Der verhasste Kapitalismus

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Alle hassen den Kapitalismus, er kann also nicht so schlecht sein.

Ihr Armen der Welt, Schließt euch gegen den Kapitalismus zusammen", heißt es auf einem großen Poster in Managua... außerdem ist auf dem Poster das größte Bild eines angeklagten Vergewaltigers, das ich je gesehen habe. Kein Witz. Daniel Ortegas Stieftochter sagte, sie sei von ihm vergewaltigt und misshandelt worden, seit sie zehn Jahre alt war.


Was stimmt mit diesen Leuten nicht? Werden sie denn nie etwas lernen? Der Kapitalismus ist gescheitert", sagen sie. Wir brauchen die Regierung, damit sie die Probleme löst..." Die Reichen hassen den Kapitalismus, weil er droht, ihnen ihr Geld abzunehmen.

Die Armen hassen ihn, weil sie denken, dass er sie davon abhält überhaupt an Geld zu kommen. Und wo man auch hinsieht, bieten die Stümper Rettungen und Geldausgaben auf Staatskosten. Wenn so viele Menschen versuchen, den Kapitalismus zu verbessern, ist es ein Wunder, dass sie noch nicht auf eine bessere Idee gekommen sind.

Danny Ortega lässt es so klingen, als sei der Kapitalismus ein System, das von den Reichen erfunden wurde, um die armen Menschen klein zu halten. Stattdessen ist es das, was passiert, wenn man die Menschen in Ruhe lässt: Einige gucken fern... andere plappern von der Politik... und einige bauen ihren Wohlstand auf.

Die Regeln sind ganz einfach. Du sollst nicht stehlen, heißt es in der Bibel. Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu. Alles andere - von den Hedgefonds bis zu den Derivaten - ist im Grunde nur eine Ausarbeitung. Die Leute schließen Geschäfte mit ihren Nachbarn ab, um zu bekommen, was sie brauchen. Der eine baut Weizen an, der andere backt das Brot. Solange sie die Abmachungen wechselseitig akzeptieren und das Eigentum der anderen, wird alles einigermaßen anständig funktionieren.

Wäre da nicht der Drang zu Diebstahl und Sklaverei

Aber der Drang zu Diebstahl und Sklaverei ist genauso stark wie der Rum-Punsch. Einer hat eine Flasche Flor de Cana Rum; ein anderer will ihn schlagen, und ihm die Flasche wegnehmen. Und wenn er damit davonkommen kann, dann stecken wir alle in Schwierigkeiten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich schätzungsweise zwei Milliarden Menschen an einem kühnen Experiment beteiligt. Die Idee dahinter war zu beweisen - und zu widerlegen - dass es der Zentralplanung besser gelingen würde, die Güter und Dienstleistungen bereitzustellen, als den Leuten die auf sich selbst gestellt sind.

Afrika leidet unter Hilfe

Nachdem Mao an die Macht kam, kehrte beispielsweise China dem Kapitalismus für eine ganze Generation den Rücken. Millionen sind verhungert oder direkt bei verschiedenen Schwindeleien wie z.B. beim Großen Sprung Vorwärts oder der Kulturrevolution getötet worden. Und dann kündigte Deng Xiaoping den Wandel an. Reich zu werden ist glorreich" verkündete er. Und seither haben die Genossen Kapitalisten schneller als je zuvor in der Geschichte Wohlstand geschaffen.

Zu schade, dass die Chinesen in Afrika nicht das Sagen haben. Aber Afrika habe auch einen großen Nachteil gehabt, sagt Damisa Moyo, der Rest der Welt hat hier geholfen". Anstatt der Natur ihren Lauf zu lassen, hat Afrika eine Rettung nach der anderen erhalten. Dank so vieler Rettungen, ist das Land jetzt pleite und noch verzweifelter als je zuvor.

Sie sollten so darüber denken", sagt Ms. Moyo. China hat 1,3 Milliarden Menschen und nur 300 Millionen von ihnen leben, wie wir, wenn man so will, mit westlichem Lebensstandard. Es gibt eine Milliarde Chinesen, die unter Bedingungen unter dem Standard leben. Kennen Sie jemanden, der Mitleid mit den Chinesen hat? Niemanden. Vor vierzig Jahren war China ärmer als jedes afrikanische Land. Ja, sie haben heute Geld. Aber wo kommt das Geld her?

Es kam nicht aus den Finanzspritzen, sagt sie. Und es ist auch nicht von den anti-kapitalistischen Unsinns-Demagogen gekommen. Auch Russland ist erst gediehen, nachdem es die Bolschewiken weggeschickt hat. Gorbatschow hat sein Perestroika-Programm im Juni 1987 verkündet.

Eine Party mit Freibier

In der Kontrollgruppe machten derweil die Amerikaner ihre eigenen anti-kapitalistischen Fehler. Die Zentralbank hat Geld zu künstlich gering gehaltenen Zinssätzen verliehen - und damit den Wert der Kapitalanlagen verzerrt. Die Steuerpolitik, die von der Regierung gestützten Kreditgeber und die Bankenregulierung der Regierung hat die Immobilienblase hervorgerufen. Und die Verwendung des Dollars als einer internationalen Reservewährung hat das hervorgerufen, was letzten Endes einer Party mit kostenlosen Getränken die ganze Nacht durch entspricht.

Anstatt sich auf Gold zu stützen, so wie sie es bis 1971 getan haben, konnten die Amerikaner ihre Schulden begleichen, indem sie mehr grüne Papierschnipsel in Umlauf brachten. Und dann mussten die lokalen Ökonomien gewaltige Mengen ihres eigenen Papiergeldes verwenden, nur um hinterher zu kommen. Diese Liquidität erzeugte eine Serie von Blasen... die zur großen Blase bei den Finanzen und den Immobilien führte, die dann zwischen 2007 und 2008 geplatzt ist.

Spät in der Nacht, nachdem die Party gründlich gelaufen ist, sind fast alle gleichermaßen ansprechend. Eine argentinische Anleihe? Ein Haus in Pamona? Eine Aktie von Renault?`Und sie alle sind im Wert gestiegen. Aber als dann das Licht des Morgens kam, fingen die Anleger an, Unterscheidungen zu machen: Und da wollten sie dann nur noch die besten.

Ein Unternehmen, das Geld verliert, ist wie die Sowjetunion - es ist ein Wohlstandszerstörer, kein Wohlstandserzeuger. Es produziert Güter, die weniger wert sind als die Ressourcen, die dafür notwendig waren. Irgendwann braucht man eine Perestroika; wenn man das Ganze mit Rettungsaktionen und Staatsausgaben stützt, dann verschlimmert das die Verluste nur noch.

Bei der sowjetischen Wirtschaft haben die Unternehmen wertvolle Rohmaterialien verwendet und sie dann in ein schäbiges Endprodukt verwandelt, das niemand haben wollte. Bei der kapitalistischen Entsprechung wurden ganze Schiffsladungen von wertvollen Produkten und Dienstleistungen erzeugt, für Leute, die sich diese nicht wirklich leisten konnten. Natürlich sind die Hersteller deutlich weniger wert als die Leute dachten. Genauso die Häuser, in denen ihre überschuldeten Kunden leben.

Und genauso alle auf Schulden basierenden Instrumente, die ihre Ausgaben unterstützen sollten. Der Wohlstand der gesamten Welt soll Schätzungen zufolge einen Wert von ungefähr 100 Billionen Dollar haben. Kapitalmärkte haben in ihrer Weisheit ungefähr ein Drittel dieses Wohlstandes als nicht länger lebensfähig beurteilt.

Heute ist Amerika das Land, das eine Perestroika braucht", sagt der einstige Sowjetchef Michail Gorbatschow. Man muss kein Nobelpreisträger sein, um als Wirtschaftler zu verstehen, dass ein Land mit 20% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes 40% der weltweiten Rohstoffe verbraucht."

Eine Perestroika für den Kapitalismus

Ja, Gorbatschow hat mit einer ganzen Reihe von Dingen Recht. Die westlichen kapitalistischen Ökonomien stecken inmitten ihrer eigenen Perestroika. Sie werden restrukturiert. Aber nicht von den Weltverbesserern. Sie werden vielmehr vom Kapitalismus selbst restrukturiert... Lasst den Kapitalismus in Ruhe und er wird die Aufgabe schneller und deutlich besser erledigen als es denjenigen, die sich überall einmischen, je gelingen würde.

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von
Bill Bonner
Bill Bonner

Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.


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