Destabilisierung der Inflationserwartungen
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Jean Claude Juncker, der gleichzeitig Luxemburgs Ministerpräsident und der Chef der Eurogruppe ist, geht mit den Investoren, die gegen das exorbitant hoch verschuldete Griechenland spekulieren, hart ins Gericht. In der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts sprach er wortwörtlich von Folterwerkzeugen, die im Keller liegen und nötigenfalls gezeigt würden.
Stärkung des Primats der Politik
Das Primat der Politik müsse gestärkt werden, die Politik müsse die Finanzmärkte stoppen können. Unklar blieb aber, welche Folterwerkzeuge" tatsächlich angewendet werden würden. Gleichzeitig betonte Juncker, dass nach der Lösung der Griechenland-Krise ein Werkzeugkasten zugelegt werden müsste, um ähnliche Probleme in der Zukunft zu vermeiden.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, es bleibt fraglich, ob sich die Akteure von den Folter-Drohungen wirklich beeindrucken lassen. Indes wird munter weiter spekuliert, und zwar nun auch gegen Großbritannien.
Britisches Pfund unter Druck
Am gestrigen Montag kam das britische Pfund mächtig unter Druck. Gegenüber dem Dollar fiel es um 1,6 Prozent auf ein Zehn-Monats-Tief. Einigen Marktberichten zufolge wird davon ausgegangen, dass nach Griechenland nun Großbritannien ins Visier einiger Hedge-Fonds geraten wird. Fakt ist, dass die Brown-Regierung heuer laut IWF-Prognose mit einem desaströs hohen Haushaltsdefizit von sage und schreibe 13 Prozent des BIPs plant. Hinzu kommt, dass im Frühjahr Neuwahlen anstehen und befürchtet wird, dass die neue Regierung ein radikales Sparpaket nur schwerlich wird umsetzen können. Ferner bleibt kurzfristig abzuwarten, wie am Mittwoch die Auktion über 30-jährige Staatsanleihen aufgenommen wird.
Bundesbank-Chef warnt vor dem Spiel mit dem Feuer"
Indes warnt der Präsident der Deutschen Bundesbank und mögliche Nachfolger von EZB-Chef Trichet, Prof. Dr. Axel Weber, in einem Kommentar in der Financial Times Deutschland" ungewöhnlich scharf vor Gespensterdebatten um ein wie vom IWF vorgeschlagenes höheres Inflationsziel. Laut Weber seien die Sorgen der Menschen, die angesichts der durch die Krise hervorgerufenen hohen fiskalischen Defizite und Schulden langfristig Inflationsgefahren sehen, ernst zu nehmen. In einem derartigen Umfeld sei nichts schädlicher als Zweifel an einem glaubwürdigen Stabilitätskurs der Notenbanken. Eine Abkehr vom Stabilitätskurs würde die Inflationserwartungen destabilisieren. Prof. Weber meint damit nicht einen einmaligen Anstieg der Inflationserwartungen - wovon seiner Ansicht nach der IWF ausgeht - sondern ausufernde Inflationserwartungen.
Interessant ist auch, dass Herr Weber klar betont, dass eine höhere Inflation weit mehr Schaden anrichtet, als sie Nutzen bringt.
Ja, die Webersche Botschaft hört und liest sich auf den ersten Blick gut, allein es fehlt der Glaube, ob am Ende des Tages tatsächlich Preisstabilität und Verankerung der Inflationserwartungen ganz oben auf der Prioritätenliste ALLER großen Notenbanken stehen werden.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von J Clauß (02.03. 2010 09:05 Uhr):
Griechenland muss raus aus der EU!!! Dessen Korruptionswirtschaft reist Europa sonst zu Boden!! Erst heute morgen wurde wieder im Radio veröffentlicht, das die Schattenwirtschaft Griechenlands das griechische System fest im Griff haben.. Daher gibt es nur einen Schritt.... Griechenland muss schnellst möglichst aus der Union ausgeschlossen werden!!
Antworten - Kommentar von Helmut Reinsberger (02.03. 2010 11:23 Uhr):
Sehr geehrter Herr Dr. Weiss, die Forderung von Herrn Junker, dass die Politik das Primat haben müsse, erin-nert mich sehr an die Leninsche Feststellung, dass politische Macht ohne ökonomische Macht nicht möglich ist. Da wird Lenin wohl wieder einmal Recht behalten. Aber wer erinnert sich schon an Lenin? Hat man ihm doch in Deutsch-land mit viel Klamauk "Good Bey" gesagt. Mit diesem Film wollte man ihn in Deut-schland aus den Köpfen und Herzen der ehemaligen DDR Bürger verbannen. Nun wird er diese Schafsköpfe schneller ein-holen, als sie es sich jemals hätten vor-stellen können.Zum Glück habe ich die gesammelten Werke von Marx ,Engels und Lenin aufgehoben. denn sie werden in den nächsten 2 Jahren aktueller denn je sein. Helmut Reinsberger , Berlin
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