Der Zuckermarkt in 2009/10
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 10. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
heute wollen wir uns ein wenig mit der fundamentalen Ausgangslage im Zuckermarkt auseinander setzen.
Gestern haben wir uns die Preisentwicklung von Sugar 11 (also der an der NYBOT gehandelte Rohzucker angesehen) - für das Gesamtjahr 2009 schloss der Rohzucker mit einem Plus von 128% das Jahr auf dem höchsten Niveau seit 29 Jahren ab. White Sugar (also Weißer Zucker), der an der Liffe in London gehandelt wird, brachte es in 2009 immerhin auf ein Plus von 123% - der höchste Stand seit 20 Jahren.
Obgleich ich im vergangenen Jahr schon mehrmals über Zucker und auch die fundamentale Begründung für diese Preisentwicklung geschrieben habe, wollen wir uns heute noch einmal ausführlich damit auseinander setzen.
Erntejahr 2008/09 - wachsendes Defizit
Im Zuckermarkt endet ein Erntejahr am 30. September eines Jahres. Für das Erntejahr 2008/09 mit Ende am 30.September 2009 gilt: eine sich massiv verstärkende Angebotsknappheit sorgte für den starken Anstieg der Zuckerpreise.
Insbesondere die anhaltenden Produktions- und Exportschwierigkeiten im eigentlich zweitgrößten Produktions- und Exportland Indien haben zur weltweiten Knappheit beigetragen. Im vergangenen Jahr lag Indiens Produktion rund 40% unter dem Vorjahreswert. Während in Indien - hauptsächlich aufgrund von Trockenheit in einer zu schwachen Monsunphase - die Probleme so gravierend sind, dass das Land schließlich gezwungen war, als Importeur auf den Markt zu treten, traten weitere Probleme im weltgrößten Produktions- und Exportland Brasilien auf. Hier allerdings aufgrund zu starker Regenfälle. Und auch China, weltweit drittgrößter Zuckerproduzent, wartete - wie bei vielen Agrarrohstoffen - mit einer Angebotslücke auf und war gezwungen auf dem Weltmarkt hinzu zu kaufen.
Erntejahr 2009/10 - das Angebot bleibt knapp, allerdings zeichnet sich eine leichte Erholung ab
Eigentlich ist die weltweite Zuckerproduktion auch nicht übermäßig zufriedenstellend ins Erntejahr 2009/10 gestartet. So wird ebenfalls für das laufende Erntejahr ein Primärmarktdefizit erwartet - allerdings erwartet man, dass dieses geringer ausfallen wird als im Vorjahr.
Während die Internationale Zuckerorganisation für das Erntejahr 2008/09 ein weltweites Defizit in Höhe von 11,3 Millionen Tonnen prognostiziert und für 2009/10 ein Defizit in Höhe von 9,4 Millionen Tonnen (im Februar um 2,1 Millionen Tonnen nach oben revidiert), prognostiziert der weltgrößte Zuckerhändler Czarnikow ein für 2009/10 ein wesentlich höheres weltweites Defizit von 14,8 Millionen Tonnen (im Februar wurde die zuvor getroffene Schätzung um 10% angehoben).
Auch für Brasilien gehen die Schätzungen auseinander: die USDA prognostiziert in ihrem letzten Bericht vom 19.November 2009 für Brasilien eine Produktion in Höhe von 35,75 Millionen Tonnen in 2009/10, gegenüber 31,85 Millionen Tonnen in 2008/09. Dagegen prognostiziert Brasilien selbst am 16.Dezember 2009 eine Produktion in Höhe von 34,6 Millionen Tonnen für 2009/10.
Somit deuten die Prognosen auch für das laufende Erntejahr nach wie vor ein Defizit an - je nachdem, wem man Glauben schenken mag, auch ein recht deutliches. Alles in allem geht der Grundton aber von einer sinkenden Knappheit in 2009/10 aus.
Für 2010/11 sehen die Erwartungen noch eine wesentlich stärkere Ausweitung des Angebots vor. Die Internationale Zuckerorganisation gab in ihrem Bericht vom 24. November bekannt, man erwarte für 2010/11 sogar nur ein Defizit in Höhe von 750.000 Tonnen.
Unterstützend wirken dabei weitere Nachrichten aus den Produzentenländern:
So rechnet z.B. der drittgrößte Zuckerexporteur Australien für 2010/11 mit einem Produktionsanstieg um 6% auf 4,8 Millionen Tonnen. Die brasilianische Zuckerrohr-Industrie-Vereinigung UNICA gab an, dass die Produktion im Hauptanbaugebiet Center-South um 10% steigen dürfte. Und das indische Hauptanbaugebiet, der Bundesstaat Maharashtra, verzeichnete in den ersten 5 Monaten des laufenden Erntejahres einen Produktionsanstieg von 5,5% gegenüber dem Vorjahr.
Im 2.Teil geht's weiter...
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