Der Tag 2 nach der Währungsreform
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 11. Mai 2010, 16:00 Uhr
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manch einer von Ihnen mag sich sicherlich gefragt haben, was mich zum ersten (durchaus im Zorn geschriebenen) Artikel über die "EU-Ardennenoffensive und die monetären Wunderwaffen" der gestrigen Ausgabe veranlasste. Ein Hinweis im Vorfeld: Hierbei handelte es sich keineswegs nur um eine "Spinnerei" meinerseits, sondern mir ging es durchaus darum, gewisse Punkte auch irgendwo anzusprechen. Hier habe ich bewusst das Bildfeld der "Endsieg-Propaganda" aus dem dritten Reich gewählt, denn genau dorthin sind wir mit dem Euro nun unterwegs, zu einer Niederlage (während die Regierenden aber weiterhin Märchen nach Märchen von der "Frontbegradigung" und der "erfolgreichen Verteidigung" erzählen). Aber alles der Reihe nach...
Ich habe das Gefühl, es ist nach dem Wochenende noch nicht allen klar, was wirklich der Quell meines gestrigen Ärgers über die EU-Beschlüsse vom Wochenende ist und warum Sie mindestens genauso wütend hierüber sein sollten. Ich möchte hierzu daher heute nochmals ein paar erklärende, nicht "militärisch beladene" Worte verlieren.
Am Wochenende hatten wir eine versteckte Währungsreform
Es hat sich am Wochenende etwas geändert mit den bunten Papierchen, welche Sie in Ihrem Geldbeutel jeden Tag mit sich herumtragen. Zwar sehen sie immer noch genauso aus wie vorher, rascheln auch noch genauso schön und es steht auch noch Euro drauf, doch eigentlich müsste es "Euro 2.0" heißen, denn im Prinzip hatten wir am Wochenende eine versteckte Währungsreform.
Wie ich hierauf komme?
Nun, mit den neuen Maßnahmen, welche die EU und die Regierungschefs der Euro-Länder am Wochenende ergriffen, ist der Euro, wie wir ihn bisher kennen, eigentlich tot. Mit den neuen Plänen wurde die Idee einer vergleichsweise stabilen Währung und einer Zentralbank, welche Inflationsziele verfolgt, beerdigt. Stattdessen geht man nun in bester Bananenstaatmanier dazu über, den Euro in eine Weichwährung zu verwandeln und schafft die nötigen bürokratischen Strukturen, um im größeren Stile Geld zu drucken und alle möglichen Mistpapiere zu "monetisieren".
In meinen Augen besonders bemerkenswert:
Vieles im Eurobereich wird ab jetzt (bewusst) intransparenter und die EZB "monetisiert" ab jetzt auch private Papiere (also z.B. von Firmen). Wer also seinen "Kumpel" in der Zentralbank sitzen hat, dürfte sicher bessere Chancen haben, seinen Finanzmüll abzuladen, als die meisten Mittelständler, welche natürlich keine sehr großen Anleihen herausgeben oder entsprechende Zugänge in die EZB haben. Dass dies sicher nicht unproblematisch ist und es hier sehr leicht zu Günstlingswirtschaft seitens der EZB kommen kann und wohl bei einer solchen Ausgangssituation auch wird, ist sicherlich nicht schwer einsehbar.
Doch was bedeutet der neue Euro (den man eigentlich fast schon griechische Drachme nennen müsste) für Sie?
Ihnen sollte klar sein, dass die EU von nun an eine Transfergemeinschaft ist, in der es letztlich zu wirtschaftlicher Gleichmacherei kommen wird. In Klartext bedeutet dies, dass z.B. die bisherigen Zahlungen an die PIIGS-Schiene wohl nur der Anfang gewesen sein dürften von weitaus mehr "Transfer".
Da sich das natürlich kein Staat leisten kann, hat man ja in kluger Voraussicht nun die Strukturen geschaffen, um ordentlich Geld zu drucken, was natürlich inflationär ist und letztlich Sie und jeden einzelnen Steuerzahler in Form einer "verstecken Steuer" über die Geldentwertung treffen wird.
Das Hinterhältige an dieser Sache ist, dass es sicherlich ein wenig dauern wird, bis die meisten Anleger und "Otto Normalverbraucher" vollständig verstehen bzw. am eigenen Leibe spüren werden, was man hier am Wochenende zu Gunsten der Bankenlobby installiert und abgezogen hat: Nichts anderes als die endgültige Opferung des Euros und dessen Kaufkraft auf dem Altar der Bankenlobby. Doch nicht einmal dieses gewaltige Opfer scheint den sprichwörtlichen Karren so richtig aus dem Dreck zu ziehen...
Für den Euro beginnt auf jeden Fall mit dem letzten Wochenende eine neue Ära, nämlich als systematisch weichgespülte und inflationäre Mogelpackung, die vorgibt, etwas zu sein, was sie nicht mehr ist. Dies sollten Sie auf jeden Fall bei Ihren Anlage- und besondes bei Ihren Sparentscheidungen von nun an unbedingt berücksichtigen, denn ehrliche Inflationszahlen werden Sie gerade jetzt von öffentlichen Stellen wohl kaum mehr erwarten können.
Wer hier nicht zeitnah lernt umzudenken, dürfte die nächsten Monate und Jahre einiges an Kaufkraft verlieren.
Beste Grüße
Die Gelddruckerei geht übrigens schon los...
Und hier noch treffender Kommentar zum Geschehen...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von labeschautzki peter (11.05. 2010 19:43 Uhr):
moin herr hahn, habe zufällig gerade reinhard mey, das narrenschiff und noch besser - sei wachsam gehört. beide lieder hat er wohl schon 2002 geschrieben - heute aktueller denn je. bin kein mey-fan - aber begeistert. empfehlenswert!!! hören sie doch mal rein - grüße aus friesland peter l.
Antworten - Kommentar von Dee (11.05. 2010 23:16 Uhr):
Weiter so ! ! Und Gratulation an den Verlag hier keinen Weichspülgang verordnet zu haben.
Antworten - Kommentar von Dr Thomas Veigel (12.05. 2010 06:44 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, von meiner Seite größte Rückdeckung für Ihren gestrigen Kommentar; habe ihn in abendlicher Runde vorgelesen und nur Zustimmung erhalten. Mit Ihren pointierten Kommentaren sind Sie ein Balsam gegen viele andere langweilige Zeitgenossen. Lediglich Bill Bonner kommt in der Beliebtheitsskale Ihrer Kolumne gleich. Bitte weiter so!
Antworten - Kommentar von Hans Jürgen Ricken (12.05. 2010 07:26 Uhr):
Hallo Herr Hahn, schön, dass Sie wieder zu sich gefunden haben. Sie wirken nun nicht mehr wie ein borstiger Querulant (gem. Ihren ersten Äußerungen) sondern wie ein sachlicher Querdenker. Natürlich spielt die Sprache eine gewaltige Rolle und dessen sollten Sie sich in Ihren Veröffentlichungen immer bewußt sein. Manchmal ist es besser, einen durchaus auch berechtigten Ärger zu überschlafen. In der Sache würde mich (und auch wahrscheinlich viele weiter Leser) interessieren, wie dies alles nach Ihrer Meinung bei den künftigen Anlage- und Sparentscheidungen zu berücksichtigen ist. Ich weiß, dass Sie ein "Goldfan" sind, kann Ihnen aber aus den Erfahrungen meiner Eltern berichten, dass diese Anlage ihnen in der Nachkriegszeit nict so wirklich geholfen hat. Beste Grüße HJR
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (12.05. 2010 13:15 Uhr):
Sehr geehrter Herr Ricken, ich bin nicht wirklich ein "Fan" von Gold, sondern halte es viel mehr in der aktuellen Lage seit Jahren einfach für ein sinnvolles Investment zur Kaufkrafterhaltung (womit ich ja bisher auch ganz gut lag, wenn man sich den Kurs ansieht). Dass Gold nach dem zweiten Weltkrieg nicht das Idealinvestment war, ist eigentlich klar, denn damals hatten wir ja nicht die Situation wie heute, dass wir eine weltweite Schuldenkrise und nur noch Papierwährungen haben. Krise ist insofern nicht gleich Krise. Insofern hinkt der Vergleich m.E. ein wenig. Gold alleine macht natürlich auch nicht "glücklich", doch halte ich es nach wie vor für eine ganz gute Absicherungsbasis. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (12.05. 2010 13:15 Uhr):
- Kommentar von Helmut Höhenberger (12.05. 2010 10:42 Uhr):
S.g. Herr Hahn Ihr millitärischer Vergleich war der naheliegenste für die momentane Situation. Diese Herren stellen sich genauso dar "der Euro wird verteidigt......koste es was es wolle....(es wird uns alle Kopf und Kragen kosten!)Mein Tipp(Spekulation) gegen den Euro: Stand am Jahresende zum Dollar maximal 50.- Cent.
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- Kommentar von Roland Köckritz (12.05. 2010 16:09 Uhr):
Sie haben absolut den richtigen Vergleich getroffen, um den Michel wachzurütteln. An den mediengläubigen Kritiken ohne Substanz einiger Leser erkennen Sie ja, wie schwer es ist, zu den Leuten vorzudringen. Die Dummheit grassiert in diesem Lande und wenn wir tatsächlich an der Bildung sparen werden, werden wir schon morgen noch dümmere Politiker haben. Wobei die immer noch schlau genug sind, sich rechtzeitig die eigenen Taschen zu füllen. Hier wäre die Einführung von erfolgsabhängigem Salär noch angebrachter, als bei den Managern - wobei ich das auch nicht für falsch halte. Machen Sie bitte unbedingt weiter so und behalten Sie trotz allem Ihren Mutterwitz! Herzliche Grüsse - Roland Köckritz
Antworten - Kommentar von Lenzkes (12.05. 2010 17:32 Uhr):
Hallo Herr Hahn, hatten Sie gestern Abend (Dienstag) Gelegenheit im ZDF "Neues aus der Anstalt" zu sehen. Falls nicht, Vielleicht können Sie Diesen Beitrag noch mal irgendwo bekommen und evtl. auch ins Netz stellen. Gegen die dortige militärische Beurteilung des aktuellen Finanzkrieges war Ihr Beitrag von Gestern noch sehr human. Interessant auch die sichtbare Betroffenheit des Publikums. Man kann solche Beiträge, wie auch die Ihren, nicht weit genug verbreiten, damit endlich der Ruck durch Deutschland geht. MfG D. Lenzkes
Antworten - Kommentar von Detlef Dirksen (13.05. 2010 14:47 Uhr):
wir mögen Ihre klaren Worte, deshalb lesen wir sie. Auf der anderen Seite würden mir klare Worte gefallen, was nach den politischen Fehlleistungen(z.B. keine kontr. Insolvenz Griechenlands) jetzt noch anderes übrig geblieben wäre? Hat nicht jedes Land die Politiker/Kanzler die es verdient?
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