Der Schweinezyklus kommt in Gang - wie Sie verdienen können
Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 20. September 2007 17:00 Uhr
ENL5454
Lieber Leser,
unsere geliebte Schnitzelsemmel wird wohl bald unbezahlbar. Denn Schweinefleisch wird schon in kürze viel viel teurer. So rechnet die EU-Kommission einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge im nächsten Jahr mit einem Anstieg der Preise für Schweinefleisch um erschreckende 30 Prozent.
Da bekommen wir die Schnitzelsemmel am Kiosk dann wahrscheinlich nur noch zum doppelten Preis von heute. Was für viele Verbraucher ein Desaster, dient mir heute einmal dazu, kurz auf ein bekanntes Phänomen einzugehen: den Schweinezyklus. Das ist ein in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrendes Über- und Unterangebot bei Schweinen. Der Zusammenhang ist wissenschaftlich untersucht und hat folgenden Hintergrund:
Sind die Futterpreise vergleichsweise niedrig und die Verkaufspreise für Schweinefleisch hoch, dann können die Schweinemäster ihre Tiere mit höherem Gewinn verkaufen. Dieser höhere Gewinn führt dazu, dass mehr Bauern auf Schweinzucht umsteigen und Ferkel aufziehen. Bis die Ferkel auf den Markt kommen, vergehen in aller Regel etwa 18 Monate: 3 Monate dauert es, bis die Landwirte auf die höheren Gewinne bei Schweinen reagieren und ihre Schweinezucht ausbauen, 15 Monate vergehen, bis die Tiere schlachtreif sind und verkauft werden können.
Da bei höheren Gewinnen viele Bauern gleichzeitig in das vermeintlich lukrative Schweinegeschäft einsteigen, steigt nach 18 Monaten auch die Zahl der Ferkel deutlich an. Und das ist das Problem: Denn der Verbrauch, also die Nachfrage, bleibt relativ stabil. Die vermehrte Aufzucht führt folglich zu einem Überangebot bei Schweinen. Und wie normalerweise üblich bei einem Überangebot fällt der Preis für Schweinefleisch. Anstatt eines schönen Gewinns macht sich bei den Bauern Enttäuschung breit. Denn bei dem niedrigeren Schweinepreis können sie auch andere Tiere oder auch Blumen züchten. Die Bauern konzentrieren sich nun vielleicht auf Raps für Biodiesel oder auf Kühe für die Milchwirtschaft.
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