Der Nutzen des RSI-Indikators
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 19. Februar 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Liebe DaxDaily Leser,
die Aktienmärkte kennen verschiedene vorherrschende Trendphasen wie Hausse und Baisse, schwanken aber auch innerhalb dieser dominierenden langfristigen Bewegungen häufig zwischen horizontalen Unterstützungs- und Widerstandslinien. Der Wechsel von intensiven Trendphasen und trendlose Handelsperioden kann dabei in schöner Regelmäßigkeit beobachtet werden. Nach einer Phase von Kursanstiegen oder Kursabschlägen tendieren die Kurse in die entgegengesetzte Richtung und schwanken so um einen Mittel wert herum. Diese Mitteilwerte können durch alle Arten von Durchschnittslinien (10,20-,38-, 50,-100- oder 200-Tage-Linie) ermittelt werden. Da diese Wechselphasen häufiger vorkommen als sogenannte Trendphasen weisen alleine auf Trendfolge ausgerichtete Handelssysteme eine nicht unbeachtliche Fehlerquote auf. Das vergangene Handelsjahr lieferte in dieser Hinsicht anschauliche Beispiele. Nur wenige Profis konnten unter dem Strich ein besseres Ergebnis vorweisen als der Marktdurchschnitt. Um den Wechsel von einer zu anderen Phase zu identifizieren, bedienen sich die charttechnisch orientierten Trader verschiedenen Oszillatoren, wie dem Relativen-Stärke-Index und dem Momentum. Beide Instrumente dienen kombiniert als Seismographen für bevorstehende Trendwechsel. Aufgrund der ständigen Veränderung des Marktverhaltens können Computerprogramme allein die Signallage nicht immer einwandfrei identifizieren. Das eine oder andere erfahrene menschliche Auge bleibt unabdingbar.
Definition des Relative-Stärke-Index (RSI)
Die erfolgreiche Anwendung der Indikatoren bedingt ein konsequentes Vernachlässigen anderer Einflussfaktoren, wie die aktuelle Kursentwicklung oder Stimmungen bei Medien und Investoren. Ergibt sich eine Abweichung des Verlaufs der Indikatoren von der aktuellen Kursentwicklung kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass sich der Kursverlauf in starker zeitlicher Nähe dem Verlauf der Indikatoren anpasst.
Der RSI-Indikator misst die innere Stärke innerhalb einer bestimmten Anzahl von Tagen oder auch kürzeren Zeitabschnitten. Er errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Durchschnitt der gestiegenen und gefallenen Tagesschlusskurse. Der Indikator schwankt zwischen Null und 100. Ein Wert von Null zeigt, dass der Basiswert ausschließlich gefallen ist. Ein Wert von 100 dagegen bedeutet, dass der Basiswert fast ausschließlich gestiegen ist. Das Kauf oder Verkaufssignal wird in der Praxis erst dann erzeugt, wenn der Indikator den jeweiligen Extrembereich verlässt. Werte oberhalb von 70 weisen auf eine überkaufte Marktlage hin, Werte unter 30 deuten einen überverkauften Markt an.
Signallage entspricht noch dem aktuellen Kursverlauf
Das Momentum zeichnet hingegen die Dynamik der Bewegung nach. Werte oberhalb der 0-Achse sind positiv, Werte unterhalb der 0-Achse negativ zu werten. Ein Trendwechsel in der jeweiligen Zone ist als Warnsignal im Hinblick auf die Kursentwicklung zu verstehen. Der aktuelle Verlauf beider Indikatoren stimmt noch mit der Kursentwicklung des DAX überein, allerdings nimmt die Abwärtsdynamik in beiden Fällen ab. Bei der Anwendung beider Indikatoren ist darauf zu achten, dass ihre Aussagekraft nur in den oben beschriebenen Konstellationen höher zu gewichten ist. In starken Trendphasen kommen zur Überprüfung von Qualität und Länge des Impulses andere Indikatoren zur Anwendung.
