Desiderata
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 29. Dezember 2005 12:00 Uhr
ENL5454
"Zwischen den Jahren".
Zeit, für einige Dinge, die nichts mit den Märkten zu tun haben. Ich komme auf "Desiderata" zurück. Bill Bonner hatte seine Version davon im Investor's Daily veröffentlicht, mit folgendem Hinweis: "Gefunden in der Saint Paul's Church in Baltimore, von 1692 ... ich habe es eigentlich nur auf den aktuellen Stand gebracht."
Mir gefällt das unverfälschte "Desiderata" sogar noch besser als die Version von Bill Bonner. Ich war bei meiner ersten und bis jetzt einzigen Baltimore-Visite (Besuch des Taipan-Verlags um Christoph Amberger) in der alten Kirche (St. Paul's Church). Sie liegt ganz in der Nähe des Taipan-Hauptquartiers. Und möchte Ihnen hiermit die möglichst unverfälschte (wenn auch übersetzte) Version von "Desiderata" wiedergeben. Soweit möglich, richte ich mich danach:
- Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.
- Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.
- Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du bitter werden und Dir nicht richtig vorkommen, denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als Du.
- Freue Dich Deiner eigenen Leistungen, wie auch Deiner Pläne.
- Bleibe weiter an Deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten. In Deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass' Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll Dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.
- Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum. Sei Du selbst vor allen Dingen, heuchele keine Zuneigung; noch sei zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.
- Ertrage freundlich gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.
- Stärke die Kraft des Geistes, damit sie Dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige Dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Einbildungen von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu Dir selbst.
- Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne; Du hast ein Recht hier zu sein. Und ob es Dir nun bewusst ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen.
- Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung Du auch von ihm hast und was immer Dein Mühen und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte Dir den Frieden mit Deiner Seele.
- Trotz all ihrem Schein der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.
- Sei vorsichtig, strebe danach glücklich zu sein.
Aus der alten St. Paul's Kirche, Baltimore von 1692
Viele Grüße,
Michael Vaupel