Der Unsinn bei der täglichen Ölpreisbildung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 12. November 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Das die Lagerbestände weltweit zunahmen, dass die Weltkonjunktur sich abflaute, dass ein Rückgang der Industrieproduktion in den G7-Staaten immer den Rückgang des Rohölpreises als Vorindikator angezeigt hat. Alle diese Aussagen taugten nicht, um die Rohölbullen von ihrem Vorhaben abzuhalten, den Preis in immer höhere Höhen zu treiben. Eigentlich ist es ja auch nicht verwunderlich, denn ein Rindvieh im Lauf ist einfach durch nichts aufzuhalten.
Sämtliche fundamentale Faktoren, welche die Nachfrage bestimmen, wurden mit dem Argument in den Wind geblasen, dass der Rohölpreis immer und zu jeder Zeit nur steigen könne, da Rohöl schließlich eine endende Ressource sei.
Entschuldigung, aber ich habe selten in meinem Leben einen solchen Unsinn gehört. Es spielt für den heutigen Rohölpreis absolut gar keine Rolle, welche Angebotsverhältnisse in 5, 10 oder 20 Jahren herrschen.
Mit Sicherheit hat der heutige Rohölpreis nichts oder nur sehr wenig mit der Ölknappheit in 10 oder 20 Jahren zu tun.
Entscheidend ist für den heutigen Preis vor allem, ob wir heute genügend Öl und Benzin an der Tanke haben. Ist dies der Fall, dann ist der heutige Ölpreis ein reines psychologisches Konstrukt, welches sich zusammensetzt aus: Dem Preis von gestern, dem Preis vor einer Woche und vor einem Monat, dem Trend der das Herdenverhalten der Anleger wiederspiegelt und noch dem Risiko eines plötzlichen Förderausfalls. Egal ob durch Unfälle, Krieg oder geopolitische Unruhen ausgelöst.
Trotzdem möchte ich im Rohstoff-Daily von Morgen meine nun ganz aktuell wieder positive Haltung zum Rohölpreis kundtun.
Aber bitte schreiben Sie mir erst wieder in 1-2 Jahren, wenn ich mit der Prognose daneben lag und nicht schon in 3 Tagen ;-)
Ihre
Miriam Kraus