Der Wahnsinn ist zurückgekehrt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 04. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Was für eine Freude! Er ist wieder da! Der Wahnsinn ... der pure, gierige Wahnsinn!
Es hatte so viel Spaß gemacht, sich über die "Neue Ära" lächerlich zu machen ... über das Informationszeitalter ... die Spekulationsblase bei Internet-Aktien ... die Friedensdividende ... das Ende der Geschichte ... und den "neuen, digitalen Menschen".
Und dann kam der Bärenmarkt der Jahre 2000 bis 2002 ... plötzlich schienen die Leute wieder nüchtern zu werden. Für einen Moment lang sah es so aus, als ob sie ihren Schnaps-Schrank abschließen würden.
Dann begannen die Politiker zu trinken. Aber die Politiker sind gemeine Trinker. Der Wahnsinn, über den man sich am Aktienmarkt so amüsieren konnte, hatte hier eine andere Kategorie. Der "Clash of Civilizations" ... das "Nation Building" ... das Bringen des Geschenks der Demokratie zu den Wüstenstämmen – diese Unterhaltung war nicht weniger verrückt als die "Neue Ära", aber manchmal war es nicht so witzig. Denn das Drehbuch war eher das einer Tragödie als das einer Komödie.
Ich lache, wenn ich sehe, wie große Betrüger scheitern ... und ich lache auch laut, wenn überteuerte Neuemissionen schließlich explodieren ... und ich schmunzle sogar dann, wenn die Kleinanleger das bekommen, was sie verdienen. Aber anders ist es bei der Politik. Ich habe keine Freude an Leichen. Und in den Särgen, die aus Kriegsschauplätzen nach Hause gebracht werden, scheinen niemals die richtigen Körper zu liegen. Das ist das Problem mit dem Krieg, liebe(r) Leser(in). Die Leichen sind die von den armen Schluckern, die den Botengang auf sich nehmen mussten ... aber die Leute, die sie geschickt haben, sterben nicht an ihren Entscheidungen. Sie müssen sie nicht am eigenen Leib spüren.
Aber jetzt bin ich froh, dass der Wahnsinn wieder da ist, wo er hingehört – nämlich an die Wall Street.
Die "Rückkehr der Spekulationsblase", so nennt das die MoneyWeek aus London. Der Nasdaq 100 ist in den letzten 12 Monaten um mehr als 70 % gestiegen. Jetzt hat er ein durchschnittliches KGV von – halten Sie sich fest –97. Yahoo hat ein KGV von 112, Amazon eins von 93.
Das sind nicht nur sehr optimistische Zahlen, so zitiert MoneyWeek ein paar Analysten, sondern "sie sind halluzinatorisch ... irgendwie erinnert diese Rally an die Fortsetzung eines Films, von dem man hoffte, ihn nie wieder zu sehen."
Was könnte diese hohen Kurse rechtfertigen? Nun, spektakuläres Wachstum. Aber eine Umfrage von Goldman Sachs "zeigt, dass die Unternehmen ihre Technologieausgaben im nächsten Jahr nur um moderate 1,3 % erhöhen wollen", so MoneyWeek weiter.
Es gibt wieder Neuemissionen. Und auch Daytrading.
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