Der US-Immobilienmarkt taucht ab
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. August 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Wenngleich der ifo-Index für uns gestern die bei weitem interessanteste Konjunkturzahl war, auch in den USA kamen zwei Zahlen auf den Tisch, die ein genaueres Hinsehen verdienen.
Zunächst wurden um 14:30 Uhr die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im Juli veröffentlicht. Auf den ersten Blick sahen die Daten sehr schwach aus, ausreichend schwach, um sich nun erneut über eine Rezession statt über Zinserhöhungen Sorgen zu machen.
Doch der zweite Blick moderierte diese Zahl sofort. Die Gesamtrate kam mit einem Minus von 2,4% heraus, deutlich unterhalb der Prognose von -0,8 bis –1,0%. Aber: Zum einen wurde der Wert des Vormonats von +2,9% auf +3,5% nach oben korrigiert. Und von diesem Niveau aus zählt ja die Veränderung. Zum anderen betraf dieser Rückgang nur die Gesamtrate.
Und hier darf man, im Gegensatz zu den Inflationsdaten, durchaus einmal mit Recht nur auf die Kernrate blicken. Denn in der Kernrate werden wirklich extrem schwankungsfreudige Elemente, vor allem der Rüstungsbereich, herausgerechnet. Gerade solche sehr hochpreisigen Bereiche wie z.B. Kampfflugzeuge oder Schiffe können natürlich keine regelmäßigen Zuflüsse im Auftragsbereich aufweisen. Und der Blick auf die Kernrate zeigt, dass die US-Regierung beim Kauf von Waffen auf Pump wohl gerade eine kleine Pause einlegt:
In der Kernrate wiesen die Auftragseingänge einen Anstieg um 0,5% auf. Das wiederum übertraf die Erwartungen von +0,3%, zugleich wurde der Wert für Juni von zuvor 1,1% auf +2,2% nach oben korrigiert. Und das ist durchaus ein positives Bild – nicht zu hoch, um erneut steigende Zinsen zu fürchten, aber auch nicht so niedrig, dass ein zu starkes Abkühlen der US-Konjunktur zu befürchten wäre. Das Problem hinsichtlich einer Bauchlandung der US-Wirtschaft liegt zunächst woanders:
Die Verkäufe neuer US-Eigenheime im Juli ist drastisch zurückgegangen. Damit wird das Bild eines erneut sehr deutlich rückläufigen Monats an den Immobilenmarkt abgerundet – zur Komplettierung fehlen nur noch die Bauausgaben in der kommenden Woche.
Die Zahl der verkauften Einheiten sank von 1,12 auf 1,072 Millionen Einheiten. Das alleine markiert ein Minus von über vier Prozent, nicht eingerechnet die Tatsache, dass der Juni-Wert von 1,13 auf 1,12 Millionen nach unten korrigiert werden musste.
Das ist ein weiteres starkes Signal dafür, dass die fallenden Preise und die gestiegenen Hypothekenzinsen nun massiv auf die Baukonjunktur durchschlagen. Es war, ich hatte es ja bereits angesprochen, erhofft worden, dass sich die Immobilenblase auflösen würde, ohne laut zu platzen. Diese kräftigen Rückgänge zeigen an, dass in der Tat nur die Luft entweicht ... aber sie entweicht schnell. Dieses Tempo mag die Investoren zusammenzucken lassen, aber angesichts des gigantischen Ausmaßes der Übertreibung wird die US-Wirtschaft um eine solche Rosskur nicht herumkommen!