Der "Schweinezyklus“ begleitet uns jederzeit
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 9. August 2010, 17:00 Uhr
ENL5462
Es handelt sich aktuell also um eine ganz normale Spekulationswelle, die Produktionsausfälle einpreist. Natürlich wird sich auch beim Verbraucher durch diese Preissteigerungen das ein oder andere Produkt verteuern (selbst wenn in unseren Breiten der Preis eines Nahrungsmittels inzwischen mehr von den Verarbeitungs- bzw. Transportkosten abhängt als vom Weizenpreis). Das ist völlig normal und tritt immer auf, wenn ein Gut knapper wird. Börsianer nennen dies den "Schweinezyklus". Eine ausführliche Beschreibung dieses Phänomens finden Sie z.B. auf Wikipedia.
Darunter versteht man, dass sich vor allem bei Agrarrohstoffen (aber auch nahezu allen anderen Gütern) Angebot und Nachfrage über den Faktor Zeit und Preis in gewissen Perioden immer wieder ausgleichen. Ist z.B. der Weizen in einem Jahr knapp, steigt der Preis. Bauern haben dann im kommenden Jahr einen stärkeren Anreiz, größere Flächen mit diesem Nahrungsmittel zu bepflanzen. Sie können durch die erhöhten Einnahmen mehr in Dünger oder optimales Saatgut investieren (weshalb auch die Preise dieser Aktien in einem solchen Fall steigen). In der nächsten Saison wird dann mehr angebaut, folglich fallen die Preise wieder.
Eine Bemerkung am Rande: Am Wochenende hatte ich gelesen, dass evtl. in Australien in diesem Jahr eine besonders gute Weizenernte eintreten könnte. Das kommt immer dann vor, wenn sich ein La Nina-Jahr ausbildet. Ich werde an der Story dranbleiben und Ihnen darüber berichten, wenn ich es aus meteorologischer Sicht bestätigen kann.
Selbst die Staatswirtschaft entgeht dem Phänomen nicht gänzlich
Der Schweinezyklus zeigt uns also das völlig normale Auf und Ab der Preise in jeder Art von marktwirtschaftlichem System. Eine Bevölkerung kann ihm nur entgehen, indem sie mit staatlich subventionierten Grundnahrungsmitteln (bzw. anderen Gütern) versorgt wird. Aber selbst in diesem Fall ereignet er sich hinter den Kulissen der von allen Steuerzahlern bezahlten Staatswirtschaft. Denn dann muss der Staat für die höheren Preise aufkommen oder die Ware ist schlicht und einfach nicht erhältlich. Ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern sich an solche Systeme sicher noch zu gut.
Diese Feststellung bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es in vielen Fällen wenig bringt, wenn Sie Spekulationen in Rohstoffe prinzipiell ablehnen. Sie können damit Ihr Gewissen beruhigen, aber die Preisschwankungen verhindern Sie damit nicht gänzlich. Anders sieht es meiner Meinung nach mit Spekulationen in Waffen u.a. aus, aber das ist natürlich noch ein anderes Thema.
Wie Sie mit der Ethik im Börsenhandel umgehen können:
Es gibt verschiedene Wege, mit dieser Problematik des Börsenhandels umzugehen. Natürlich können Sie den Handel mit Rohstoffen ganz ablehnen. Ebenso könnten sie bei jedem Trade prüfen, ob Sie dabei potenziell anderen Menschen schaden. Die Konsequenzen Ihrer Position sind aber im Vorfeld eines Trades oft noch nicht wirklich überschaubar. Denn häufig bewegen sich die Preise eines Rohstoffs bereits, bevor sich der Grund für diese Bewegung klar abzuzeichnen beginnt. Das ist typisch Börse nach dem alten Motto: "Buy the rumor, sell the facts!"
Wenn erst die Fakten auf dem Tisch liegen, ist die Bewegung meist schon ein gutes Stück gelaufen. Häufig ergibt sich sogar ein Umkehrpunkt genau zu diesem Zeitpunkt. Das bedeutet: Wenn Sie erkennen, dass Sie hier womöglich anderen Menschen schaden könnten, sind Sie vielleicht längst investiert. Daher habe ich für mich eine andere Lösung gefunden, mit diesen ethischen Bedenken umzugehen. Solche Gewinne (und evtl. auch den Einsatz des Trades) spende ich für die Menschen, die z.B. unter solchen Naturkatastrophen leiden müssen, welche den Trade erfolgreich gemacht haben.
Spenden sie Gewinne an die Verlierer einer Entwicklung!
Im Augenblick haben Sie eine reichliche Auswahl an Bedürftigen. Von den schlimmen Schäden, welche die fürchterlichen Starkregenfälle im Osten Deutschlands ebenso wie in Polen und Tschechien angerichtet haben, über die Opfer der russischen Torf- und Waldbrände bis zu den vielen Obdachlosen in den asiatischen Überschwemmungsgebieten. Alle brauchen Hilfe, mit den immer gravierenderen Folgen des Klimawandels fertig zu werden, den wir alle mit verursacht haben! Spendenaufrufe finden Sie auf allen einschlägigen Internetseiten ebenso wie in anderen Medien. Gutes zu tun ist meiner Ansicht nach die sinnvollste Verwendung von Gewinnen, die Sie mit einem Trade erzielt haben, der nachträglich (denn immer nur dann erhalte ich solche Kommentare) dem ethischen Bewusstsein ein schlechtes Gewissen verursacht.
Mit diesen nachdenklichen Worten wünsche ich Ihnen nun einen guten Start in einen Woche, die sicher wieder viele spannende Trades und sinnvolle Investitionsmöglichkeiten mit sich bringen wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie meine Argumentation kommentieren. Haben Sie einen besseren Vorschlag, wie wir mit ethisch möglicherweise verwerflichen Trades umgehen sollten? Wie können wir den Menschen besser helfen, die unverschuldet in Not geraten? Treiben wirklich die Spekulanten die Preise in die Höhe? Oder ist das nicht eher das Gesetz von Angebot und Nachfrage in jeder Marktwirtschaft? Viele Fragen. Schwierig, die eine richtige Antwort zu finden!
Mit nachdenklichen, aber herzlichen Grüße,
Ihre Daniela Knauer
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Feti Karakus (09.08. 2010 20:48 Uhr):
Meiner meinung nach können spekulanten kurzfristig die Preise beeinflussen.
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