"Derivate sind finanzielle Waffen zur Massenvernichtung"
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 12. September 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser,
aufgrund der aktuellen Entwicklungen in dieser Woche will ich heute nicht sofort auf die versprochenen strategisch wichtigen Rohstoffe zu sprechen kommen, sondern Ihnen zuvor noch einen kleinen Teil des gestrigen Rohstoff Investor zitieren.
"Derivate sind finanzielle Waffen zur Massenvernichtung"
Dieses Zitat ist eine bekannte Aussage der Investmentlegende Warren Buffett. In der vergangenen Woche hat sich der Spruch wieder einmal als wahr erwiesen. Auf das Spiel der großen Player mit den professionellen Derivaten werde ich im Marktbericht näher eingehen. Hier geht es mir um die gerade bei den Privatanlegern so beliebten Zertifikate auf Rohstoffe. Ich will gar nicht wissen, bei wie vielen Hebelprodukten auf steigende Rohstoffe in den vergangenen Tagen der Knockout zu einem Totalverlust des Geldes geführt hat. Oder bei wie vielen der so beliebten Bonuszertifikate die Schwelle unterschritten wurde, ab welcher der Bonus verfällt. Gestern erreichten die Edelmetalle die kritischen Zonen, auf denen besonders viele der Limits lagen - ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...
Aktien besitzen einen inneren Wert, bei Derivaten droht oft der Totalverlust
125 Mrd. EUR betrug nach Informationen des Deutschen Derivate Verbands Ende Juni das eingesetzte Vermögen der Anleger. Insgesamt 352.687 Produkte werden angeboten, viele davon mit für Privatanleger nahezu unverständlichen Konditionen und hohen Gewinnversprechungen. Wenn dann statt des sicher geglaubten Gewinns ein großer Verlust anfällt, ist die Verwunderung oft groß, wie es dazu kommen konnte. Was viele Anleger anscheinend zudem immer noch nicht berücksichtigen, ist das Emittentenrisiko. So wurden z.B. in Anlagezertifikaten des deutlich angeschlagenen amerikanischen Emittenten Lehman Brothers allein im Juli 15,60 Mio. EUR umgesetzt. Sollte diesem tatsächlich die nächste große Pleite in den USA drohen, werden diese Gelder vernichtet.
Die Risiken an den Märkten sind aktuell immens. Niemand weiß im Voraus, was am nächsten Tag passieren wird. Da grenzt es an finanziellen Selbstmord, sich dieses zusätzliche derivative Risiko ins Depot zu holen, wenn es nicht für Shortpositionen nötig ist. Werthaltige Aktien können sich von einem Ausverkauf wieder erholen, auch wenn das dauern kann. Das Geld aus einem ausgestoppten KO-Zertifikat oder von einem insolventen Emittenten sehen Anleger jedoch nie mehr wieder.
Handeln Sie nur die Derivate, deren Funktionsweise Sie verstehen
So weit also das Zitat aus dem gestrigen Rohstoff Investor. Derivate haben Vor- und Nachteile. Ich will sie nicht generell verteufeln, auch ich handle sie regelmäßig, wo es sinnvoll ist. Wichtig ist aber, mit Ihnen umgehen zu können. Dazu gehört auch, nur die Derivate zu handeln, deren Funktionsweise Sie wirklich verstanden haben. Und die korrekte Einschätzung des Basiswerts ist hier noch wichtiger, als wenn Sie den Basiswert selbst handeln.