Der Tabubruch
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 3. November 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Gretchenfrage
Obwohl die Gretchenfrage nach dem unbedingten Für oder Gegen die Zone offiziell noch nicht wirklich beantwortet wurde, würde ich im Moment eher dazu tendieren, dass wir uns wohl auf ein Nein zubewegen.
Das mag vielleicht nicht so wirken, weil heute noch Erleichterung herrscht...die Griechen doch nicht über ihre Zukunft bestimmen werden und Super Mario (unser neuer EZB-Häuptling) die Zinsen gesenkt hat.
ABER:
Die alte Doktrin des "wir halten unbedingt und in jedem Fall zusammen" steht inzwischen doch mehr als in Frage.
Noch letzte Woche wäre die Erwähnung eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone nicht nur ein Tabubruch sondergleichen für einen Euro-Häuptling gewesen, sondern schlicht unmöglich bis undenkbar.
Doch inzwischen ist der Tabubruch als Ass im Ärmel benutzt worden und damit ist er Realität!
Was wird wohl passieren, wenn Italien nicht alle gewünschten Reformen und Sparmaßnahmen umsetzt? Kann man auch Italien nahe legen, dass es im Fall der Fälle dann keine Hilfe zu erwarten hätte? (und das nicht nur, weil wir uns das eigentlich gar nicht leisten können...). Und dann? Kann man dann auch zu Italien sagen: entweder Sparmaßnahmen oder "Arrivederci Euro"?
Eine neue Zone
Es wird dringlicher denn je: eine neue Form der Zone muss her!
Entweder eine, die auseinanderbricht, aber vielleicht dann zu einer gewissen Stabilität führen wird, wenn sie sich doch noch in einer Süd- und Nordzone fangen kann.
Oder eine, in der es keine Querschüsse mehr gibt. Eine in der Ruhe und politische Stabilität herrschen, also eine in der die Staaten einen Gutteil ihrer Souveränität abgegeben haben und wo ein Ausscheiden nicht mehr zur Debatte stehen kann.
Ich würde mir trotzdem (also trotz der Bestürzung, welche die bloße Erwähnung der reinsten Form der Demokratie in Griechenland, hervorgerufen hat) wünschen, dass die europäischen Bürger dabei die Wahl hätten.
Nein, eigentlich würde ich mir wünschen, man hätte uns allen diese Wahl schon im letzten Jahrhundert gelassen, als es noch eine echte Wahl zwischen zwei ganz unterschiedlichen Alternativen gegeben hatte.
So long liebe Leser....ich bin müde...Europa-müde um genau zu sein...aber na ja, ich werd' mal ne' Nacht drüber schlafen und versuchen meinen Humor wieder zu finden (trotz der düsteren Aussichten, welche die EZB für unsere Konjunktur zeichnet...aber eigentlich überrascht mich das auch nicht)...also Gute Nacht Europa und bis morgen liebe Leser...
Ihre Miriam Kraus
Zum ersten Teil von: Volksentscheid vom Tisch gefegt...
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Paul Abeler (03.11. 2011 21:31 Uhr):
Der Hühnerhaufen wird wohl nie eine gemeinsamme Richtung finden. Aber wenn wir bei 0 Zinsen angekommen sind, lohnt sich sparen eh nicht mehr. Ich würde vielleicht noch viel mehr Schulden machen und das Geld in die Infrastruktur stecken. Wenn der Euro dann nichts mehr wert ist, haben wir Deutsche wenigstens dann Werte geschaffen für unsere nächsten Generationen. Ist doch eine Überlegung wert oder ????????? Gruß Paul
Antworten - Kommentar von B Herold (03.11. 2011 22:30 Uhr):
Eine sehr treffende Analyse der heutigen Geschehnisse. Vor allem bezeichnend ist aber daran, wie weit es in diesem Europa mit der sogenannten Demokratie gekommen ist. Wenn das Volk nicht in der gewünschten Weise zu stimmen droht, wird es einfach entmündigt. Das hatten wir schon mal, ist noch gar nicht so lange her. Und diese Tatsache beschehrt mir als ehemaligem DDR-Bürger Übelkeit. Ungeachtet dessen ein wunderbarer Artikel, ich freue mich jeden Tag auf Ihren Newsletter.
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