Der "q-Faktor"
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 08. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Der Nobelpreisträger und Ökonom James Tobin entwickelte einen "q" genannten Faktor, um zu berechnen, wie überbewertet der Markt war.
Die Idee dahinter war einfach. Eine Firma sollte das wert sein, was es kosten würde, sie zu ersetzen. Wenn die Kosten für das Ersetzen einer Firma genauso hoch wie ihre Marktkapitalisierung waren, dann sollte "q" gleich 1 sein. Smithers und Wright wendeten das "q"-Konzept auf den gesamten Aktienmarkt an und entdeckten, dass der Markt, wenn er dem Beispiel des Bärenmarktes von 1973 bis 1974 folgen würde, unter die 4.000er Marke sinken würde. Der Dow Jones würde sogar unter die 2.000er Marke fallen, wenn er dem Muster in der Nachfolge des Crashs von 1929 folgen würde.
Wie das? Wir können uns das nicht einmal vorstellen.
Ende 2002 kam mit der Boomergeneration (das amerikanische Pendant zu den deutschen "68ern") eine neue Berechnungsgrundlage auf. Wie Buffett und viele andere ausführten, haben die amerikanischen Finanzmärkte seit 1792 acht große Bärenmärkte erdulden müssen, die im Durchschnitt über 14 Jahre angehalten haben: Von 1802 bis 1829, 1835 bis 1842, 1847 bis 1859, 1872 bis 1877, 1881 bis 1896, 1902 bis 1921, 1929 bis 1942 und von 1966 bis 1982.
Der durchschnittliche Verlust dieser acht Bärenmärkte würde einen Investor an die 6 % pro Jahr über mehr als 14 Jahre hinweg gekostet haben. Wenn dieser Bärenmarkt dem Muster seiner Vorgänger folgten würde, dann würden die Kurse in den nächsten zwölf Jahren weiter fallen. Sollte er dem Muster der beiden Bärenmärkte folgen, die in den beiden vorangegangenen Jahrhunderten hervorgestochen waren – die von 1802 und von 1902 –, dann wäre er in den nächsten 20 Jahren nicht vorbei.
Ein Investor, der 35-jährig auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase im Jahre 2000 gekauft hat, wird vermutlich 55 Jahre alt werden müssen, bevor seine Investitionen wieder ihren ursprünglichen Wert annehmen. Zugegeben: Ein Investor, der noch immer seine Baseballkappe nach hinten trägt, kann die Abwärtszyklen aussitzen. Auf lange Sicht kann er sich selbst sagen, ich werde hier erhobenen Hauptes rausgehen. Aber ein Investor, der seine Pensionierung vor Augen hat, wird seine Finanzen mit größerer Sorge betrachten. Normalerweise wird er auf den Wertzuwachs seiner Aktien, wenn es überhaupt einen gibt, zugunsten von sicheren Gewinnen aus Obligationen, Anleihen oder Mieten verzichten.
Die Menschen sind keine Idioten, nicht einmal die Babyboomer. Sie wissen, dass sie Geld für ihre Zukunft beiseite legen müssen. Das heißt, wenn die Kapitalgewinne verschwinden, müssen sie sie irgendwie kompensieren. Für eine Weile können sie sich natürlich vormachen, dass sich der Markt wieder erholt und dass sie Kapitalgewinne erhalten werden. Und vielleicht wird sich der Markt entsprechend verhalten – für eine Weile. Aber die Arithmetik ist unerbittlich.