Der Weltuntergang kann warten
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. September 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Bis zum 15. August 1971 wurde Reichtum in Einheiten einer realen und natürlichen Sache gemessen - Gold. Das konnte die anderen realen Dinge der Welt messen, deren Ressourcen und deren Output. Der Hauptvorteil von Gold war, dass man es nicht einfach drucken konnte. Das wiederum führte dazu, dass die Regierungen gegen Gold waren; sie konnten es nicht einfach vermehren.
Nuestra Senora de Atocha, eine spanische Galleone, versank im Jahr 1622. Ein Beitrag meines geschätzten Kollegen Michael Vaupel vom Traders Daily brachte mich auf diese Thematik. Als diese Galleone in den 1970ern gefunden wurde, waren die Gold-Dublonen immer noch in etwa so viel wert, wie sie es waren, als das Schiff 350 Jahre vorher Havanna verlassen hatte.
Aber nach dem Jahr 1971 haben wir ein neues, avantgardistisches Geldsystem. Der Reichtum wird nun in Papierstücken gemessen...oder als elektronische "Information". Jede Einheit davon hat keinen eigenen Wert. Jede solche Einheit repräsentiert nur einen Anspruch auf reale Güter und Dienstleistungen. Und jedes Jahr können davon weniger gekauft werden.
Was an diesem neuen Geldsystem am bemerkenswertesten ist, ist die Tatsache, dass es die ganze Zeit auf dem Weg in den Abgrund zu führen scheint, aber scheinbar niemals da hinkommt. Seit 1971 haben die Papierwährungen schnell an Wert verloren. Man sollte doch denken, dass ihr Genick nun schon gebrochen sei. Im Jahr 1972 kaufte ich eine Gallone Benzin für 25 Cents. Jetzt kostet sie 16 Mal so viel. Der Goldpreis ist um Faktor 50 gestiegen...und der Dollar hat 98% seiner Kaufkraft verloren. Wenn dieses Muster weitere 40 Jahre so geht, dann wird eine Gold-Dublone immer noch das kaufen, was sie heute kauft. Ein Dollar wird dann nichts mehr kaufen können.
Und dann verschwindet auch nicht nur der Dollar - sondern auch das Geld, das man der US-Regierung leiht. Das erhält man vielleicht nicht zurück. Die Renditen für 10jährige US-Staatsanleihen stehen bei rund 2%, was Investoren eine negative reale Rendite einbringt.
Aber das sollte nicht überraschen. Die japanischen Staatsanleihen haben ihr "AAA"-Ranking in 2002 verloren. Und deren Renditen stiegen nicht. Stattdessen blieben sie zwischen 1% und 2%. Und dann stiegen zuletzt die Kurse von japanischen Staatsanleihen auf ein Allzeittief, unter 1%. Das sind Anleihen von der Nation mit den höchsten Schulden weltweit.
Man sollte da doch denken, dass die Investoren ihren Verstand verloren haben. Aber nicht mehr als sonst. Denn es ist nicht der nominale Zins, um den sich die Investoren kümmern; es geht um den realen Zins. Die Aktienkurse und die Immobilienpreise sind in Japan 20 Jahre lang verprügelt worden. Die Anleihenkäufer waren die einzigen, die überhaupt etwas Geld verdienen konnten.
Eine Deflation lässt die Preise sinken. Selbst ein Zinssatz von 0% ist so gesehen in Zeiten einer Deflation eine positive Rendite. Und muss noch nicht einmal versteuert werden.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Franz Steinbauer (02.09. 2011 08:39 Uhr):
Der wahre Unterschied zwischen Gold und Papiergeld besteht darin, dass Papiergeld ein Anspruch auf die Erbringung zukünftiger Leistungen ist. Gold wurde bereits aus dem Bergwerk geholt und hat die Erbringung der Leistung schon hinter sich. Bei Gold gibt es kein Gegenparteienrisiko. Bei Papiergeld wird hingegen mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit der Fall eintreten, dass irgendwann der Tag nicht mehr genug Stunden hat, um die aufgelaufenen Verpflichtungen erfüllen zu können. Diesem Punkt nähern wir uns auf einer Exponentialfunktion, d.h. mit rasch zunehmender Geschwindigkeit.
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