Der übergeordnete Abwärtsrend des SDAX ist intakt
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Dax 30
vom 24. November 2008, 10:00 Uhr
ENL5454
Am abgebildeten Chart erkennt man schonungslos, warum ich Ihnen diesen Anblick nun schon seit einigen Wochen ersparen wollte. Denn obwohl die Baisse uns nun schon seit mehr als einem Jahr fest im Griff hat, ist eine Abnahme deren Dynamik nicht zu erkennen. Nach dem heftigen Januar-Absturz der Nebenwerte sah es einige Zeit so aus, als würde die Baisse in normalen" Bahnen verlaufen. Monatelang bis Anfang Juli lag eine erfolgreiche Bodenbildung im Bereich des Möglichen. Mehrfach wurde die sehr wichtige Unterstützung bei 4.000 Punkten erfolgreich getestet. Außerdem konnte der SDAX zeitweise seine wieder leicht ansteigende gleitende 50-Tage-Linie zurückerobern. Bis in den Sommer hinein sah alles also nach einer schmerzhaften, aber gewöhnlicher Korrektur aus, obwohl die Finanzkrise damals horrende Verluste bescherte. Auch die Quasi-Pleite von Bear-Stearns sowie Fannie und Freddie konnte den Index nicht aus seinem kurzfristigen Seitwärtstrend zwischen 4.000 und 5.000 Punkten ziehen. Erst einige Tage nach der Lehman-Pleite und der Rettung von AIG" musste die Unterstützung preisgegeben werden. Dafür nahm die Baisse dann aber historische Dimensionen an und der SDAX ging in einen beispiellosen Sturzflug über, der ihn bis auf das momentane Niveau bei 2.500 Punkte prügelte. Mittlerweile handelt der Index unglaubliche 34 % unterhalb seiner weiterhin fallenden 200-Tage-Linie! Ein Index, der in solcher Entfernung von seinem wichtigsten Durchschnittswert notiert ist ein Kuriosum, welches die meisten Investoren wahrscheinlich nur einmal in ihrer Karriere erleben (müssen).
Auf alle Fälle handelt es sich hierbei aber um eine rekordverdächtige Übertreibung, die bestimmt nicht allzu lange Bestand haben wird. Ausgelöst wurde diese jüngste Übertreibung vor allem durch die neuerlichen Erschütterungen im US-Bankensektor. Wahrscheinlich haben sich Anleger um die Kapazitätsgrenze des US-Rettungspakets für die Banken gesorgt, da die Anzahl der Bedürftigen" täglich größer wurde. Die drohende Pleite der drei großen der Autoindustrie brachte dann das Fass zum überlaufen...
Abwärtstrend des SDAX in allen Zeitfenstern intakt
Da der Abwärtstrend auf allen Zeitebenen intakt ist, versuche ich hier wenigstens einige positive Ansätze zu betonen. An einem trüben November-Montag muss man es sich ja nicht unnötig schwer machen. Wer immer noch optimistisch denken will, sollte unbedingt die Kursbewegung der letzten vier Wochen betrachten. Denn obwohl die wichtige Unterstützung bei 2.500 unterschritten wurde, ist der Index noch wenigstens in Sichtweite". Es könnte sich also um ein Fehlsignal gehandelt haben und Fehlsignale wie falsche Ausbrüche zähle ich zu den größten Kaufsignalen. Außerdem kann man dem SDAX nach wie vor eine nicht ganz idealtypische umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation unterstellen, welche eine breite Bodenbildungsformation einleiten würde. Ganz im Sinne der Optimisten entwickelt sich auch der MACD. Dieser konnte sich trotz des neuerlichen Index-Tiefs weit von seinem markanten Tief absetzen und präsentiert sich dadurch stark divergent. Auch die schraffierte Fläche im so genannten Histogramm des MACD signalisierte zuletzt keine Zunahme des Verkaufsdrucks. Dies ist für mich viel wichtiger als die klassische Lesart des Indikators, der nun für viele Analysten ein neues Verkaufssignal zu geben droht. Sollte der keilförmige Abwärtstrend bei 2.580 Punkten überwunden werden, sehe ich gute Chancen auf eine Bärenmarkt-Rallye des SDAX, die durchaus in den Bereich von 3.500 gehen könnte, ohne den Abwärtstrend auch nur anzukratzen! Auch in den jahreszeitlichen Rahmen würde eine ordentliche Rallye passen, denn bekanntlich zählen die Monate Dezember und Januar zu den erfolgreichsten Börsenmonaten. Die kommenden beiden Handelstage werden meiner Meinung nach eine Vorentscheidung bringen.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Start in die neue Woche.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Buhl
