Deutsche Bank: Eigenlob trifft Insiderverkauf
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Insiderhandel
vom 26. November 2009, 14:30 Uhr
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es wird nicht still um unsere lieben deutschen Bankhäuser. Während die einen noch die Krise verdauen und sich ihre Wunden lecken, andere vor dem Bund um Staatshilfen "betteln" müssen, nimmt die Deutsche Bank den Mund schon wieder ganz schön voll. Nun ja, es ist nichts Ungewöhnliches, dass sich Deutschlands größtes Geldinstitut mit Worten weit aus dem Fenster lehnt. Doch ist uns solches Gebaren eigentlich nur von dem Big Boss Josef Ackermann persönlich geläufig.
Diesmal hat sich aber auch mal ein anderer freimütig zu Wort gemeldet. Hugo Bänziger, seines Zeichens Risikochef der Deutschen Bank. Er soll laut eines Berichts von Der Aktionär nämlich stolz verkündet haben, dass sein Institut auch eine Pleite des US-Finanzriesen AIG überlebt hätte.
Die Deutsche Bank sei nach den Worten Bänzigers sogar auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise besser kapitalisiert gewesen als viele Experten vermutet hatten. Der Risikochef habe erklärt, der Konzern hätte auch eine Insolvenz des US-Versicherungsriesen AIG überlebt. Bänziger räumte zwar ein, dass die Deutsche Bank dank der Rettung durch die US-Regierung von AIG 11,8 Mrd. US-Dollar erhalten habe, dem standen allerdings auch Forderungen der AIG an die Deutsche Bank gegenüber. Daher betonte Bänziger: "Die Deutsche Bank hätte das problemlos verkraften können." Im Nachhinein lässt sich so was natürlich immer leichter behaupten. Doch wir lassen das jetzt einfach mal so im Raum stehen.
Vorstand der Deutschen Bank verkauft Aktien für 1,6 Mio. Euro
Meiner Ansicht nach, viel aufsehenerregender ist die Meldung über einen erneuten Insider-Verkauf bei der Deutschen Bank. Der für den Bereich Vermögensverwaltung verantwortliche Vorstand Pierre de Weck hat nämlich zum wiederholten Male Aktien seines Arbeitgebers verkauft. Wie das Geldinstitut am Montag in Frankfurt via Pflichtmitteilung eröffnete, erzielte de Weck bei einem durchschnittlichen Kurs von 52,08 Euro insgesamt 1,62 Mio. Euro durch den Verkauf. Die Deutsche Bank wollte den Verkauf nicht kommentieren.
Bereits im Frühling hatte der Banker bei einem Aktienverkauf fast 3 Mio. Euro erlöst. Der oberste Führungskreis der Bank erhält Anteilsscheine des Instituts als Teil des Gehalts. Diese Stücke können die Vorstände immer nur kurz nach der Vorlage der Bilanz oder Zwischenberichts verkaufen. Die Deutsche Bank legte zuletzt Ende Oktober Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor. Jetzt haben wir Ende November. Ist ein Monat, kurz danach? Egal. Der erneute Verkauf ist und bleibt ein symbolischer Axthieb, egal ob dieser Insiderverkauf nun als "Gehaltseinlösung" gedacht war oder nicht.
Gemischte Gefühle bleiben
Der jüngste Insiderverkauf ist allemal ein Verstärker der gemischten Gefühle in Bezug auf die Situation unseres Bankenprimus. Diese gemischten Gefühle hatten ja bereits die letzten Quartalszahlen zurück gelassen. Sicher, man ist ohne direkte Staatshilfe durch die Krise gekommen, hat nach nur einem halben Jahr wieder Milliardengewinne in den Büchern stehen, ist auf Einkaufstour durch den Bankensektor und trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein.
Die Zahlen zeigten uns nämlich vor allem eins: Alles hängt nach wie vor am Investmentbanking, das mit einem Vorsteuerergebnis von 988 Mio. Euro im dritten Quartal erneut der Gewinntreiber war. Die restlichen Segmente hingegen bieten wenig Glanz. Sie erholen sich zwar, aber nur leicht.
Es ist also auch für die Deutsche Bank noch ein Stück des Weges zu altem Ruhm. Doch auf diesem kommt sie aktuell auch an der Postbank vorbei, mit deren Privatkundengeschäft man ja schon geraume Zeit liebäugelt. Vielleicht bringt diese Übernahme wieder bessere Ergebnisse im wichtigen Segment der Privatkunden. Denn seinen Erfolg allein auf dem volatilen Investmentbanking zu bauen, ist wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, eine wackelige Angelegenheit, auch für die Deutsche Bank.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.
Ihre
Cindy Bach
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