Der wichtigste Faktor: die Erwartungshaltung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. Januar 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Erwartungshaltung
Somit sind wir nun wieder beim wichtigsten Faktor, für die Ölpreisentwicklung, angelangt: der Erwartungshaltung. Und sieht man sich die aktuelle Preisentwicklung an, muss man schon sagen: sie sind offenbar hoch, die Erwartungen.
Zum einen scheinen die Marktteilnehmer davon auszugehen, dass das aktuelle Überangebot nur eine temporäre Erscheinung ist und generell eigentlich ein Angebotsdefizit vorherrschen sollte, oder anders ausgedrückt: bald wieder vorherrschen wird.
Auf der anderen Seite rückt offenbar China im Zusammenhang mit den Ölpreisen immer stärker in den Fokus - wie zuvor bei den Industriemetallen. Dies könnte einer der interessantesten Aspekte für das Jahr 2010 und auch die Folgejahre werden.
Fazit
Die Erwartungen an die - tja wie soll man sie eigentlich nennen? Schwellenländer? Emerging Markets? - aktuellen Zugpferde der Weltwirtschaft sind offenbar hoch. Höher vermutlich als an die - tja wie soll man die nun wieder nennen? Ehemaligen Zugpferdchen der Weltwirtschaft? - westlichen Industrienationen, was das Nachfrage- und Verbrauchswachstum angeht. Dennoch, es handelt sich um Konjunkturerwartungen und wenn China in diesem Jahr die Liquiditäts-Zügel tatsächlich ein wenig straffen sollte, wenn mancherorts die Zinsen ein wenig angehoben, plötzlich doch ein wenig Anti-Schulden-Politik betrieben wird, dann, ja dann wird dem vorherrschenden Momentum der Konjunkturentwicklung wohl ein wenig der Wind aus den Segeln genommen werden. Erwartungen aber können sich ändern und enttäuschte Erwartungen sind nie besonders schön!
Saudi Arabiens König Abdullah erzählte am 25.Dezember einer kuwaitischen Zeitung, er halte einen Ölpreis von 75 bis 80 US-Dollar pro Barrel für fair. Ich persönlich würde mich mit einem Durchschnittspreis von 70 US-Dollar für 2010 ganz wohl fühlen. Das schmeckt nach Stabilität! Aber wann wäre Mr. Markets psychische Verfassung schon je auf Stabilität ausgerichtet?! ;-)
Möglicherweise liegt das nächste Ziel erst einmal bei 90 US-Dollar, aber dazu muss der Ölpreis zunächst die 85er-Marke schaffen. Ich glaube nicht, dass wir das Hoch von 2008 in diesem Jahr noch einmal sehen, denn schon ein Preis von über 100 US-Dollar birgt deutliche Gefahren für die weltwirtschaftliche Erholung - mit steigenden Kosten und sinkenden Margen für die Industrie. Fundamental betrachtet ist eine Korrektur zwar längst fällig, eintreten wird sie wohl aber erst, wenn es die Erwartungen zulassen. Bei stark enttäuschten Erwartungen könnte diese Korrektur dann auch deutlicher ausfallen. Langfristig gesehen und abhängig davon, wie sich der Wirtschaftszyklus weiter entwickelt, dürften dann allerdings wieder höhere Preise realistisch begründbar sein - etwa 120-130 US-Dollar bis 2013!
So long liebe Leser...so viel einmal zum Öl...morgen geht's weiter mit den Industriemetallen....ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, eine gute Nacht und bis morgen, wenn wir uns wiederlesen...
Ihre Miriam Kraus
ähnliche Beiträge:
- Kupfer – die Defiziterwartungen
- Hebel-Zertifikate versus Faktor-Zertifikate
- Rohstoff-Nachfrage der "Emerging Markets" steigt weiter
- Mit Faktor-Zertifikaten outperformen Sie Trendmärkte
- "Trading Know How": Faktor-Zertifikate
- Ein Faktor der für Gold spricht
- Sojabohnen: Nachfrageentwicklung bleibt der entscheidende Faktor
- Vertrauen ist das wichtigste...