Der neue Mann an der Spitze der Bundesbank ...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 22. April 2004 12:00 Uhr
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Ich war wirklich ueberrascht, als ich las, wer demnaechst an der Spitze der Bundesbank stehen soll: Axel Weber! Denn das ist der Mann, bei dem ich die theoretischen Grundlagen fuer mein Handwerk gelernt habe: Er war mein damals noch sehr junger Professor fuer Makro-Theorie, also die grossen volkswirtschaftlichen Themen.
Ueberrascht war ich deshalb, weil bis jetzt noch nie ein Professor an der Spitze der Bundesbank stand. Meine Meinung zur Berufung Webers ist jedenfalls eindeutig: Herzlichen Glueckwunsch; Das ist der richtige Mann! Fachlich hoechst kompetent – und ein unabhängiger Geist, der sich keinem Druck von politischer Seite unterwerfen wird, wenn er der Ansicht ist, dass entsprechende Handlungen in der Sache falsch waeren.
Damit wird hoffentlich sichergestellt sein, dass die Bundesbank weiterhin unabhaengig handeln wird. Es haette mir wirklich Sorge bereitet, wenn ein Bundesbank-Praesident einer Bundesregierung hoerig gewesen waere. Und hier sage ich ausdruecklich: Egal, welcher Bundesregierung.
Denn es war gerade die Unabhaengigkeit der Bundesbank, die die alte DM so stark gemacht hat. Ein Grund dafuer: Regierungen, die einen hohen Schuldenberg haben, tendieren dazu, sich ueber steigende Inflationszahlen nicht zu viele Sorgen zu machen. Denn mit steigender Inflation werden diese Schulden real weniger wert! Eine Institution wie die Bundesbank hingegen war immer in erster Linie der Stabilitaet des Geldwertes verpflichtet.
Diese Verpflichtung ist uebrigens auf die Europaeische Zentralbank (EZB) uebertragen worden. Ganz im Gegensatz dazu das Beispiel der US-Notenbank: Die ist darauf fixiert, das Wirtschaftswachstum zu foerdern. Ein oft nicht beachteter, aber zentraler Unterschied zwischen den beiden!
Fuer mich war spaetestens seit Webers Erklaerungen klar, dass die Unabhaengigkeit einer Zentralbank eine zentrale Voraussetzung fuer eine solide Geldpolitik ist. Nicht umsonst gab es zu DM-Zeiten den gefluegelten Ausdruck:
Die zwei Institutionen, denen in Deutschland die Bevoelkerung am meisten traut, sind die katholische Kirche und die Bundesbank!
Also, ich bin gespannt, wie sich Weber schlagen wird. Nicht vergessen sollte man dabei, dass die Bundesbank erheblich an Bedeutung verloren hat – bei der EZB spielt jetzt die Musik. Aber als Bundesbank-Praesident hat Prof. Weber gute Voraussetzungen, um auch dort ein Woertchen mitzureden.
Wer weiss: Vielleicht werden wir in diesem Jahr auch in der Euroland eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage sehen! Das wuerde ich mir alleine schon deshalb wuenschen, damit mein Kollege Christoph Amberger mit seinen "US-imperialistischen Parolen" (s.u.) etwas zurueckhaltender wird – wenn er sieht, dass "good old Europa" durchaus noch nicht abgeschrieben werden kann ...
Beste Gruesse!
Michael Vaupel