Der Trailing Stopp an einem konkreten Beispiel
Tom Firley in Investors Daily
vom 22. Mai 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
einige Leser baten mich die Anwendung der Trailing Stopps einmal an einem konkreten Beispiel zu zeigen. Dieser Bitte komme ich gerne nach: Vorab:
Bewusst habe ich kein Beispiel zusammengezimmert, welches zu exorbitant guten Ergebnissen führt. Vielmehr bin ich bei der Wahl des Beispiel-Wertes zufällig vorgegangen und nahm die Lufthansa-Aktie. Um einen Trailing Stopp anwenden zu können, müssen Sie logischerweise natürlich vorher in eine Aktie oder einen Werte einsteigen. Als Einstiegssignal habe ich ganz konservativ und einfach das Überbieten des 256-Tage-GD im Kurs genutzt (natürlich hätte ich auch hier schön rechnen können... aber das würde den Sinn der Darstellung verfehlen).
Betrachten Sie bitte folgenden Chart.
Chart Lufthansa
Grün eingekreist sind die Einstiegssignale, die der 256-Tage-GDgeneriert hat. Rot eingekreist die Ausstiegssignale, die der Trailing-Stopp geliefert hat. Wie wenden Sie nun einen Trailing Stopp an?
Nun, zunächst einmal legen Sie fest, wie hoch der Trailing Stopp sein darf. Dies hängt natürlich auch von Ihrer Risiko-Mentalität und vor allem von Ihrer „Beschäftigungs"-Intensität" mit dem Börsenspiel ab (wenn Sie 100 Trades im Monat machen, sieht Ihr Stopp sicherlich anders aus, als wenn Sie pro Monat nur ein paar mal einsteigen).
Der anfängliche Stopp ist so gesehen Ihr „Einsatz". Wenn Sie also 1000 Euro pro Trade einsetzen und Ihren anfänglichen Verlust-Stopp bei 15% setzen, beträgt Ihr Einsatz ganz einfach 150 Euro. Mit anderen Worten sagen Sie sich: „Die Aktie schaut gut aus, vermutlich wird Sie steigen. Aber mehr als 150 Euro möchte ich nicht verlieren, wenn ich mich irre."
Nehmen wir also die erwähnten 1000 Euro pro Trade und den Trailing-Stopp bei 15%.
So, und was verbirgt sich jetzt hinter dem sagenumwobenen Begriff „Trailing"? Ganz einfach: Trailing bedeute nachziehen. In der Börsenpraxis verschieben Sie also Ihren Stopp nach oben, sobald die Aktie (zum Beispiel) ein neues Hoch erreicht hat. Das bedeutet (in aller Kürze):
Sie kaufen eine Aktie bei einem Kurs von 100. Den Stopp setzen Sie 15% darunter, also bei 85. Steigt die Aktie auf 110 an, ziehen Sie den Stopp nach auf 93,5 (110 minus 15%). Zurück zum Lufthansa-Beispiel:
In schnöden Zahlen ausgedrückt lauten Ihre drei Trading-Ergebnisse folgendermaßen:
Trade 1: Einstieg bei 9,56, Ausstieg bei 11,87. Vom letzten Hoch bei 14,06 hat die Lufthansa-Aktie etwa 15% verloren, daher steigen wir mit einem Gewinn von 24,16% aus.
Trade 2: Einstieg bei 10,94, Ausstieg bei 19,30 (letztes Hoch war bei 22,72). Ergebnis: 76% Gewinn.
Trade 3 (leider etwas schwer zu erkennen im Chart): Einstieg bei 20,35, Ausstieg bei 18,4 (letztes Hoch war bei 21,72). Ergebnis: 9,30% Verlust.
Zählen wir zusammen:
Der erste Trade bringt einen Gewinn von 241 Euro, der zweite bringt 760 Euro und der dritte einen Verlust von 93 Euro. Bleiben unterm Strich: 908 Euro. Aus den anfänglichen 1000 Euro wurden 1908 Euro, in etwa 4,5 Jahren.
Ein recht akzeptables Ergebnis¸ was aber viel wichtiger ist:
Stellen Sie sich vor, Sie hätten ohne Stopps gearbeitet und hätten die Lufthansa-Aktie nach dem ersten Kauf einfach gehalten. Wie sähe Ihr Investment jetzt aus?
Einstieg war bei 9,56 Euro, aktuell steht die Lufthansa-Aktie bei etwa 9,88. Aus 1000 Euro wurden also 1033...
Dem Profi brauche ich folgenden Satz eigentlich nicht zu sagen, beherzigen Sie aber bitte alle: Entscheiden Sie sich, ob Sie mit Trailing Stopps arbeiten wollen oder ohne.
Falls Sie sich dafür entscheiden, brauchen Sie vor allem eines: Disziplin.
Wenn eine Position im Gewinn liegt und ausgestoppt wird, ist das für die meisten Börsianer halb so wild. Schließlich haben Sie einen Gewinn gemacht. Wenn die Position allerdings (noch...) im Verlust liegt, tendieren die meisten Börsianer dazu, die guten Vorsätze (also die Beachtung des Stopp) auf das nächste Silvester zu verschieben.
Tun SIE das nicht. Mit der richtigen Diversifizierung und entsprechenden Stopps fahren Sie auf lange Sicht besser. Auch wenn Sie mal eine Verlust-Position hinnehmen müssen. Das gehört einfach dazu.
Viel Erfolg an der Börse, ein schönes Wochenende Tom Firley
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jürgen Hiesinger (18.12. 2010 03:03 Uhr):
Sehr geehrter Herr Tom Firley, vielen Dank für die Erläuterung des Trailing Stop Loss. leider war ich der Meinung etwas falsch verstanden zu haben. Folgender Fall hat sich ereignet: Wert der Aktie 3,60 EUR, Trailin Stop bei 3,55 EUR /15%. Ausgeführt wurde sofort bei 3,581 EUR. Es handelt sich um das Papier A0YC9U am 17.12.10 um 17.20:36 Uhr. Ich war der Meinung das diese Stop von mir falsch verstanden wurde, da die Aktie nicht gefallen ist. Ich würde mich freuen wen Sie mir diesen Stop noch mal näher erläutern würden, oder ob der Bank einen Fehler unterlaufen ist. Vielen Dank im Voraus. Jürgen Hiesinger
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