Der "Trade des Jahrzehnts" bleibt weiter erste Wahl
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 23. Januar 2003 18:00 Uhr
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Verkaufen Sie Aktien; kaufen Sie Gold. Das ist der "Trade des Jahrzehnts", mit dem Sie in den letzten 3 Jahren sehr gut gefahren sind. Und auch zu Beginn der Woche fielen die Aktien wieder, während der Goldpreis anzog. Ob dieser Trend so weitergeht oder nicht, weiß ich nicht. Aber ich würde noch nicht aufhören, auf diesen Trend zu setzen. Die Aktien sind immer noch viel zu teuer. Und das Gold – auch wenn es kurzfristig überkauft ist – ist immer noch zu billig.
Die Staranalystin Abby Joseph Cohen sagt, dass man 75 % seines Vermögens in Aktien anlegen sollte. Die Analysten Ed Kerschner, Steve Galbraith und andere stimmen dem zu – Kerschner empfiehlt sogar, 89 % des Vermögens in Aktien anzulegen. Natürlich sind die Arbeitgeber dieser Analysten Brokerhäuser, die selber Aktien verkaufen. Aber ich bin mir sicher, dass dies das Urteil der Analysten nicht beeinflussen wird. Sie sagen das, was sie glauben – und derzeit glauben sie an steigende Aktienkurse.
Es wird noch lange dauern, bis die Kleinanleger den Traum vom schnellen Geld aufgeben werden. Denn dass ist das Versprechen des modernen amerikanischen Kapitalismus ... dass auch der kleine Mann "im Schlaf Geld verdienen kann", um Francois Mitterand zu zitieren. Die Wall Street vergisst hinzuzufügen, dass die Investoren auch im Schlaf Geld verlieren können.
Bis auf China scheint die gesamte Weltwirtschaft derzeit zu langsamem Wachstum, Deflation und Aktienkursverlusten hin zu tendieren. In Europa, Nordamerika und Japan veraltet die Bevölkerung. Alles scheint davon abzuhängen, dass die amerikanischen Konsumenten weiter kaufen ... aber den Amerikanern geht das Geld aus. Seit 30 Jahren haben sie mehr und mehr konsumiert und dabei das Sparen zunehmend vernachlässigt, statt dieses Geld in zukunftsträchtige Projekte zu investieren. Die Amerikaner haben zwar Jobs – aber die realen Einkommen sind seit 30 Jahren kaum gestiegen. Und die Konsumenten haben mehr Schulden als je zuvor. Die Fed bietet an, immer mehr Geld verfügbar zu machen – aber was machen die Amerikaner damit? Sie haben schon jetzt Probleme, ihre Rechnungen zu bezahlen. Warum sollten sie noch mehr leihen wollen? Und was können die Unternehmen machen? Die Zeit der Übernahmen, Aktienrückkäufe und großen Investments in die Informationstechnologie ist vorbei. Da die Preise der Konsumgüter fallen, ist es sehr schwer, Investmentprojekte zu finden, die einen Gewinn abwerfen werden – egal, wie tief die Fed die Leitzinsen senkt. Der Anteil der Unternehmensgewinne am Bruttoinlandsprodukt fällt in den USA seit 30 Jahren.
China hingegen beschwert sich nicht. China hat die niedrigsten Löhne der Welt und einen bemerkenswert dynamischen Produktionssektor. Die Leute dort sparen 25 % ihres Einkommens (in den USA sind es um die 2 %), und die chinesische Währung ist an den Dollar gekoppelt. Ein fallender Doller macht die chinesischen Güter demnach nur noch wettbewerbsfähiger. Auch andere Länder werden ihre Währungen abwerten, um Marktanteilsverluste zu vermeiden.
Und deshalb befinden wir uns jetzt in der wunderbaren Welt des Jahres 2003, mit einem fallenden Dollar, ... fallenden Aktienkursen, ... ein bisschen Deflation, ein bisschen Inflation ... und einem steigenden Goldpreis. Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich ... diese Entwicklung könnte eine lange, lange Zeit andauern.