J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom
*** Erzählen Sie mir bitte nicht, sie seien überrascht zu erfahren, dass ich, wenn es um moderne Kunst geht zum Philister werde. Ich bin mir nicht sicher, was ich mehr verabscheue: die eigentlichen Werke oder das hündische Geschwätz der Akademiker und Kritiker, das normalerweise damit in gleicher Weise untrennbar verbunden ist, wie ein Kaugummi mit einer Schuhsohle.
Ich habe mir Ende letzter Woche Gedanken darüber gemacht, während ich, den Kopf in die Hände gestützt, dem Symphonie-Orchester aus Baltimore zuhörte, das unter der Leitung von Jean Casadesus 'Métaboles' von Henri Dutilleux aus dem Jahr 1964 spielte.
Unter den kulturellen Agnostikern, zu denen auch ich zähle, ist Dutilleux relativ unbekannt. Ich würde meinen, dass es dafür gute Gründe gibt. Seine Musik ist genauso unerfreulich wie ein Kunstkritiker aus Manhattan nach seinem fünften Martini. Der Titel "Métaboles" erfahre ich im Programmheft, "bezieht sich auf einen chemischen Prozess, bei dem sich die Elemente in etwas anders verwandeln." Nach allem was ich dazu sagen kann, hätte es genauso gut auch den Titel "Verdauung" haben können, Denn es erinnerte mich an die Geräusche, die meine Eingeweide nach einem Porterhouse Steak aus Ruth's Chris Steakhouse von sich geben.
Hier war es allerdings wesentlich lauter und außerdem sind bei mir normalerweise keine Zuhörer anwesend.
"Dutilleux übertrifft in Sachen Qualität, nicht Quantität", fährt das Programmheft fort, "denn seine Werke sind so schön gestaltet, wie feinste Diamanten."
Oh mein Gott, was für eine Überladung.
*** Doch kann moderne Kunst auch als perfektes Beispiel hinzugezogen werden, wenn wir uns mit der Natur des "Wertes" befassen. Zyniker wie ich betrachten das Symphonieorchester wenn es Dutilleux spielt als eine Gruppe schwarz gekleideter Leute, die alle Lärm machen, indem sie auf Ziegenfelle schlagen, Schwingungen mit den Eingeweiden von Katzen auslösen oder Schilf zum Vibrieren bringen.
Um siebzehn Minuten preisträchtigen kakophonischen Lärm zu erzeugen, müssen hundert Leute Instrumente spielen, die zusammen vielleicht 50 Millionen Dollar wert sind, sie bringen vorher zusammen Jahrzehnte – und nie erwähnte Millionen – für die Übung und für die Löhne auf. Und wenn dann die letzte Note verklingt, dann ist nichts geschaffen worden, was einen greifbaren Wert hat.
Aber dennoch war der Saal mit überwiegend älteren Zuhörern gefüllt, die bereit waren zwischen 30 und 200 Dollar für diese Freude auf den Tisch zu legen – obwohl die meisten vermutlich durch Frank Peter Zimmermann angelockt worden waren, der vor der Pause Brahms 'Violin Konzert in D-Dur' spielte.
Und ich wette, dass tausende Leser jetzt an mich schreiben werden, und mich mit allen möglichen Schimpfwörtern bezeichnen, weil ich den Wert der Kunst für eine Gesellschaft nicht anerkenne.
*** Das Konzept vom Wert im Kontext moderner Kunst wird noch greifbarer, wenn man über den gegenwärtigen Wirbel nachdenkt, der um die 32 Jackson Pollock Gemälde veranstaltet wird, die vor einigen Jahren in einem Schließfach entdeckt wurden.
Nun, "Jack the Dripper" (Jack der Tropfer) ist berühmt dafür, dass er Farbspritzer produziert. Jeder Vater und jede Mutter mit einem Kind in der Grundschule kennt das, weil jedes Kind in der ersten Klasse dazu aufgefordert wird, ein Bild in Jackson Pollock Manier im Kunstunterricht zu produzieren.
Aus einer grundlegenden Wertperspektive gibt es nur wenige Unterschiede zwischen einem echten Pollock und den Kunstwerken meiner Tochter: Farbe im Wert eines Bruchteils von einem Cents wird in zufälligen Mustern auf einem Bogen Papier verteilt. Doch die Kunstwerke meiner Tochter enden in einem Karton im Keller, zusammen mit ihren anderen erinnerungswürdigen Bildern.
Eines von Pollocks großen Tropfbildern (Nummer 12 aus dem Jahr 1949) wurde im vergangenen Jahr vom Museum for Modern Art für 11,65 Millionen Dollar erworben.
Doch die letzten Funde zeigen, dass es nicht der absolute Wert der Bilder ist, der ihren wahrgenommenen Wert begründet. Hier geht es eher um die Zuschreibung – das ist die Entsprechung der Analysten-Abdeckung im Bereich der Kunst.
Um sicher zu stellen, dass die Bilder aus dem Schließfach unbezahlbare Pollocks sind und keine wertlosen Schmutzlappen seines Anstreichers, hat die Pollock-Krasner Foundation Dutzende von Experten zu Rate gezogen – und sogar eine Fraktalanalyse in Auftrag gegeben.