Der Vermögenseffekt der Aktienkursverluste

unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily zum Thema Aktien
vom


von unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street

Der Dow Jones hatte zuletzt 5-Jahres-Tiefs erreicht, der Nasdaq-Composite 6-Jahres-Tiefs. Wie konnte das passieren? Abby Joseph Cohen hat uns doch gesagt, dass dies nicht passieren würde!


Aber jetzt, wo genau das passiert ist, was sie NICHT erwartet hat, ist sie zuversichtlich, dass das Schlimmste hinter uns liegt und dass man deshalb Aktien kaufen sollte.

Fred Hickey ist der Herausgeber des "High Tech Strategist", und der Mann bleibt skeptisch. Er sieht die Dinge ein wenig anders als Abby Joseph Cohen. Er sieht den Nasdaq-Composite weiter fallen, bis auf ein Niveau zwischen 600 und 700 Punkten. Die Unternehmensgewinne reichen einfach nicht aus, das jetzige Niveau zu rechtfertigen, so Hickey.

Mein Kollege Addison Wiggin meint: "Wenn man sich die Märkte nur unter dem Aspekt des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) ansieht, dann ist der Bärenmarkt wahrscheinlich noch nicht zu Ende. Der S&P 500 ist beim aktuellen Stand von rund 800 Punkten immer noch mit einem KGV von 30 bewertet. Er muss also unter 500 Punkte fallen – also noch weitere 37,5 % –, nur um ein immer noch nicht billiges KGV von 20 zu erreichen."

Hickey nennt Intel als ein typisches Beispiel für die Überbewertung des Marktes. Obwohl Intel seine Gewinne praktisch gar nicht mehr steigert, hat die Aktie ein KGV von 30. "Sogar in den guten Jahren von 1988 bis 1996 lag das KGV nur bei durchschnittlich 10,7 – im Hoch bei 14,2."

Der Aktienmarkt ist auf dem Weg ins dritte Verlustjahr. Das bedeutet, dass die Wall Street Analysten drei Jahre in Folge komplett falsche Prognosen abgeliefert haben.

Wie die französischen und deutschen Kommandanten der Schlacht von Verdun (dem blutigsten Gemetzel des Ersten Weltkriegs) haben auch die Wall Street Analysten – natürlich weit hinter der Front – Welle auf Welle von Investoren in den Aktienmarkt geschickt. Wellen von Unschuldigen wurden hingemetzelt. Und das Schlimmste: Das Gemetzel ist vielleicht noch nicht vorbei. Richard Bernstein, Chefanalyst von Merrill Lynch, liefert eine gute Begründung dafür, warum die Märkte noch weiter fallen werden: Die Wall Street Analysten sind immer noch BULLISH.

Sein "Sell-Side Indicator" ist auf den höchsten Wert der letzten 10 Monate gestiegen.

Der Indikator basiert auf den Aktien-Empfehlungen der Wall Street Analysten. Mit anderen Worten, je enthusiastischer die Analysten, desto schlechter wird sich der Markt entwickeln. Ein Contra-Indikator also. Der aktuelle Wert von 69,9 % ist der sechsthöchste überhaupt. Bernstein meint dazu: "Wall Street Analysten glauben weiterhin, dass jetzt die beste Zeit der letzten 16 bis 17 Jahre zum Aktienkauf ist."

Alan Abelsons Kommentar zu diesem Indikator: "Fragen Sie uns deshalb nicht, warum wir immer noch auf der Bärenseite stehen. Fragen Sie lieber diese ganzen Analysten, warum sie immer noch BULLISH sind!"

Gute Frage.

Dresdner Kleinwort Wasserstein prognostiziert, dass der Sell-Off der letzten Monate den Konsumausgaben nicht gut tun wird. "Der potenzielle negative Vermögenseffekt der Aktienkursverluste auf die Konsumausgaben hat sich verschlechtert", so das Brokerhaus. "Anfang April 2002 stand die gesamte Marktkapitalisierung der US-Aktien bei 14,8 Billionen Dollar, etwas mehr als der Durchschnitt für 2001 (14,6 Billionen Dollar). Obwohl sich die gesamte Marktkapitalisierung seit 2000 natürlich stark verringert hat, so schien sie sich doch stabilisiert zu haben. In den letzten 4 Monaten hat sich dies geändert – es ging weiter abwärts. Der marktbreite Wilshire 5000 Aktienindex hat seit Jahresanfang 20 % verloren ... Die Konsumausgaben könnten deshalb dieses Jahr um 80 Milliarden Dollar unter dem Wert bleiben, den sie ohne Aktienkursverluste gehabt hätten."

80 Milliarden Dollar sind eine ganz schöne Menge ... wir könnten ihr Fehlen bemerken.


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