Der weiße Delfin
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 10. Mai 2007 12:00 Uhr
ENL5454
*** Eine Meldung, bei der ich echt einen Hals bekommen habe, denn das ist leider eine Kehrseite des chinesischen Wirtschaftsbooms.
Der Weiße Flussdelfin im Jangtse, Baiji genannt, ist praktisch ausgestorben (überliest sich leicht in der täglichen Datenflut der Tickermeldungen).
Die Kontamination der in den Jangtse mündenden Flüsse mit Chemikalien, die Zuleitung von ungeklärten Abwässern und die Tatsache, dass das Echolotsystem der Delfine mit dem verstärkten Schiffsverkehr Probleme hat, haben dazu geführt.
Die wenigen noch lebenden Tiere reichen nach Ansicht von Forschern zur Arterhaltung nicht aus. (Diese Geschichte geht also leider nicht gut aus, wie die vom „weißen Wal“ letzte Woche.) Der Baiji, wie alle Delfine höchst intelligent, lebte seit 20 Millionen Jahren in dem chinesischen Fluss. Und jetzt hat es der Mensch in wenigen Jahrzehnten geschafft, ihn auszurotten.
Warum ich da einen Hals habe? Warum kümmert mich das? Ist es wirklich wichtig, ob der Jangtse-Delfin auf dieser Welt existiert, oder in Fachbüchern als ausgestorben vermerkt wird?
Nun, ja, das ist wichtig. Jedes Tier und jede Pflanze ist ein integraler Teil ihrer Umgebung. Auch wenn der Verlust von ein paar Tierarten fast irrelevant aussieht, verglichen mit den großen Problemen wie Klimawandel, Versteppung und Versalzung von Feldern, Erosion, Abholzung des Regenwaldes. Es ist wichtig.
Es gibt schon einen einzigen ausreichenden Grund dafür, dass wir Tierarten wie den Weißen Flussdelfin vor dem Aussterben bewahren sollten. Meiner Ansicht nach ist kein anderer Grund notwendig. Die Welt ist ohne Tiere wie den Weißen Flussdelfin einfach ärmer. Sie sind genauso Teil der Schöpfung wie wir selbst. Wenn eine Tierart erstmal ausgerottet ist, wird sie niemals zurückkehren. Ein Teil der Vielfalt ist unwiederbringlich verloren.
*** Tja, und jetzt die obligatorische Frage (zumindest meines Produktmanagers): Was hat das in einem Finanzen-Newsletters verloren?
Da bekomme ich diesmal die Kurve: Denn die chinesische Führung hat gerade Programme zur Verbesserung der Wasserqualität gestartet. Ganz einfach aus dem Grund, weil verseuchte Flüsse nicht mehr zur Wasserversorgung der Bevölkerung bereitstehen, und 1,3 Mrd. Menschen und die chinesische Landwirtschaft brauchen eine Menge Wasser. Hat den schönen „Nebeneffekt“, dass sich die Umwelt freuen kann und einige Fischarten vor dem Aussterben bewahrt werden.
Aktuell werden nur rund 25% der Abwässer geklärt. Bis 2010 soll dieser Anteil mindestens verdoppelt werden. In Peking soll die Klärquote von 50% auf 90% steigen.
Es werden entsprechend Milliardenschwere Aufträge vergeben. Es profitieren in erster Linie Wasseraufbereiter etc., auf Jahre hinaus. Und zwar profitieren chinesische Unternehmen, denn die chinesische Führung vergibt staatliche Aufträge am liebsten an einheimische Unternehmen (eine lobenswerte patriotische Vorgehensweise.)
Da gibt es also konkrete Aktien, die Sie kaufen können. (Wie üblich gilt leider: Konkrete Empfehlung darf ich an dieser Stelle nicht geben, da ich einen entsprechenden Titel kostenpflichtig empfohlen habe.) Aber recherchieren Sie doch selber mal ein wenig, wenn Sie mögen, das könnte sich lohnen….
Viele Grüße,
Michael Vaupel