Der Zeit ein Schnippchen schlagen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. Juli 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ende der Woche gab es viel abzuarbeiten: Ein Konjunkturrückgang am Häusermarkt … der Dollar … der Goldpreis … Öl … Jugend … China … die Existenz Gottes … das größte Schnäppchen in der Finanzwelt …
Und ja, liebe Leser … in der heutigen Ausgabe werde ich Ihnen sogar erzählen, wie man die Zeit besiegt … und den Tod selbst.
Das ist doch für eine kostenlose Veröffentlichung nicht schlecht, oder?
Vorweg zuerst eine Frage: Was hat das Geld an sich, dass es so beliebt ist?
Es ist sowohl Vergangenheit als auch Zukunft. Es ist die konservierte Vergangenheit ... wie bei einer Motte in Bernstein ... solange es das Geld selbst noch gibt. Wir wollen uns vorstellen, dass Sie an einem schönen Sommertag im Jahr 1997 100 Doller verdient hätten. Wenn Sie diese Dollar verwendet hätten, um davon Gold – eine althergebrachte und natürliche Möglichkeit, Zeit zu bewahren, zu kaufen – dann hätten Sie diesen Tag immer noch ... und er wäre immer noch genauso wertvoll wie damals. Und heute stünde dieser Tag Arbeit, den sie in Gold konserviert haben, immer noch zu Ihrer Verfügung ... jetzt in der Zukunft ... und es vertritt Dinge, die Sie auch noch in der weiteren Zukunft kaufen können. Gold im Wert von einhundert Dollar aus dem Jahr 1997 ist heute ungefähr 250 bis 300 Dollar wert. Man kann das Geld heute ausgeben, oder morgen ... oder, wenn man will, dann kann man diesen Tag Arbeit so lange mit sich nehmen, wie man lebt. Und selbst dann kann man ihn noch an die nächsten Generationen weiterreichen. Ja, lieber Tod, sei nicht so stolz. Ha ha ... ich habe dir ein Schnippchen geschlagen ...
Wenn wir älter werden, nehmen wir nur Erinnerungen und Geld mit (Eigentum). Wenn alles gut geht, dann erreichen wir das mittlere Alter und haben mehr Erinnerungen ... und auch mehr Geld. Und dann, wenn wir noch älter werden, zehren wir davon ... erinnern uns an unser Leben, als wir jünger waren ... verbrauchen den Wohlstand, den wir in früheren Tagen gesammelt haben.
Und das ist es, was Geld so ansprechend macht. Es ist eine Möglichkeit, Zeit und Tod zu überwinden. Sagen wir einmal, Sie hätten im Jahr 1975 gearbeitet. Man erhielt 50 Dollar für einen Tag Arbeit. Wenn Sie davon 10 Dollar gespart hätten, entspräche das 20% des Tages. Es wird für sie konserviert ... solange sie es halten können. Legen Sie es auf die Bank. Sammeln Sie Zinsen. Lassen Sie die Zinsen anlaufen. Und zwanzig Jahre später können Sie sich immer noch an den Früchten ihrer Arbeit erfreuen.
Und das ist das, was an Inflation so gemein ist. Sie raubt uns nicht nur Geld ... sondern auch die Vergangenheit ... und die Zukunft. Unser Leben wird dadurch entleert ... so wie die Registrierkasse bei einem Raubüberfall.
Ein Mensch ohne Geld ist ein Mensch, dem nichts von seiner Vergangenheit erhalten geblieben ist ... abgesehen von den Erinnerungen. Er hat nichts aus der Vergangenheit für die Zukunft gelagert. Und deswegen ist er ein Gefangener der Gegenwart. Jeden Tag muss er sich um seine Bedürfnissen kümmern ... für sich selbst und seine Familie Schutz und Lebensmittel finden ... ohne Spielraum für Irrtümer und ohne ein Polster für Freiheiten. Er kann sich keinen Tag frei nehmen. Er kann nicht mehr kaufen als das, was er für sein aktuelles Gehalt bekommt. Er darf nicht einmal krank werden, ohne auf die aufgesparte Vergangenheit von Fremden angewiesen zu sein.
Jeder Wohlstand ist ein Erbe der Vergangenheit und eine Hoffnung auf die Zukunft. Monets Gemälde wurden vor mehr als 100 Jahren geschaffen. Ein Liter Benzin ist ein konservierter Wohlstand aus Sonnenlicht, das vor Millionen von Jahren auf die Erde fiel. Versailles wurde für einen König gebaut, der vor drei Jahrhunderten gestorben ist.