte. Dieses knappe Abschneiden belastet natürlich auch die Deutsche Bank.
Punkt 2: Auch die Haltung der Deutschen Bank selbst zu ihrem Engagement in europäischen Staatsanleihen sorgte für Kritik. Anders als viele Wettbewerber in Europa hatte Deutschlands Branchenprimus nämlich im Stresstest ihr Staatsanleihen-Portfolio nicht veröffentlicht. Über diese Schweigsamkeit zeigten sich einige Börsenakteure nicht gerade erfreut. Das hilft nicht gerade", gab ein Händler zu verstehen.
Die Deutsche Bank selbst sieht das natürlich anders. Vorstandsmitglied Hugo Bänziger habe die Zahlen schließlich schon im Juni genannt, teilte das Geldhaus als Reaktion auf die offizielle Kritik mit. Diese hätten mit Ausnahme Italiens ein verschwindend geringes Engagement in den hoch verschuldeten Ländern am Rande Europas gezeigt. Aus Kreisen des Unternehmens war zu vernehmen, dass die Bank sich aber am morgigen Dienstag bei Bekanntgabe der Quartalszahlen zum aktuellen Engagement äußern werde.
Und so wären wir in Sachen Deutsche Bank beim nächsten Belastungsfaktor, Punkt 3: Denn laut Analysten ist bei der Deutschen Bank für das zweite Quartal ein im Jahresvergleich niedrigeres Ergebnis zu erwarten. Auch im Hinblick auf die Handelserlöse wird aufgrund der Schuldenkrise in Europa mit einem Rückgang gerechnet. Die Investmentsparte habe wohl weniger eingenommen. Damit würde sich die Deutsche Bank dem Branchentrend nicht entziehen können.
Analysten geben Entwarnung
Die Analysten hingegen raten angesichts dieser Fakten zur Besonnenheit. Sie sehen überwiegend keine Beeinträchtigungen aus dem Stresstest und empfehlen den Einstieg in Papiere von Deutschlands führendem Bankhaus.
Die Schweizer UBS beispielsweise bestätigte ihre Kaufempfehlung für Deutsche Bank-Aktien. Von den 14 geprüften deutschen Banken habe nur die ohnehin verstaatlichte Hypo Real Estate die Tests erwartungsgemäß nicht überstanden, schrieb Analyst John-Paul Crutchley in einer Branchenstudie vom Montag. Die Ergebnisse der getesteten Landesbanken stünden am oberen Ende der Erwartungen. Die Deutsche Bank stehe selbst unter der - nicht getesteten - Annahme eines teilweisen Forderungsverzichts bei Staatskrediten mit einer Kernkaitalquote von 9,5% noch gut da.
Die Experten von Equinet bestätigten im Hinblick auf die morgen veröffentlichten Zweitquartalszahlen ihre Einstufung für die Aktie von Deutsche Bank mit "Buy" und gaben ein Kursziel von 62,00 Euro aus. Es sei von soliden Zahlen bei der Veröffentlichung am 27. Juli 2010 auszugehen, schrieb Analyst Philipp Häßler in seiner Studie. Der Nettogewinn dürfte sich im Jahresvergleich um 9% erhöht haben. Er halte die Aktie für unterbewertet und die Befürchtungen zur Kapitalausstattung für übertrieben.
Ich wünsche Ihnen einen guten Handelstag.
Ihre
Cindy Bach