Deutsche Bank: Kapitalerhöhung für Postbank und Basel III
Cindy Bach in Insider Daily
vom 13. September 2010, 14:30 Uhr
ENL5454
bereits am vergangenen Freitag sickerte das Gerücht durch, die Deutsche Bank plane eine kräftige Kapitalerhöhung. Die Spekulationen über den Grund gingen dabei in zwei Richtungen: Die einen gingen fest davon aus, die Deutsche Bank sammle damit Geld für eine Komplettübernahme der Postbank ein, andere munkelten, Deutschlands führendes Bankhaus würde sich damit "lediglich" auf die höheren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III vorbereiten. Beide Varianten schienen den Börsenakteuren wenig zu behangen, denn das DAX-Papier ließ ordentlich Federn. Das Minus bis heute beläuft sich auf knapp 4,5%.
Inzwischen ist die Kapitalerhöhung offiziell bestätigt. Im Rahmen eines öffentlichen Angebots in Deutschland und den USA sollen voraussichtlich 308,6 Mio. junge Aktien ausgegeben werden und damit rund 9,8 Mrd. Euro in die Kassen der Deutschen Bank gespült werden. Ein Bankenkonsortium, bestehend aus UBS, Banco Santander, BofA Merrill Lynch, Commerzbank, HSBC, ING, Morgan Stanley und Société Générale Corporate & Investment Banking als Joint Bookrunners sowie weiteren Kreditinstituten, habe die neuen Aktien zum vorläufigen Bezugspreis von 31,80 Euro übernommen. Der endgültige Bezugspreis wird aller Voraussicht nach am 20. September festgelegt.
Ackermann: 24 bis 25 Euro gibt's für eine Postbank-Aktie, mehr nicht
Informationen zufolge werde den Postbank-Aktionären eine Geldleistung in Höhe des gewichteten durchschnittlichen inländischen Börsenkurses der Aktie während der letzten drei Monate angeboten. Dieser Preis dürfte somit in der Größenordnung von 24 bis 25 Euro je Aktie liegen. Und so hielt die Euphorie der Postbank-Aktionäre auch nicht allzu lang. Diese hatten den Aktienkurs zum Wochenausklang auf gut 27 Euro getrieben, also deutlich über dem voraussichtlichen Übernahmepreis je Anteil. Wahrscheinliche spekulierten die Aktionäre auf eine Nachbesserung des Angebotes. Dieser erteilte Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann heute aber eine deutliche Absage, mehr als 24 bis 25 Euro seien nicht drin. Das Minus heute im frühen Handel umso deutlicher: Knapp 6,7% verliert das Papier im frühen Montagshandel auf 25,20 Euro.
Vom aktuellen Übernahmeangebot unabhängig kauft die Deutsche Bank im Februar 2012 von der Post weitere 60 Mio. Postbank-Aktien oder rund 27% der Anteile (zu 45 Euro je Aktie). Der Deutschen Post bleiben dann noch etwa 12% an der Postbank.
Der Rest des Geldes ist schon verplant
Doch fest steht auch: Die knapp 10 Mrd. Euro wird die Deutsche Bank für eine Übernahme der Postbank wohl nicht brauchen. Aktuell bringt die größte Privatbank Deutschlands knapp 6 Mrd. Euro auf die Börsenwaage. So wird wohl doch ein nicht unerheblicher Teil des Geldes in die Aufstockung des Eigenkapitals fließen. Dies ist auch notwendig, denn auch die Eigenkapitalanforderungen nach Basel III stehen seit dem Wochenende fest.
Die Banken müssen demnach in Zukunft deutlich mehr Eigenkapital bereithalten. Zwar stiegen die Anforderungen an das gesamte Eigenkapital nicht sehr deutlich, allerdings muss jetzt mehr "hartes Kernkapital" als früher vorgehalten werden. Außerdem wurden die Bedingungen deutlich verschärft, was als "hartes Kernkapital" gilt und was als weiches Kernkapital". Fallen beispielsweise die "Stillen Einlagen" aus dem "Harten Kernkapital" heraus, dann werden einige deutsche Banken zusätzlichen Kapitalbedarf anmelden müssen.
Viele Experten gehen deshalb fest davon aus, dass die Deutsche Bank in Sachen Kapitalerhöhung für die nahe Zukunft nur der Vorreiter für andere Institute war. Auch Hans-Joachim Massenberg vom Bundesverband deutscher Banken geht fest davon aus, dass "die Banken sich in der Umsetzung der Baseler Beschlüsse neues Eigenkapital am Markt besorgen müssen".
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Klaus Landfried (13.09. 2010 15:07 Uhr):
Welche Abgehobenheit bei den "Oberen" unserer Unternehmen. Da lässt die Volkswagen AG ihre ja nur formal rechtlich unabhängige Bank reihenweise erfolgreiche Vertragshändler finanziell "erwürgen", indem ihnen so mir nichts dir nichts die Kreditlinien für den Einkauf gekündigt werden, und zwar für den Einkauf der ihnen wiederum unter Druck auf den Hof gestellten Neuwagen. Nach dem Motto: wie vertreibe ich meine Kunden.. Da frißt die vornehme und große Deutsche Bank die Postbank - Hermann Josef Abs und Alfred Herrhausen hätten sich geniert - und bittet dazu ihre Aktionäre zur Kasse. Und meint dabei (wirklich?), die DB-Aktionäre wären so dumm, da mit zu machen. Oder die Postbank-Aktionäre wären so dumm, zum diktierten Preis zu verkaufen. Pustekuchen! Oder die Postbank-Kunden, die bislang ja deshalb bei der Postbank sind, weil sie n i c h t viel mit den großen und teuren Geschäftsbanken zu tun haben wollen, wären so dumm, zu Millionen wieterhin Kunden der Postbank zu bleiben oder gar ihr weniges Geld in den "strukturierten" Produkte-Blasen der Deutschen Bank anzulegen. Pustekuchen. Alles typische Milchmänner/Controller-Rechnungen. Sooo abgehoben sind unsere Oberen, die nur noch aggregierte Daten verstehen, aber nicht das Denken und Empfinden der Kunden. Dazu passt ja Basel III. Natürlich sind das keine bindenden "Beschlüsse", wie uns mancher Banken-Funktionär weismachen will, sondern Empfehlungen, die, soweit sinnvoll, mit Augenmaß umgesetzt werden können. Perfekt werden das- ich wette drauf - bloß die deutschen Bankunternehmen machen. Und vor allem die ebenso fleißigen wie personell völlig überbesetzten Innenrevisionen, die die Worte "Entscheidung" und "persönliche Verantwortung" als Bedrohung auffassen, weil mit ihnen ihre fachliche Überforderung offenbar wird. In Griechenland, in Spanien, In Frankreich oder Italien wird Basel III genäß er dortigen Kultur etwas "freier" gehandhabt werden. Wie schon bisher Basel II. (Sonst hätten ja nicht wir Deutsche den Hauptbrocken an den Bankensanierungen i n Euroland zu bezahlen..) Nein, Basel III ist zwar eine gut gemeinte Reaktion auf das verantwortungslose Treiben vieler (nicht aller!) europäischer Geschäftsbanken, die den Hals nicht voll genug bekamen, aber Basel III wird bei uns nur dem Mittelstand weiter die Luft zum Geschäftsatmen abwürgen. Denn vor allem die an der Finanzmisere (fast alle) unschuldigen Volksbanken und Sparkassen werden mit windigen und vor allem dummen bürokratischen Vorschriften zur Bewertung dessen, was zum Eigenkapital gezählt werden "darf", besonders stranguliert. Ohne dass dabei ein EURO mehr an Kreditsicherheit herauskommt. Die Kritik der Verbände ist viel zu zimperlich. Sie sollten sich dem Ansinnen schlicht verweigern! Im Interesse der Bürger als Kunden und vor allem auch im Interesse der Millionen von Arbeitnehmern bei den mittelständischen Unternehmen. Sarrazin hilf!
Antworten - Kommentar von lotario (13.09. 2010 18:33 Uhr):
Liebe Cindy. Es ist wieder einmal mehr skandalös, was da die Deutsche Bank dem Publikum zumutet: Im gleichen Zeitpunkt, in dem sie ihre Bereitschaft erklärt, pro Postbank-Aktie 45 Euro zu bezahlen, will sie die Kleinaktionäre mit nicht einmal der Hälfte davon abspeisen. Das ist ungehörig, unzulässig auch, unverschämt und einfach ganz unglaublich. An die Möglichkeit, für zwei Postbank-Aktien eine DB-Aktie zu bieten, hat man wohl erst gar nicht gedacht. Dabei hätte ein solcher Tausch etwa durchaus dem derzeitigen Kursverhältnis entsprochen, weniger Kosten verursacht und wäre beiden Partnerwünschen am gerechtesten geworden. Ach doch: Die Deutsche Bank tut sich nach wie vor sehr schwer, es auch den Kleinaktionären recht zu machen, die sie sich mit den Postbank-Kunden doch in übergroßer Zahl so vielversprechend angelacht hat.
Antworten