Der Öko-DAX
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Dax 30
vom 8. Januar 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Nebenwerte-Freunde,
Allmählich kommt der Wertpapierhandel wieder in Schwung, die Händler kommen aus dem Winterurlaub zurück und die Volumen steigen wieder. Trotzdem konnte sich noch kein neuer Trend verfestigen, geschweige eine Richtung für das kommende Jahr durchsetzen. Sogar die die Affinität zu neuen Rekorden bleibt uns auch im Neuen Jahr erhalten. Eine kleine Auswahl gefällig? Der US-Haushalt verfügt" über ein Rekord-Defizit in 2009 von über 1,2 Billlionen $, im vergangenen Jahr ist das Geldvermögen der Deutschen so stark wie nie um 110 Milliarden geschrumpft und die deutschen Exporte brechen so stark ein wie niemals zuvor in der Bundesrepublik! Auch Öl stellte einen Rekord auf und glänzte mit dem größten Tagesverlust seit September 2001. Dies erwähne ich nur, da ich weiter unten darauf zurückkommen werde. Die Indizes zeigen sich davon kaum berührt und neigen zu normalen Gewinnmitnahmen, haben diese Katastrophen offenbar eingepreist.
Bisher sehe ich noch keine Veranlassung dafür, mein Szenario eines zwar per Saldo positiven, aber sehr ruppigen Börsenjahres zu verwerfen. Das eine oder andere Schleudertrauma wird uns sicherlich ereilen. Diese Risiko einzugehen könnte sich vor allem für Anleger lohnen, die sich weniger auf die großen Indizes aber auf die interessantesten Sektoren konzentrieren.
Öko-DAX nach dem Absturz
Deswegen will ich Sie gleich dazu einladen, mit mir einen Blick auf den Öko-DAX der deutschen Börse zu werfen, der sich aus den interessantesten Öko-Werten" des TECDAX zusammensetzt. Weiter oben habe ich gesagt, dass es in diesem Jahr meiner Meinung nach vor allem darauf ankommt, die richtigen Branchen zu spielen. Auch wenn es keine große Auswahl an Derivaten auf den Öko-DAX geben mag, ist die Betrachtung sehr lohnend. Denn in der Sektoranalyse erkennen Sie viel eher, welche Branchen gekauft werden, als beispielsweise bei der Betrachtung eines Einzelwertes. Viele erfolgreiche Trader und Investoren kaufen nur Einzelwerte, deren Sektor-Indizes ebenfalls einen Aufwärtstrend aufweisen. Auch ich persönlich ordne die Bedeutung von Sektoren viel höher ein als die von Indizes! Einerseits halte ich den Energiesektor für einen der interessantesten dieses Jahres, auf der anderen Seite aber zählt die Anlageklasse der regen-erativen Energien wegen ihrer hohen Vola zu den riskantesten. Speziell in diesem Jahr, aber auch in den folgenden Jahren werden die Themen CO2 und erneuerbare Energien oben auf der Tagesordnung stehen. Ende 2009 findet in Kopenhagen die UN-Klimakonferenz statt, auf der ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll geschlossen werden soll, welches 2012 ausläuft. Die Konferenz hat also für die gesamte Öko-Branche enorme Bedeutung. Deshalb kommt es in diesem Bereich im Neuen Jahr nicht nur darauf an, ob man auf lange Sicht einen Mehrertrag erwartet, sondern ob man die Risikotragfähigkeit besitzt, eine Anlage auch langfristig zu halten und dabei eventuelle technische Rückschläge im Jahresverlauf zu überstehen. Denn gerade für die ohnehin schon hochvolatilen Aktien der Öko-Branche erwarte ich für das Neue Jahr einen besonders wilden Ritt. Die Ursache dafür liegt nicht nur in den gefallenen Energie- und Rohstoffkosten, sondern vor allem in der Psyche der Anleger. Obwohl ich mich schon seit fast 20 Jahren intensiv mit der Börse beschäftige, bleibt mir die Anziehungskraft von stark gefallenen und optisch billigen Aktien auf Investoren ein Rätsel. Viel zu viele Anleger kaufen mutig einen billigen" Wert, verweisen auf ihre vermeintlich mentale Stärke und auf ihren langen Investitionszeitraum. Fällt die Aktie aber unerwartet, bekommen die Anleger Magenprobleme und verkaufen ihr geplantes Langfristengagement. Als Folge erhöht sich die Volatilität weiter. Deshalb werden die stark gebeutelten Ökoaktien" sicherlich nicht in einen stetigen Aufwärtstrend verfallen, obwohl sie sentimenttechnisch einige Trümphe im Ärmel halten