Der Trade des Jahrzehntes
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. Januar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Der Dollar fällt, das Gold steigt. Vor zwei Jahren konnte man eine Feinunze Gold für 255 Dollar kaufen. Jetzt braucht man dafür 355 Dollar. Natürlich hätte man am 30. Januar 2001 auch eine Aktie der neu fusionierten Gesellschaft AOL Time Warner für 54 Dollar und ein paar Zerquetschte kaufen können. Heute bracht man dafür nur noch rund 14 Dollar ... und der Vorstandsvorsitzende von AOL Time Warner, Steve Case, nimmt seinen Hut. Ich habe Anfang des Jahrtausends die Meinung vertreten, dass "Aktien verkaufen, Gold kaufen" der Trade des Jahrzehnts werden wird. So weit, so gut. Ich werde weiterhin meine Einschätzungen geben.
Und meine Einschätzung ist, dass es sich hier um keinen kleinen, sondern um einen großen Trend handelt. Kurzfristig ist der Goldpreis wahrscheinlich überhitzt. Der Goldpreis wir wahrscheinlich zurückkommen und die Investoren enttäuschen. Aber es ist wahrscheinlich, dass Gold in den nächsten paar Jahren der Gewinner sein wird – und dass der Dollar der Verlierer sein wird. Seit Alan Greenspan zum Fed-Vorsitzenden gemacht wurde, hat er für jede Unze Gold, die gefördert wurde, 6.250 neue Dollar geschaffen. Die Leute waren froh darüber, solange dieses neue Geld in den Aktienmarkt ging. Niemand an der Wall Street beschwert sich über Inflation. Aber jetzt gibt es ein Problem. Der Boom an der Wall Street ist vorbei. Die US-Bundesstaaten haben riesige Defizite; New York hat ein Defizit von 10 Milliarden Dollar angekündigt. Das kalifornische Haushaltsdefizit entspricht 1.000 Dollar für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in diesem Bundesstaat. Und die US-Bundesregierung beginnt ihr neues riesiges Ausgabenprogramm: 600 Milliarden Dollar in den nächsten 10 Jahren.
Währenddessen kaufen die Amerikaner weiterhin mehr im Ausland, als sie dorthin verkaufen – die Differenz beträgt rund 1,5 Milliarden Dollar pro Tag. Das muss finanziert werden. Das Geld vom Ausland zu erhalten, war einfach, als die Dinge gut liefen. Aber jetzt läuft es nicht mehr so gut ... und die US-Wirtschaft braucht mehr Geld als je zuvor. Die Staatsdefizite müssen finanziert werden ... und auch die Konsumausgaben.
Die Ausländer besitzen bereits 18 % aller amerikanischen Aktien, und sogar 42 % der T-Bonds. Insgesamt halten Sie US-Anlagen im Wert von 9 Billionen Dollar. Der fallende Dollar signalisiert, dass sie diese Positionen eher ab- als aufbauen.
Das Problem ist, dass sie diese Positionen sehr stark abbauen könnten ... weil sie einen Teil ihres Vermögens aus der größten Reservewährung der Welt – dem Dollar – in die älteste Reservewährung der Welt – das Gold – switchen wollen. Mehr dazu weiter unten ...