Der wichtigste Ökonom der Welt
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 08. Juni 2007 07:30 Uhr
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Wer ist der wichtigste Ökonom der Welt?
Die Antwort auf diese Frage war einst sehr einfach – Alan Greenspan. Gott schuf den Himmel und die Erde. Aber Greenspan schuf die Großen Blasen – zuerst bei den Aktien ... dann bei den Immobilien ... und jetzt in den Bereichen Kunst, Privatflugzeuge, Yachten, kommerzielles Eigentum, Schwellenmärkte, Hedgefonds, Derivate, Private Equity ... und noch viel, viel mehr.
Doch heute zieht Alan Greenspan herum und hält Reden … und Ben Bernanke muss sich um die Blasen kümmern, und er muss sich abmühen, um sie davon abzuhalten, zu platzen.
Wer ist also heute der mächtigste Ökonom?
Ich kenne seinen Namen nicht. Ich weiß noch nicht einmal, ob er ein Ökonom IST. Aber wer auch immer die Finanzpolitik in China im Gang hält – vielleicht der Chef der People’s Bank of China – ist der Mann, auf den man ein Auge haben sollte. China ist die am schnellsten wachsende Wirtschaft. Das Land hat den größten Berg an Dollars weltweit – mehr als eine Billion davon. Und es hat die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt.
Am Freitag letzter Woche war der chinesische Aktienmarkt wieder gefallen. Die Chinesische Zentralbank warnte das Volk, dass es sich ein bisschen zu sehr mitreißen ließe. Im Reich der Mitte ist es so heiß geworden, dass Ankündigungen von Tipps und Gerüchten in Internet-Chatrooms Millionen von Privatanlegern in Bewegung versetzen. Die Zentralbank hat verschiedene Mittel probiert, um sie wieder auf den Boden zu bringen. Aber nichts schien zu funktionieren – bis zur vergangenen Woche. Da wurde es, nachdem die Bank dem Aktienhandel eine Reihe weiterer Einschränkungen auferlegt hatte, dem chinesischen Volk ganz plötzlich zu frisch. Der CSI 300 Index hat den Rekordwert am 29. Mai erreicht, ungefähr 200% höher als vor 10 Jahren. Seither ist er um 15% gefallen.
Blickt man achtzig Jahre zurück, dann wundert man sich über die Ähnlichkeiten. Damals waren die USA die dynamischste Wirtschaft der Welt. Und damals hatten die USA den größten Berg an Geld. Sie hatten die Hälfte des Goldes, welches weltweit in den Zentralbanken lag. Und damals waren es die USA, die eifrig bemüht waren, die Währung der alternden Imperialmacht Großbritannien anzukurbeln, indem sie zusätzliche Dollarliquidität aufboten. Und damals war es diese Liquidität, die den amerikanischen Aktienmarkt massiv in die Höhe trieb. Damals versuchte die amerikanische Zentralbank die Bremsen anzuziehen ... und das gesamte System schlingerte außer Kontrolle ... und endete mit dem Crash von 1929 und der Weltwirtschaftskrise.
Jetzt bin ich mir absolut sicher – nachdem ich den Sonntagnachmittag in Gedanken zu diesem Problem zugebracht habe – dass, wer auch immer der wichtigste Ökonom der Welt ist, er ein kluger Kopf sein muss. Er wird nichts dummes tun. Schließlich hat er nicht erreicht, was er erreicht hat, indem er dumm handelte. Zugegeben – Ben Strong, der damalige Senator der Zentralbank in New York war auch nicht wirklich ein Idiot. Und derjenige, der damals das Sagen über die britische Finanzpolitik hatte war niemand anderes als Winston Churchill.
Doch heute sind wir alle so viel klüger als es unsere Großväter waren. Die armen Alten dachten, man käme zu Wohlstand, indem an hart arbeitet und sein Geld spart. Heute wissen wir, dass nur Einfaltspinsel versuchen würden, auf diese Weise reich zu werden. Heute wissen wir es besser. Heute wissen wir, dass das Mittel reich zu werden darin besteht, etwas zu kaufen. Chinesische Aktien. Oder ein Bild von Francis Bacon. Eigentlich fast alles. Egal was es ist, es wird unweigerlich im Preis steigen – um 100% ... um 200% ... 300% ... und dann werden wir wirklich Geld verdient haben.
Man sollte nicht zu raffgierig sein, aber der klügste Weg zu Wohlstand ist, den Kauf fremd zu finanzieren. Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen. Nur sagen wir 10%. Den Rest des Geldes kann man leihen. Wenn dann die chinesischen Aktien dreimal so viel wert sind, dann macht man nicht 200% mit seinem eigenen Geld ... man macht 2.900%. Und das ist doch schon was?
Und während ich über all das nachdachte, kam mir ein dunkler Gedanke in den Sinn. Wie wurden wir so viel intelligenter als unsere Väter und Großväter? Wie kommt es, dass sie nichts von dem erfunden haben, was unsere Zivilisation so komfortabel und produktiv werden lässt – Autos ... Verbrennungsmotoren ... Telekommunikation ... Flugzeuge … schmerzfreie Zahnbehandlungen … Globalisierung … Elektrizität ... Klimaanlagen ... Nuklearwaffen ... Wolkenkratzer … Fernseher ... das Semikolon ... Baumwollunterwäsche ... oder Penicillin?
Ach ... sie haben all das erfunden?
Na gut, dann haben sie vielleicht die Grundzutaten zum modernen Leben erfunden … aber sie haben trotzdem noch nicht YouTube erfunden. Also müssen sie wohl doch Dummköpfe gewesen sein.
Und dann kam mir ein weiterer düsterer Gedanke in den Sinn. Wenn wir so viel schlauer sind ... wer VERKAUFT dann? Sie verstehen, was ich meine. Wenn die klugen Leute alle reich werden, weil sie Sachen kaufen ... von dem kaufen sie dann? Wissen denn die Käufer nicht, was vor sich geht?
Ich lese in den Zeitungen, dass ein anderer großer Hedgefonds ins Gras beißt. Der Bericht lieferte deutlich zu viele Details, aber was ich verstanden habe ist, dass die Investmentbank UBS einige Milliarden Dollar investiert hat und eine Gruppe aufgestellt, die Dillon Read heißt, mit 250 Angestellten für das Trading. Dann hat dieses Hedgefonds-Unternehmen von seinen Kunden 3% des Kapitals und 35% der Ergebnisse verlangt. Normalerweise fordern Hedgefonds 2% und 20% für ihre Dienste. Aber dieses angehobenen Gebühren halfen dem Unternehmen, jedes Jahr Prämien von durchschnittlich mehr als einer Million Dollar an jeden der Angestellten zu vergeben.
Dieser Fonds ist nun dichtgemacht ... nach einem schlechten Trading-Monat an dessen Ende die Gruppe mit Millionenverlusten dastand. Wenn man eine Gruppe von 250 Leuten hat, die traden ... dann wird man auch Verluste haben. Manchmal sind es erhebliche Verluste. Selbst ein Alpha Hedgefonds – Goldmand Alpha Fund – hat im ersten Quartal dieses Jahres Geld verloren und ist um 3,4% gesunken.
Doch was müssen die Investoren glauben? Sie müssen glauben, dass all diese neuen Geldschieber klüger sind als ihre Großväter. Damals, in den Tagen unserer Großväter, erwartete man, dass jemand, der das Geld anderer Leute verwaltet, dafür ein bescheidenes Gehalt bekommen sollte und vielleicht noch eine kleine Prämie als Anreiz. Doch heute sind wir alle so viel schlauer. Wir wissen heute so viel besser, wie man Geld verwaltet ... und wie man die Kunden dafür zur Kasse bittet. In der Finanzwelt sitzen heute überall bei den Hedgefonds kluge Leute ... und bei den Gemeinschaftsfonds ... oder Private Equity. Jeder Pool von Geld – darunter auch Chinas Yangtze aus Geld – muss verwaltet werden. Und jeder Manager ist heute ein Genie, das kauft und verkauft und ein Vermögen verdient.
Aber wer steht auf der anderen Seite dieser Trades? Wer sind die Idioten, mit denen getradet wird?