Der NYSE Bullisch Prozent Index (Teil I von 5)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 10. September 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Was ist also der Ausweg?
Die meisten Anleger, die ich kenne, behelfen sich, indem sie eben eine größere Reihe von Indizes betrachten und dann versuchen, diese miteinander in Verbindung zu bringen (etwa „Was geschieht im DAX, was im DOW, was im NASDAQ...? Was sagt das über das Gesamtbild aus?..."). Hierbei bleibt jedoch sehr oft auf der Strecke, ob ein Index überhaupt einen Sinn hat. Ich halte etwa den Dow Jones Industrial Average Index für einen der aussagelosesten und gerade von der Masse gnadenlos überschätzten Indizes, den es gibt. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich spreche hier von der Art, wie der Index konstruiert ist und dem Nutzen für eine objektive Marktbetrachtung; die Tatsache, dass die Masse der Anleger diesem Index ein Gewicht beimisst, mag dem Dow Jones ja einen gewissen Nutzen geben, jedoch meines Erachtens mehr als massenpsychologisches Element.
Solch eine Vorgehensweise, d.h. Indizes über Chartechnik zueinander in Bezug zu setzen bzw. auszuwerten, mag sicherlich bei konsequenter und geschulter Anwendung zum Erfolg führen (es gibt ja bekanntlich viele Wege nach Rom), doch es geht aus meiner Sicht noch einfacher und sogar präziser. Im institutionellen Bereich in den USA findet daher schon seit Jahrzehnten bei einigen Anlegern ein ganz anderes Indexsystem oftmals Anwendung, welches sich gut mit den herkömmlichen Methoden der Charttechnik in Ergänzung bringen lässt und so zusätzliche Sicherheit für den Anleger gibt. Die Rede ist von der Point & Figure Methodik, welche in den letzten Jahrzehnten, u.a. durch den Einsatz von Computern, entschieden modernisiert und verbessert wurde... (auch ich nutze diese Variante sehr stark bei meinem Vorgehen und meinen Marktbeurteilungen). Sollten Sie mit dem Ausdruck Point & Figure noch nichts oder nicht viel anfangen können, so machen Sie sich bitte keine Sorgen, denn diese Methodik ist in Deutschland nicht sehr weit verbreitet bzw. bekannt. Dies liegt u.a. auch daran, dass sie etwas komplexer und komplizierter in der vollständigen Anwendung und dem Erlernen ist und dass es meines Erachtens nicht wirklich sehr viel geeignete deutsche Literatur zu dem Thema gibt (die meisten Anwender sehen in der Methodik nur Charts, aber es steckt viel mehr dahinter). Die Point&Figure Methodik ist übrigens eine der ältesten Chart- und Analysetechniken überhaupt und existiert schon seit zahlreichen Jahrzehnten. Gerade von Brokern in den USA wird sie auch gerne im Eigenhandel eingesetzt.
Ein wichtiges Herzstück dieser Methodik, wenn man sie z.B. auf den US Markt anwendet, ist der New York Stock Exchange Bullisch Prozent Index (kurz NYSE BPI). Es macht jedoch wenig Sinn, diesen Index hier breit zu erklären, ohne zuerst ein paar grundsätzliche Worte zu Point&Figure Charts zu verlieren, da dem Index Point&Figure Chartformationen zugrunde liegen.
Wer möchte, kann sich ja schon mal ein wenig "schlau googeln" zu Point & Figure und zum NYSE BPI. Unabhängig davon werde ich (der Titel dieses Beitrags verrät es ja schon) die nächsten beiden Ausgaben dazu nutzen, diesen (nicht nur von mir) äußerst hochgeschätzen Index ausführlich und einfach zu erklären. Dabei werde ich Ihnen vor allem zeigen, wie Sie diesen Index als eine sehr einfache und zuverlässige, mittelfristige "Alarmanlage" und Warnung vor größerem Ärger an den US Märkten (der ja dann mit etwas zeitlichem Versatz meist auch die europäischen Börsen trifft) nutzen können. Doch das ist nur die Hälfte: Der NYSE BPI kann Ihnen manchmal auch exzellente, antizyklische Einstiegsmomente aufzeigen!
Weitere Details gibt es am Freitag...
Beste Grüße
Alexander Hahn