Der richtige Mann
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 19. August 2005 12:00 Uhr
ENL5454
*** Die Rohwarenpreise (damit meine ich "nachwachsende Rohstoffe" wie Nahrungsmittel) korrigieren derzeit. Ich bin unverändert der Ansicht: Sowohl bei Rohstoffen als auch bei Rohwaren befinden wir uns derzeit in einem Bullenmarkt, der noch Jahre anhalten wird (irgendwann einmal wird aber auch dieser Bullenmarkt vorüber sein, natürlich – doch davon sind wir noch einige Jahre entfernt).
Und bei deutlichen Korrekturen in einem unverändert intakten Bullenmarkt kaufe ich. Und ich empfehle den Lesern meines Börsenbriefs "Rohstoff Signale" Scheine auf entsprechende Rohwaren (wie vorgestern geschehen, per Eilmeldung verschickte ich zwei Empfehlungen). Denn in solchen Korrekturen erhöhen intelligente Trader ihre Einsätze. Anders als am Aktienmarkt verzichte ich in solchen Fällen deshalb auch meist auf Stoppkurse. Denn wenn der Preis einer Rohware fällt, dann wird diese bei unverändert überzeugenden Fundamentals eben noch attraktiver. Und anders als z.B. eine Enron-Aktie kann der Preis von z.B. Kakao nicht auf Null fallen.
*** Ich hoffe sehr, dass Paul Kirchhof neuer Finanzminister wird. Um eins klarzustellen: Ich möchte hier für keine Partei Werbung machen – aber dieser Mann ist einfach topp, und ich will das Beste für Deutschland. Ich habe mich in einer Studie zur Einkommensbesteuerung (in der ich übrigens die These vertrete, dass Zinsen per Abgeltungssteuer versteuert werden sollen) näher mit ihm beschäftigt. Kirchhof ist ein 1a Steuerrechtler, der genau wie ich eine drastische Steuervereinfachung möchte.
Klar, das sagen sie ja alle ... aber Kirchhof glaube ich das. Die Grundidee ist ja einfach: Möglichst alle Ausnahmetatbestände streichen, dafür die nominalen Steuersätze senken. Aufkommensneutral. Dadurch sinken die gesamten Steuereinnahmen nicht, zugleich wird die Steuerverwaltung = der öffentliche Dienst erheblich entlastet und könnte sich auf wichtigere Aufgaben konzentrieren (z.B. Bildung, innere Sicherheit). Und die Bürger könnten auch ohne Steuerberater ihre Steuererklärungen abgeben.
Die vielen Ausnahmetatbestände waren ja alle gut gemeint – um Gerechtigkeit zu gewährleisten. Aber mittlerweile sind sie selbst sehr ungerecht geworden, da gerade die Geringverdiener sich mit den legalen Schlupflöchern nur wenig auskennen, während Spitzenverdiener mit abstrusen Dingen wie Investitionen in Medienfonds die Steuerzahlung drücken oder ganz vermeiden können. Das muss man sich mal klar machen:
Solche Beteiligungen an Medienfonds können noch im Jahr ihres Erwerbs voll abgeschrieben werden! Wenn ein Topp-Verdiener in einen Medienfonds investiert, der mit diesem Geld eine Produktion in Hollywood produziert (was also für die deutsche Volkswirtschaft nichts bringt), dann kann dieser investierte Betrag sofort abgeschrieben werden und verringert die Steuerlast dieses Topp-Verdieners unmittelbar. Wie kann das einer Krankenschwester erklärt werden, die bei vielleicht einem Zwanzigstel des Einkommens mehr Steuern zahlt?
So ein Unfug muss abgeschafft werden, denn Kirchhof hat völlig Recht, wenn er meint, dass allein das "Leistungsfähigkeitsprinzip Steuerschuldner, Steuergegenstand und Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer" bestimmt.
Also: Diese Ausnahmetatbestände streichen, die nominellen Steuersätze senken, das ganze aufkommensneutral – und dann das Rumgejammere und Rumlamentieren der zahlreichen Lobbyisten einfach einmal ignorieren. Bitte.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,
Michael Vaupel