Der Weg des größten Schmerzes
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. Juli 2008, 17:00 Uhr
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Liebe Leserinnen und Leser,
hoffentlich war Ihr Wochenende etwas beschaulicher und weniger nervenaufreibend als die vergangene Woche. Denn diese hatte es mal wieder in sich und bot jede Menge Überraschungen und Nervenkitzel, egal ob man in Nebenwerten- oder Standardwerten investiert war. Aufregend war es so oder so, und bis zum Ende der Woche erholte sich der DAX z.B. um vier Prozent, was man ja heut zu Tage gar nicht mehr gewohnt ist.
Auch psychologischer Sicht war die Börsenwoche sogar recht typisch, denn am Montag und Dienstag wirkten die neuerlich schlechten Nachrichten aus dem US-Finanzsektor, die über das Wochenende verbreitet wurden, noch nach und erhöhten die Mauer der Angst!. Doch ganz plötzlich, als die Panik kaum noch zu steigern war, begann der Ölpreis seine längst überfällige Korrektur und nahm dadurch großen Druck vom Aktienmarkt. Gleichzeitig berichteten einige US-Firmen, vor allem natürlich Morgan Stanley, besser als erwartet und lösten dadurch eine Erleichterungsrallye aus.
Der Weg des größten Schmerzes
Typisch war die Börsenwoche also insofern, dass die Kurse exakt zu dem Zeitpunkt drehten, in dem der fundamentale Ausblick am finstersten und die Hoffnungslosigkeit am größten war. Denn das sind die Börsenphasen, in denen sich die cleversten Bären, die also schon sehr frühzeitig auf fallende Kurse gesetzt hatten, allmählich fragen, ob denn überhaupt die Nachrichten noch schlechter werden können. Falls die shorties davon ausgehen, dass für eine Weile keine noch größeren Katastrophen zu erwarten seien, beginnen diese allmählich ihre zuvor verkauften Aktien am Markt einzudecken. Je mehr Leerverkäufer zum selben Zeitpunkt ihre Stücke eindecken, desto schneller werden durch die nun plötzlich steigenden Kurse die stopp-loss-Orders weiterer shorties ausgelöst, deren Kauforders dann noch zusätzlich auf den ausgedünnten Markt treffen. Und schon ist eine veritable short-squeeze" im Gange, während der die Kurse mit dem gleichen Druck nach oben fliegen als ob Sie eine Flasche Sekt entkorkt hätten.
Die meisten dieser Eindeckungs-Rallies sind jedoch nur temporäre Erscheinungen im intakten Abwärtstrend und erinnern erfahrene Börseprofis nur an eine kurz auflodernde Stichflamme. Vor allem die erste Rallye in einem schwachen Markt sollten Sie niemals zu ernst nehmen, da ein Bärenmarkt von mehreren Erholungsbewegungen geprägt wird. Genau so wie in der Hausse die Kurse durchatmen müssen um Kraft zu schöpfen, ist es auch in der Baisse. Erst wenn sich wieder genügend Bullen auf der Koppel befinden und die Kurse etwas mehr Fleisch" angesetzt haben, werden die Bären wieder angriffslustig! Dies ist auch der Grund, warum viele Anleger am Ende der Baisse, wenn die Kurse wirklich wieder steigen, keine Liquidität mehr haben um daran teilzuhaben. Deshalb sollten Sie gar nicht erst krampfhaft versuchen, jedes Tief zu kaufen. Denn dies gelingt Ihnen vielleicht nur einmal im Leben. Erfolgreiche Investoren warten lieber eine Bodenbildung ab und steigen dann etwas später, aber viel sicherer und mit Airbag ein.
Um die Chancen und Aussichten dieser jüngsten Erholungsbewegung zu klären, will ich jetzt mit Ihnen einen Blick auf den Chart des SDAX werfen.
Chart SDAX: Sechs Monate
Copyright: www.tradesignalonline.com
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