Deutsche Bahn: Bilanz glänzt - Image ergraut
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 29. Juli 2010, 14:30 Uhr
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während sich die Deutsche Bahn aktuell durch eine scheinbar nicht enden wollende Pannenserie kämpft und das Image weiter leidet, scheint über der Bilanz des Konzerns die Sonne in voller Pracht.
So hat die Deutsche Bahn im ersten Halbjahr 2010 deutliche Zuwächse verzeichnet. Angesichts der anziehenden Konjunktur erwarte das Unternehmen im Gesamtjahr 2010 daher einen Umsatz von bis zu 32 Mrd. Euro, das entspräche einem Plus von rund 10% gegenüber 2009.
Vor Steuern und Zinsen blieb bei der Deutschen Bahn von Januar bis Juli ein Gewinn von 846 Mio. Euro hängen, 26,1% mehr als im Vergleichzeitraum des letzten Jahres. Doch diese Gewinnzuwächse beruhen weniger auf Einnahmen aus dem Personenverkehr mit ICE und IC, sondern kommen aus dem Bereich Güterverkehr. Den Umsatz steigerte der Konzern auf 16,1 Mrd. Euro, was 12,8% mehr ist als ein Jahr zuvor.
"Wir sind zurück auf Wachstumskurs", sagte DB-Chef Rüdiger Grube bei Bekanntgabe der Zahlen am gestrigen Mittwoch. Die Zuwächse seien aber nicht nur der Konjunktur zu verdanken. "Mit den Maßnahmen zur Verbesserung unserer Kostenstrukturen haben alle Führungskräfte und Mitarbeiter wesentlich zu diesen guten Zahlen beigetragen", hieß es weiter. Klingt nach Eitel Sonnenschein bei der Deutschen Bahn. Doch wie wir wissen, ist dem ganz und gar nicht so.
Nur noch mal kurz zusammengefasst: Das Sorgenkind der Deutschen Bahn ist ausgerecht das "Produkt", das nach außen hin Luxus und technische Unfehlbarkeit vermitteln soll: Der ICE war einst der Hoffnungsträger der Bahn, nun erweist er sich als "Imagekiller". Kaputte Achsen, Kältechaos im Winter, fatale Hitzekatastrophe im Sommer und Verspätungen auf vielen Strecken: Der "Pannenzug" sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen.
Qualitätsverbesserungen versprochen
Da hilft nur Schadensbegrenzung. Und das tat Grube gestern auch. Angesichts der Pannenserie kündigte er an, die Bahn werde in den kommenden Jahren Maßnahmen auf den Weg bringen, um die Qualität zu verbessern. Das heißt, keine Klimaanlagen mehr, die ab einer Temperatur von 32 Grad Celsius einfach ausfallen. Keine extremen Temperaturen jenseits der 50 Grad mehr, keine dehydrierten Fahrgäste, die nach einem Notausstieg von Ärzten behandelt werden müssen. Und keine Achsen, die vor sich hin rosten und dann früher oder später brechen, während der Zug in einen Bahnhof einfährt.
Man weiß bei der Bahn, was zu tun ist. Identifiziert sind viele Schwachstellen längst. Doch das kostet natürlich. Doch wie die aktuellen Zahlen zeigen, kann sich die Bahn das doch locker leisten, oder? Denn was bringt der Bahn ein Wachstumskurs, der auf wackeligen Füßen bzw. Schienen steht?
Ihnen einen guten Börsentag,
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Klaus Landfried (30.07. 2010 18:01 Uhr):
So weit so viel besser als unter dem vorigen Regime des strengen preußischen Haudegens. Aber: eine große Schwäche hat das Management der Bahn (wie auch das der Post!) noch immer nicht erkannt und die Richtung geändert: es geht darum, dass die zentralistische Führung nur von oben nach unten Schäden verursacht. Das Können und die Erfahrung vieler MitarbeiterInnen können viel besser genutzt werden, um Fehler DEZENTRAL zu erkenne und zu beseitigen. Dass da manche Zahlenfetischisten (viele,aber nicht alle Controller) bremsen, kann ich verstehen. Viele der bloßen Zahlenspieler werden nämlich bei einem "wurzelorientierten Berichts- und Vorschlagwesen" zu überflüssigen Kostenverursachern. Die Sache mit den Klimaanlagen und die mit den über Wochen defekten Tioletten oder die mit den defekten Radlagern oder oder.. waren den Leuten "unten" lange bekannt. Sie haben auch gemahnt. Und wurden zum Teil "abgemahnt". Auch bei der Post gibts eine buchstäblich blinde, weil zentrale "Kundenbetreuung" weit weg vom Kunden. Die Ergebnisse sind etwas fürs Kabarett... Wann werden die hohen, überbezahlten Strategen, die nur aggregierte Zahlen kennen, aber keine Systemzusammenhänge und keine Arbeitswirklichkeit endlich begreifen, was bei ihnen im Betrieb läuft?
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