Der Normalmarkt Gold
Dominique Braun (Gastbeitrag) in Investors Daily
vom 23. Februar 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
von normalen Märkten kann man nicht immer sprechen, vor allem über die letzten zweieinhalb Jahre bewegten sich viele der handelbaren Finanzmärkte alles andere als normal. Durch die weltweite Krisenstimmung und teilweise Panikmache und Übertreibungen, drehten viele Märkte, so auch die Aktienmärkte, durch - zuerst im negativen Sinne bis März 2009, und dann im positiven Sinne bis heute.
Ob man beim Goldpreis über die letzten zweieinhalb Jahre von einer normalen Preisentwicklung sprechen kann, muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist aber, dass sich der Goldpreis seit Juni 2007 mehr als deutlich verbessern konnte - von etwas unterhalb von 700 Dollar pro Unze bis zeitweise über 1.200 Dollar. Aktuell notiert das Edelmetall etwas oberhalb von 1.100 Dollar.
Ich bekomme regelmäßig Emails von Ihnen zu Fragen rund um Gold. Eine Thematik möchte ich heute mit Ihnen besprechen, es geht dabei um die Terminmärkte in Bezug auf das Edelmetall Gold. Ein paar Leserinnen und Leser hatten mich gefragt, was denn ein „Normalmarkt" bei Gold bedeuten würde. Als ich vorhin von „normalen Märkten" gesprochen habe, sollte dies nicht die Erklärung eines Normalmarktes sein. Denn die Begrifflichkeit kommt in Verbindung mit Terminmärkten und Terminkontrakten vor.
Termingeschäfte = verbindliche Vereinbarungen zwischen Käufer und Verkäufer
Lassen Sie uns aber erst ein Stück weiter zurückgehen. An einem Terminmarkt werden Termingeschäfte abgewickelt, die man auch Future-Geschäfte nennt. An einer Terminbörse, also einem geregelten Markt, werden sogenannte Terminkontrakte gehandelt, die beispielsweise ein Spekulant oder ein Absicherer für seine Zwecke einsetzen kann.
Bei einem Termingeschäft geht es um eine verbindliche Vereinbarung zwischen Käufer und Verkäufer, eine vorher festgelegte Menge eines festgelegten Guts (Basiswert), zu einem vorher festgelegten Preis (Terminpreis) und einem vorher festgelegten Zeitpunkt (Laufzeit) abzunehmen (Käufer) bzw. zu liefern (Verkäufer). Die zugrundeliegenden Basiswerte können je nach Börse die unterschiedlichsten Arten sein, wie z.B. Metalle, Tiere, Agrarprodukte, Aktienindizes etc.
Standardisierte Terminkontrakte
Die Terminkontrakte sind von der Börse standardisiert und beinhalten entsprechende Spezifikationen. Wenn Sie beispielsweise einen Terminkontrakt an der US-Börse COMEX auf physisches Gold kaufen oder verkaufen, dann gehen Sie als Käufer die Pflicht ein, die zugrundeliegende Menge an physischem Gold (100 Unzen pro Kontrakt) zu einem bestimmten Preis und einem bestimmten Zeitpunkt dem Verkäufer abzukaufen. Der Verkäufer hat wiederum, wie bereits zuvor angemerkt, die Pflicht das physische Gold dem Käufer am Laufzeitende zu dem festgelegten Preis zu liefern.
Den Pflichten zum Kauf oder Verkauf der physischen Ware können beide Parteien entgehen, wenn sie vor Laufzeitende eine entgegengesetzte Position eingehen - sogenannt glattstellen. Dies wird übrigens in mehr als 95% aller Fälle auch getätigt und es kommt nur selten zur Anlieferung des physischen Gutes, wie in unserem Beispiel bei Gold.
Es gibt unterschiedliche Laufzeiten, die pro Basiswert je nach Börse gehandelt werden können. So gibt es bei den meisten Terminkontrakten fast monatliche Laufzeiten, aber die gängigsten und teilweise handelsstärksten Laufzeiten sind oftmals die Monate März, Juni, September und Dezember. Jeder der Monate hat normalerweise einen andern Preis, je nachdem wie der Markt die weitere Preisentwicklung des Basiswertes sieht, in unserem Fall die weitere Entwicklung beim Goldpreis.
In diesem Zusammenhang sprechen wir von einem Normalmarkt, wenn die Terminpreise der langlaufenden Terminkontrakte höher notieren als die kurzlaufenden.
Der umgekehrte Markt
Aber es gibt nicht nur einen Normalmarkt, sondern auch einen sogenannten umgekehrten Markt. Bei dieser Art liegenden die langlaufenden Terminpreise von Gold unter den kurzlaufenden.
Der flache Markt
Neben dem Normalmarkt und dem umgekehrten Markt gibt es noch eine dritte Variante, der sogenannte flache Markt. Bei dieser Art sind die langlaufenden Preise der Terminkontrakte auf dem gleichen oder ähnlichen Niveau wie die kurzlaufenden.
Diese Variationen gibt es übrigens für alle Terminmärkte, bei denen diverse Laufzeiten verfügbar und handelbar sind. Eines möchte ich zum Schluss noch anmerken. Es gibt Terminkontrakte auf Basiswerte wie Gold, bei denen eine physische Lieferung des Basiswertes zugrundeliegt. Bei Basiswerten wie Aktienindizes und Zinsen erfolgt keine physische Lieferung, sondern ein Barausgleich. Wenn Sie dazu oder grundsätzlich Fragen haben, senden Sie mir bitte eine Email.
In meinem nächsten Gastbeitrag werde ich das Thema rund um Gold am Terminmarkt weiterführen.
Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg.
Mit goldigen Grüßen
Dominique Braun
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