Der "Trade der Dekade"
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 05. Januar 2005 18:00 Uhr
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"Ich lese gerade Ihr Buch", sagte mir eine attraktive Frau bei der Neujahrsparty. "Aber Sie scheinen falsch zu liegen; die Welt steuert nicht auf einen Abschwung à là Japan zu. Die Aktienkurse sind 2004 leicht gestiegen."
"Nun", antwortete ich, und ich versuchte so zu klingen, als ob mir gerade etwas eingefallen wäre, "die US-Aktien stiegen, in Dollar gemessen. Aber der Dollar fiel so stark, dass die Kurse gemessen in ausländischer Währung oder Gold sogar gefallen sind."
Die Geschichte, die ich in meinem Buch erzählt habe, ist die: Die US-Wirtschaft scheint Japan zu folgen, mit einer Verzögerung von 10 Jahren. Ich konnte mir keinen besonderen Grund dafür ausdenken, warum dies so sein sollte, bis auf die Tatsache, dass die japanische Story selbst ein Klassiker war. Die Märkte boomten ... und dann gab es eine Spekulationsblase, die die Kurse auf absurde Höhen hievte. Als der Knall kam, da glaubten die Leute nicht, dass es möglich sein würde, dass die japanische Wunderwirtschaft fallen könnte. Und mehrere Jahre lang sah es so aus, als ob die Japan AG nur einen Rückschlag erlitten hätte. Aber ab Mitte der 1990er sank Japan. Die Preise für Aktien und Immobilien kollabierten. Die Konsumentenpreise fielen. Die Kreditexpansion, die Japan in den 1980er zu einer so außergewöhnlichen Erfolgsstory gemacht hatte, verwandelte sich in eine Kreditkontraktion – die Japan in den 1990ern zu einer außergewöhnlichen Misserfolgsstory gemacht hat.
Wenn Amerika demselben Muster folgen würde, dann müssten auch die Kurse der US-Aktien und die Immobilienpreise fallen. Ich schließe die Kurse der US-Staatsanleihen bewusst nicht ein. Denn in einer Kreditkontraktion werden zwar normalerweise die Anleihen von schlechter Qualität hinweggefegt, aber Anleihen höchste Qualität – wie Staatsanleihen – werden bevorzugt.
In einer Kontraktion fallen die Zinsen normalerweise, was die Kurse von erstklassigen Staatsanleihen tendenziell steigen lässt. Aktien, Immobilien und andere Vermögensgegenstände fallen normalerweise, wenn die hochgesteckten Erwartungen der Spekulationsblasen-Periode düsteren Ahnungen weichen.
Das mysteriöse Element ist der Dollar. Japan war zu Beginn der 1990er stark verschuldet – aber bei seinen eigenen Bürgern. Das Land hatte eine positive Handelsbilanz und Billionen Ersparnisse. Es gab keine Notwendigkeit, den Yen abzuwerten.
Der Dollar hingegen ist verletzlich. Die Amerikaner sparen wenig. Sie hängen von ausländischen Geldgebern ab, wenn sie ihren Lebensstandard halten wollen. Jeden Tag wächst der Druck auf den Dollar um 2 Milliarden Dollar. Und da der Dollar fallen muss, bietet das eine Möglichkeit für eine Täuschung; die Amerikaner können nun ärmer werden, ohne dass sie das realisieren.
Warum sind die Kurse der US-Staatsanleihen nicht mit dem Dollar gefallen? Die Antwort ist, dass meiner Ansicht nach die USA Japan IMMER NOCH folgen ... nicht perfekt ... aber so ungefähr. Die US-Wirtschaft sinkt in einen langen, langsamen, soften Abschwung – in dem die Zinsen nicht steigen werden ... und die Kurse von Anleihen mit guter Qualität nicht fallen werden (zumindest auf Dollarbasis nicht).
Mit anderen Worten: Ich bezweifle nicht, dass der Dollar fallen wird, aber ich bezweifle, dass das das Ende der Geschichte sein wird. Ich erwarte, dass im kommenden Jahr in erster Linie die Kurse der US-Aktien und die Preise der US-Immobilien fallen werden.
Und Gold? Die Leute wollen einen niedrigeren Dollar. Sie denken, dass das die US-Exporte attraktiver machen wird ... und gleichzeitig den Wert der US-Schulden in Übersee verringern wird. Aber die Leute erhalten nicht das, was sie wollen; sie erhalten das, was sie brauchen und verdienen. Was für einen besseren Weg zur Deflation der amerikanischen Kreditblase gibt es, als eine reale Deflation? Wenn Sie sich einen Chart ansehen, bei dem der Dow Jones in Gold umgerechnet wird, dann sehen sie, dass sich der Dow Jones seit Januar 2000 in einem Bärenmarkt befindet ... der weitergeht.
Vor fünf Jahren verkündete ich meinen "Trade der Dekade". Demnach sollten Sie die Aktien des Dow Jones verkaufen und Gold kaufen. Jetzt ist diese Dekade zur Hälfte vorüber. Mit meinem Trade der Dekade sind Sie bis jetzt gut gefahren ... aber nicht spektakulär gut. Ich sehe keinen Grund, nun einen Wechsel vorzuschlagen.