Der Trader denkt, der Markt lenkt !
Andreas Schnappberger in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 24. August 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt
Genau diese alte Börsenregel hat gestern nach den Zahlen zum US Immobilienmarkt wieder zu 100% gegriffen. Nachdem die Juli Daten für den US Immobilienmarkt relativ schwach ausgefallen sind, waren die Eurobullen kurzzeitig am Zug. Das Ganze war aber nur ein schwacher Versuch den Euro weiter in die Höhe zu treiben und klar den Bereich um 1.2850 unter Beschuss zu nehmen. Wie gesagt war diese Preisaction nur ein kleiner Versuch, der sofort durch den Markt in das Gegenteil umgedreht worden ist.
Buy the rumor, sell the fact
Auch dieser Spruch passt auf die gestrige Dollarsituation perfekt. Schauen wir uns hierzu die klassische Lehrmeinung über die US Immobiliendaten einmal genauer an. Bislang rechneten sich die US Konsumenten durch positive Immobilienpreise im Geiste schon einmal reich und haben daher weiter dem Konsum gefrönt. Es ist klar, wenn man der Meinung (auch wenn es die falsche Meinung ist) ist, dass man sein Vermögen oder wie der Amerikaner sagt, seine Assets vergrößert hat, sitzt das Geld einfach lockerer. Die Folge daraus ist, dass im Geiste ein konsumfreundlicheres Verhalten entsteht. Das auf die Masse der US Bevölkerung projeziert, ist ganz klar ein wichtiger Faktor in wieweit sich die Wirtschaft nach oben schwingen kann. Ohne Konsumenten gibt es auch keine boomende Wirtschaft. Genau mit dieser Rechnung werden nun die US Bürger konfrontiert. Die Immobilienpreise sinken, das Angebot an Häusern ist derzeit auch im großen Bild größer als die Nachfrage und gleichzeitig kommt es zu sukzessive steigenden Zinsen die auch etwaige Finanzierungen verteuern. Dieses Szenario ist genau der Auslöser für deutliche Konjunktureinbrüche in der Vergangenheit gewesen. Warum sollte es diesmal anders sein? Haben wir also dieses Szenario durchaus für die nächsten Wochen im Hinterkopf. Zumindest solange, bis es eine neue Statistik gibt, die die jetzigen Aussagen wieder zunichte machen. Gerade in den USA wäre das ja nichts Neues und die Analysten hätten wieder einen Erklärungsnotstand.
Dollar steigt
Somit war es durchaus interessant zu sehen, dass sich nach den angesprochenen Immobilienzahlen der Euro nur kurz hat halten können und der Dollar am Ende als Sieger aus dem Rennen ging. Abschläge bis deutlich unter 1.2800 waren die Folge. Es sieht so aus, als ob sich der Markt im Vorfeld der Zahlen schon eindeutig positioniert hat und mit schwachen US Zahlen gerechnet hat. Somit gab es im Markt dann auch keine Überraschung, so dass schnelle Gewinnmitnahmen um 1.2850/55 eingesetzt haben. Dieser Punkt gilt nun übrigens als wichtiger Widerstand auf dem Weg nach oben.
EUR/JPY ebenfalls unter Druck
Genau wie bei EUR/USD wurde auch EUR/JPY unter Druck gesetzt. Mit den Angriffen auf die über alles stehende 150.00 wird es jetzt erst einmal nichts. Bei Kursen um 148.83 ist jetzt sicherlich noch eine weitere Konsolidierung angesagt. Der komplette Eurokomplex wurde gestern einfach auf dem falschen Fuß erwischt.
Island als Tagesgewinner
Die Isländische Krone war gestern mit einem Plus von knapp 1,4% auf EUR/ISK 89.8700 der Tagesgewinner. Wieder einmal überholt ein Exote die Major Rates und zeigt, dass es immer interessanter wird auch einmal einen Blick in Richtung Exoten zu machen. Leider sind oftmals auch bei professionellen Tradingplattformen die Geld- und Brief Spreads zu weit auseinander, so dass man schon beim Einstieg alleine durch die Kursstellung deutlich im Minus liegt. Für massive Trends, sofern man diese auch erkennt würde das nicht soviel ausmachen, so dass dieses Einstiegsrisiko durchaus einmal vertretbar wäre. Für das tägliche Brot und Butter allerdings bleibt es dabei, dass die Majors einfach unschlagbar im Trading sind.
