Der Unterschied von Korrektur und Abwärtstrend
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 09. Juni 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
die Analysten können sich bestätigt fühlen. Die Rohstoffpreise fallen und der inflationäre Druck nimmt ab. Solche Meldungen habe ich in den letzten Wochen sehr häufig gelesen. Ich möchte Sie jedoch auch darauf hinweisen, dass die aktuelle Marktmeinung immer ein Spiegelbild dessen ist, was am Markt gerade passiert. Man darf gerne sagen, dass die Kurse die Nachrichten und nicht die Nachrichten die Kurse machen.
Um aber an der Börse Erfolg zu haben muss man sich auch einmal gegen die vorherrschende Meinung stellen. Sicher wenn Sie sich die Kursgewinne in einigen Rohstoffen und die dazugehörigen Marktberichte ansehen, dann war es klar, dass die Preise für nahezu alle Rohstoffe mit Ausnahme der Agrarrohstoffe kurzfristig überzogen waren. Allerdings muss man auch beachten, dass bislang nur wenig Kapital in die Anlageklasse der Rohstoffe geflossen ist und selbst im Kupfer trotz der explodierenden Preise nur relativ wenige Spekulanten agil waren.
Deshalb denke ich, dass Sie Kursrückgänge wie diese, die im Extremfall noch ein paar Monate anhalten könnten zum Kauf und nicht zum Verkauf nutzen sollten. Vielleicht fragen Sie sich, weshalb Sie nicht zum Höchstkurs verkauft haben, um jetzt wieder einzusteigen? Sicher diese Strategie ist immer am besten, nur lässt sie sich nur sehr schwer umsetzen. Es sei denn Sie sind ein Hellseher. Bullenmärkte haben die Eigenschaft wesentlich stärker zu steigen, als die Anleger annehmen und sie haben nach langen Anstiegsphasen immer wieder sehr schnelle und heftige Rückschläge. Wer dann die Nerven verliert und verkauft schaut am Ende zu, wenn es wieder nach oben geht. In einem Bärenmarkt ist es umgekehrt. Die Preise fallen langsam und man merkt es kaum. Deshalb haben die meisten Aktienanleger von 2001 bis 2002 sehr viel Geld verloren, denn wenn die starken Erholungstage einsetzten wurde immer wieder die Hoffnung zum durchhalten geweckt.
Weiter zum Rohöl…
Der Rohölmarkt befindet sich immer noch dabei seine spekulative Prämie abzubauen. Dabei half sicherlich der Uno Kompromissvorschlag zur Lösung des Iran Konflikts sowie die gestrige Veröffentlichung der US-Lagerbestandsdaten. Der Anstieg der Rohölreserven um 1 Million Barrel wurde vom Markt nicht erwartet, denn dieser rechnete mit einem Rückgang um 500.000 Barrel.
Wenn sich jetzt noch globale Wachstumsängste zeigen und ich betone Angst, da es bislang faktisch noch keine Abschwächung gibt, dann dürfte der Ölpreis kurzfristig noch etwas weiter zurückgehen. Vielleicht in Richtung der 60 US-Dollarmarke. Im Extremfall sind sogar 50 US-Dollar drinenn.
Langfristig sprechen das chinesische und indische Verbrauchswachstum, welches erst am Anfang seines Anstiegs steht sowie ein tendenziell schwacher US-Dollar jedoch für weiter steigende Preise. Die politischen Unsicherheiten und krisenähnlichen Zustände in den meisten arabischen Ländern lassen sich ebenfalls nicht von Heute auf Morgen bzw. überhaupt nicht lösen. Ausserdem wurden schon seit Jahrzehnten keine bedeutenden Rohölvorkommen mehr gefunden. Die einzigen Funde von denen ich lese sind Tiefseequellen, die jedoch bereits nach wenigen Jahren stark erschöpft sind. Die grossen Landquellen in Saudi Arabien fördern hingegen schon seit 50 Jahren Rohöl.
Der Ölpreisrückgang wird also meiner Ansicht nach nicht von Dauer sein.
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