Der wirkliche Bärenmarkt steht uns noch bevor
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. August 2003 18:00 Uhr
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Wir haben soviel, auf das wir uns freuen können!
Der wirkliche Bärenmarkt bei den Aktien steht uns noch bevor. Bevor das alles vorüber ist, werden die Aktien für ein KGV von 6 bis 8 zu haben sein ... der Dow Jones wird auf 3.000 Punkte oder so gefallen sein ... und man wird alle Aktien, die im Dow Jones enthalten sind, für eine einzige Feinunze Gold kaufen können.
Und die Spekulationsblase am Hypothekenmarkt ist auch noch nicht richtig geplatzt. Das hat begonnen ... aber es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Die Vergabe neuer Hypotheken ist drastisch zurückgegangen ... aber wenn das alles vorüber ist, wird fast keiner mehr seine bestehenden Hypotheken erhöhen.
Und auch der totale Kollaps des Dollar und des US-Anleihenmarktes hat noch nicht stattgefunden. Der Dollar wird im Verhältnis zum Euro wahrscheinlich unter 1,50 fallen ... und die Renditen der US-Anleihen werden zweistellig werden.
Und auch eine reale Rezession liegt wahrscheinlich vor den USA ...
Obwohl die US-Wirtschaft zuletzt nicht gerade gut lief, haben die Konsumenten weiterhin Geld ausgegeben ... und die Schulden sind weiter gewachsen.
Es war wie ein Begräbnis mit einer Bowle-Schüssel. Deshalb dachten die US-Konsumenten, dass sie sich amüsieren könnten.
Seit 1994 haben sich die Hypothekenschulden auf 9 Billionen Dollar verdoppelt. Und auch die gesamte Schuldenlast der Verbraucher – inklusive Kreditkartenschulden und sonstigen Verpflichtungen – hat sich im gleichen Zeitraum fast verdoppelt, auf 32,5 Billionen Dollar. Hinzu kommt natürlich die Schuldenexplosion der öffentlichen Hand.
Diese großen Zahlen beeindrucken mich nicht. Für jeden Schuldner gibt es auch einen Gläubiger. Und ich erwarte, dass beide Seiten gleichzeitig verschwinden werden. Und das wird etwas zu sehen sein!
Keine Sorge, so die New York Times. "Die Unternehmensausgaben helfen mit, die Rückschläge bei den Hypothekenerhöhungen auszugleichen", erklärte letzten Freitag ein Artikel in dieser Zeitung.
Ah ... jeder, inklusive mir, hat sich Sorgen gefragt, was passieren würde, wenn der Boom bei den Hypotheken enden würde. Wie würde die Konsumentenwirtschaft weiter wachsen, wenn den Konsumenten das Geld ausginge?
Die New York Times denkt, dass sie die Antwort hat – die Ausgaben würden einfach von den Unternehmen kommen. Aber die Geschichte von den steigenden Unternehmensausgaben ist ein großes Märchen:
Laut Stephen Roach konzentrieren sich die meisten Unternehmensausgaben auf den IT-Bereich ... und mehr als 80 % der Ausgaben in diesem Sektor werden schön gerechnet! Ein Beispiel: Wenn eine Gesellschaft 1000 Dollar für einen Computer ausgibt, der 5 Mal so schnell ist wie ein Computer, den sie vor ein paar Jahren für den gleichen Betrag hätte kaufen können, dann wird diese Ausgabe in der Statistik so erfasst, als ob sie 5000 Dollar betragen würde! Deflation führt also zu Inflation – laut dieser dubiosen Verbuchungspraxis. Fallende Preise im Technologiesektor führen also jetzt zu überbewerteten Wachstumszahlen!
Diese schön gerechneten Zahlen werden dann ins amerikanische BIP übertragen, das im zweiten Quartal um 2,6 % gewachsen sein soll. Übrigens: In den letzten 6 zyklischen Erholungen nach einer Rezession wuchs das BIP in einer vergleichbaren Phase um 5,4 %.
Nicht nur das – sondern 70 % des BIP-Wachstums kamen nur durch die Erhöhung der Militärausgaben zustande. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung machen Militärausgaben die Leute aber nicht reich. Stattdessen verbrauchen sie wertvolle Ersparnisse, und die Taschen der Leute werden so leer wie die Köpfe der US-Kongressabgeordneten.
Wer kann das alles sinnvoll finden? Und wer schafft es, das nicht amüsant zu finden?
Ich jedenfalls nicht.
Und jetzt hören wir auf einmal, dass der Konsument doch Schulden tilgt. "Die Kreditkartenschulden sind gesunken, weil die Konsumenten zurückstecken", so eine Schlagzeile im Chicago Tribune.
Die Fed sagt, dass die Konsumentenschulden im Juni gefallen seien. Aber die Fed berücksichtigt bei ihrer Berechnung nicht die Hypotheken ... also wenn die Konsumenten teure Kreditkartenschulden in billigere Hypothekenschulden switchen, dann bedeutet das nicht, dass die gesamte Schuldenlast fällt.
Aber ich habe ja schon betont, dass es für jeden Schuldner auch einen Gläubiger gibt. Man könnte alle Kredite und Schulden der gesamten Welt mit einem Schlag auflösen ... aber was würde sich wirklich ändern? Unsere Häuser würden immer noch da stehen. Wir hätten immer noch unsere Autos, unsere Freunde und die meisten unserer Lieblingsrestaurants. Also was ist das Problem?
Millionen Leute werden wahrscheinlich pleite gehen ... und auch Tausende Unternehmen. Leute, die sich für reich gehalten haben, werden herausfinden, dass sie weniger reales Geld haben, als sie dachten. Ausländische Besitzer von US-Anleihen werden für jeden investierten Dollar real nur Cents zurückerhalten. Die Amerikaner werden ihre Importe nicht mehr so leicht bezahlen können. Die Ausländer werden den "Mund der Welt" nicht mehr so bereitwillig füttern. Sie würden auch selber etwas konsumieren wollen. Haben Sie ein Problem damit, liebe(r) Leser(in)? Ich nicht. Ich würde es gerne hinter mich bringen und nicht weiter verzögern.