Der ungarische Forint - ein Spielball für Carry-Trades
Daniela Knauer in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 27. März 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
angesichts des EU-Geburtstags will ich heute auch einmal auf die Situation der Währungen in den jungen Beitrittsländern eingehen. Anlass dazu sind außerdem die Notenbanksitzungen in Ungarn, Polen und Tschechien in dieser Woche.
Ungarische Notenbak belässt Zinssatz unverändert
Heute hat die ungarische Notenbank NBH getagt. Wie erwartet, blieb der Leitzins unverändert bei 8,0%. Dieser für ein europäisches Land relativ hohe Leitzins hängt zusammen mit der starken Inflation in Ungarn, die nach 6,8% im Jahr 2006 für 2007 bei 4,8% erwartet wird. Auch um die ungarische Wirtschaft steht es nicht zum Besten: die Wachstumsrate des Brutto-Inlandsprodukts soll nach 4,0% in 2006 auf nur noch 2,1% 2007 zurückgehen. Das größte Problem aber sind die hohen und weiter steigenden Auslandsschulden und das Leistungsbilanzdefizit, das allein 2006 8% über dem Vorjahreswert lag.
Leistungsbilanzdefizit = schwache Währung?
Eigentlich sollte man annehmen, dass vor dem Hintergrund dieser schlechten Wirtschaftsdaten der ungarische Forint eine schwache Währung ist. Doch weit gefehlt, nach einer schwachen Phase in der ersten Jahreshälfte 2006 strotzt er momentan geradezu vor Stärke. Das hängt mit den Zinsen zusammen, ein Zinssatz von 8% ist ein gefundenes Fressen für Carry-Trader. Und solange der Forint nicht wieder schwächelt, geht ihr Kalkül hier wunderbar auf.
Die jüngste Stärke jedoch entstand durch Spekulationen, der Forint würde wie am 17.03.2007 die slowakische Krone gegenüber seinem Wechselkursband aufgewertet werden. Im Gegensatz zur slowakischen Krone ist der Forint zwar nicht in das Europäische Wechselkurssytem EWS II eingebunden, soll aber um den Paritätskurs von 282,36 maximal 15% nach oben und unten schwanken. Und dieser unteren Begrenzung bei rund 140 hat er sich nun wieder angenähert, wie zuletzt während der Seitwärtsbewegung von Ende 2004 bis Ende 2006. Ein nachhaltiger Durchbruch nach unten ist nicht zu erwarten und würde auch Interventionen oder/ und Zinssenkungen nach sich ziehen, denn eine noch stärkere Währung wäre für Ungarn ein großes Problem.
Vorsicht bei Wetten auf einen schwachen Forint
Also reizt es Sie, eine Gegenbewegung zu spielen und auf eine neue Schwächephase des Forint zu wetten? Vorsicht, das ist ein riskanter Trade, der nur aufgeht, wenn der Forint sehr schnell steigen würde. Denn Sie haben dabei die hohen Zinsen von 8% gegen sich, die keine Seitwärtsbewegung erlauben, egal ob Sie über die Währung direkt oder mit Zertifikaten arbeiten. Wirklich interessant wäre ein Trade im Forint nur, wenn er wieder ein Stück abgewertet hat, so dass man die nächste Stärke (im Falle EUR/HUF also eine Abwärtsbewegung) handeln kann - denn dann arbeiten die Zinsen für Sie und vergrößern Ihren Gewinn .
