Der Wiederaufbau der Verbraucherwirtschaft – BRIC für BRIC
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 8. Dezember 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Dubai steckt immer noch in Schwierigkeiten, nachdem die ansässigen Beduinen sagten, sie würden keine volle Vertrauens- und keine Kreditwürdigkeit bei Dubai World erkennen.
Unfähig hängt Griechenland an einem rutschigen Hang."
Doch dann geriet auch der Daily Telegraph aus Großbritannien selbst ins Rutschen:
Morgan Stanley befürchten eine Staatsschuldenkrise in Großbritannien im Jahr 2010", heißt es in einer Schlagzeile im Wirtschaftsteil.
Im Extremfall, könnte die fiskalische Krise zu einer Kapitalflucht in der Heimat führen, zu einer ernstzunehmenden Schwäche des Pfunds und zu einem Ausverkauf der britischen Staatsanleihen. Die Bank of England könnte dann feststellen, dass sie gezwungen ist, die Zinssätze nach oben zu treiben, um das Vertrauen wieder herzustellen und die Währung zu stabilisieren. Das würde aber die schwache Erholung in Gefahr bringen", heißt es in einem Bericht von Morgan Stanley.
Die Situation zeigt sich klarer.
Ist es eine Illusion? Oder hebt sich der Nebel jetzt wirklich?
Ich weiß es nicht. Aber was ich erkennen kann, habe ich schon zehn Jahre zu früh erwartet - eine lang andauernde Konjunkturkrise, unterbrochen von weiteren Krisen, Pleiten und Zahlungsunfähigkeiten. Am Ende der Neunziger hieß es, Japan habe eine Jahrzehnt verloren. Jetzt, zehn Jahre später, sind die Japaner immer noch auffallend vergesslich. Sie haben ein weiteres Jahrzehnt verloren.
Die Japaner haben die vergangenen 20 Jahre damit verbracht, eine neue Erholung in Gang zu setzen. Es gab verschiedene Male Anzeichen, die Hoffnung machten. Aber dann ist die Wirtschaft jedes Mal wieder in eine Rezession verfallen... noch tiefer als zuvor.
Diese Konjunkturprogramme waren teuer und sie haben Japan von einem Land, das im weltweiten Vergleich zu denen mit den besten Staatsfinanzen gehörte, in eines der schlechtesten Länder verwandelt. Das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt liegt bereits bei 200%. Bald werden es 300% sein, sollte die Regierung weiter im aktuellen Ausmaß Geld ausgeben.
Was haben die Japaner für diese Bemühungen bekommen?
Tokios Aktien haben sich ein wenig erholt... zusammen mit denen in der übrigen Welt. Aber die Verbraucherpreise fallen wieder. Und jetzt werden die Japaner immer älter. Schneller als irgendeine andere Gruppe auf der Welt. Es ist, als sei das ganze Land im Ruhestand und als wäre die Wirtschaft in Rente gegangen.
Aber die Amerikaner haben das vergangene Jahrzehnt auch verloren. Kein Wachstum am Stellenmarkt. Kein Wachstum bei den Einkommen. Keine Gewinne am Aktienmarkt. Und jetzt sieht es aus, als seien die Vereinigten Staaten auf dem Weg ein weiteres Jahrzehnt zu verlieren - genauso wie Japan.
Was man in den beiden führenden Ökonomien der Welt verloren hat, schien man in einem anderen Teil der Welt wiederzufinden - in dem Teil, den man als Zweite" oder Dritte" Welt bezeichnete. Indien, China, Russland und Brasilien, diese Länder sind alle sprunghaft gewachsen - sowohl die Einkommen, als auch die Aktien, das Bruttoinlandsprodukt, die Preise und die Zahl der Arbeitsplätze... all das ist dramatisch gestiegen.
Und jetzt gibt es in der Zeitung einen Bericht, dass mein Lieblings-Schwellenmarkt wieder wächst, und das schneller als man dachte.
Indiens Wachstumsspurt um 7,9% macht die Prognosen zunichte"; heißt es in der Financial Times.
Das sind gute Nachrichten für diejenigen, die hoffen, dass die Schwellenmärkte das Wachstum bringen werden, das nötig ist, um die Welt aus der Krise zu ziehen. Die Vorstellung ist ganz einfach. Die amerikanischen Verbraucher haben nachgelassen. Den britischen Verbrauchern geht das Geld aus. Die Verbraucher aus Europa sind auf natürliche Weise geizig. Die japanischen Verbraucher befinden sich in einem Koma.
Wer wird also noch konsumieren?
Wo soll das Wachstum herkommen, das den chinesischen Fabriken ermöglicht, die Atmosphäre auch weiterhin zu verschmutzen und den indischen Call-Centern ermöglicht auch weiterhin die Kunden zu verwirren? Nun, aus Indien und China... und aus Brasilien und Russland... und aus dem Rest der Schwellenländer.
Und hier ist noch eine interessante Information. Nouriel Roubini hat zuletzt behauptet, dass es keine Möglichkeit für die Chinesen gibt, die amerikanischen Verbraucher zu ersetzen. Der amerikanische Konsum ist zehnmal größer als der chinesische Konsum. Zum Gipfel im Jahr 2007 haben die Amerikaner 380 Milliarden im Monat im Einzelhandel ausgegeben. Jetzt liegen die Zahlen bei knapp 345 Milliarden Dollar - ein Rückgang um 35 Milliarden Dollar in einem Monat.
In der gleichen Zeit sind die chinesischen Verbraucherausgaben von 110 Milliarden Dollar im Monat auf 150 Milliarden Dollar gestiegen. Das sind 40 Milliarden mehr und mehr als genug, um die neuentdeckte Sparsamkeit der Amerikaner auszugleichen.
Bei einem derartigen Ausmaß werden die Chinesen ihre produktive Kapazität sehr bald in eine neue Richtung lenken - so wie Indien es schon immer getan hat - sie werden den heimischen Markt ins Visier nehmen. Sie werden aufhören, hauptsächlich zu exportieren und - ist es zu glauben - in erster Linie importieren.
Wenn das eine Prognose sein sollte, dann würde das einen Weg für Amerika und seine Kumpane frei machen, der verlorenen Wirtschaftswelt zu entkommen. Sie könnten ihre Ökonomien von Import in Richtung Export wenden... von Konsum in Richtung Produktion... vom Nehmen zum Herstellen... und von Handelsdefiziten zu Handelsüberschüssen.
Das klingt doch recht einfach. Aber einen Augenblick... das steckt noch mehr dahinter. Um etwas an die Chinesen und Brasilianer zu verkaufen, muss man in der Lage sein, entweder beim Preis oder bei der Qualität in den Wettbewerb zu treten. Es ist schwer, etwas zu finden, wo die Amerikaner bezüglich des Preises wettbewerbsfähig wären, es sei denn, die Inflation senkt die amerikanischen Lohnkosten entscheidend. Und was die Qualität anbelangt, da haben Deutschland, Italien und Frankreich immer die Oberhand gehabt. Die Deutschen bauen Präzisionswerkzeuge. Die Italiener stellen Handtaschen her. Die Franzosen machen Joghurt. Was bleibt da noch?
Nun, es gibt immer noch etwas Raum. Aber es wird eine gewisse Zeit brauchen, ehe man einen Gang höher schalten kann. Ich habe z.B. auch meine Flagge aufgestellt - nicht die Krisenwarnflagge - sondern meine Unternehmensflagge, die jetzt in Indien weht. Ich würde gerne auch eine Flagge in Brasilien aufstellen. Aber ich gehe nicht davon aus, dass das so bald Gewinne abwerfen wird. Es braucht noch fünf bis zehn Jahre, ehe ein neu gegründetes Unternehmen in Schwung kommt.
Zwischen heute und dann wird es Booms, Krisen und Crashs geben.
Was für mein Unternehmen gilt, das gilt mit Sicherheit auch für die Wirtschaft. Es braucht Zeit... Versuch und Irrtum... Fehler und Korrekturen... Training... Booms, Krisen und Crashs, ehe etwas wirklich funktioniert. Und ein weiteres verlorenes Jahrzehnt... oder zwei.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hermann Aljes (08.12. 2009 08:18 Uhr):
Ich bin Überrascht einmal zu lesen wie ich es auch sehe-solche Leute wie Sie es sind müssten anders eingesetzt werden-mit schreiben alleine können wir nicht viel ändern.Mut und Endscheidungskraft ist angesagt weiter so.!!!!! mfg Hermann
Antworten - Kommentar von Wolfgang Scheid (08.12. 2009 09:08 Uhr):
Und wenn wir nicht gestorben sind... Das war ja leider mal wieder viel blablabla. Jetzt können uns also doch vieleeicht oder auch nicht unter gewissen Umständen die Inder, Chinesen und sogar die Brasilianer -man schaue sich nur die Ausschreitungen nach einem verlorenen Fussballspiel an !!!- retten. Aber Hauptsache, wir haben alle Szenarien einmal angesprochen, denn es geht letzten Endes doch nur darum, Recht zu haben. Nebenbei nochmals erwähnt, wieso zitiert selbst ein so kluger Kopf wie Sie nicht wenigstens ein Mal pro Quartal den einzigen wissenschaftlichen Kopf, der auf all Ihre Fragen evtl. eine ernstzunehmende Antwort hat, nämlich LaRouche. Sie müssen ihn und seine ständigen Warnungen doch einfach kennen, warum ignorieren -nicht nur Sie- ihn mit einer fast schon unerträglichen Arroganz. Zumindest dann sollten Sie ihn etwas ernster nehmen, wenn Sie mit Ihren heutigen kläglichen Erklärungsversuchen bei Inder, Chinesen und Brasilianern landen. Vielleicht bekommen Sie ja irgendwann damit RECHT, aber nochmals: Langfristig sind wir alle tot.
Antworten - Kommentar von Peter Harting (08.12. 2009 19:01 Uhr):
Wenn die Menschen nur das kaufen, was sie zum Leben brauchen, was wäre dann? Verbraucherwelt kaum noch. Die neuen Länder (Indien, China usw.) spekulieren vielleicht auf den gleichen Unsinn, der durch die Entstehung von "Verbraucherwelten" zu sogenanntem Lebensstandard geführt hat. Die Leute, die von "weniger als 1 Dollar pro Tag" leben, sind in der Regel glücklich. Man braucht zum Leben wahrscheinlich überhaupt keine Dollars. Der russische Bauer (vor der "Befreiung") hat nur einmal im Jahr Geld in die Hand nehmen müssen, wenn er Vieh auf dem Markt verkauft hat. Hier im Tal oder auf Porto Santo oder überall veröden und versteppen fruchtbare Wiesen. Die Leute, die daraus Nahrung erwirtschaftet haben, werden bald auf die andere Seite wechseln. Dann müssten wir "Überlebenden" den Pflug neu erfinden. Wenn wir damit beschäftigt sind, haben wir Arbeitsplätze genug und auch zu essen. Nur wer wird sich künftig dann goldene Nasen verdienen können? Eben deshalb wird der Club der Geldmacher einen Schock erleben, weil dort nur gelernt wird, wie man auf Kosten von "Verbrauchern" lebt, deren Weg entweder durch Illusion oder durch Selbstüberschätzung (oder Selbstmitleid, kommt aufs Gleiche raus) führt.
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