Der neue "Bericht aus Bonn"
Daniela Knauer in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 02. April 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
da ich seit Freitag in Bonn war, fällt heute der Devisen-Monitor aus. Morgen erhalten Sie wieder wie gewohnt den Überblick über das Neueste vom Devisenmarkt. Für alle Leser, die nicht teilnehmen konnten, gibt es stattdessen heute den Sonder-"Bericht aus Bonn" vom ersten deutschen Börsenbrieftag, veranstaltet vom Investor Verlag.
Hochkarätige Referenten auf dem ersten deutschen Börsenbrieftag ...
Interessiert lauschte das Publikums der jungen Garde der deutschen Börsenintelligenz Daniel Bernecker (Der Aktionärsbrief), Roger Peeters (Platow Börse), Ralf Vielhaber (Fuchs Kapitalanlagen), Wieland Staud (Staud Research) und last but not least Robert Rethfeld (Der Wellenreiter), moderiert wurde die Veranstaltung von NTV-Moderator Raimund Brichta.
... diskutierten die weiteren Aussichten für das Jahr 2007
Geboten wurde aus unterschiedlichster Sichtweise ein Überblick auf die weiteren Aussichten des Jahres 2007 vor dem Hintergrund der jünsten Marktturbulenzen. Das Motto des Tages: "In der Vielzahl der Berater liegt die Sicherheit" (J. F. Kennedy) trifft den Tenor der abschließenden Podiumsdiskussion ausgezeichnet. Im Lauf des Tages kam zwar immer wieder die Unsicherheit über die weitere Entwicklung zur Sprache, doch durch die gelungene Auswahl der Themen und Betrachtungsweisen bekam das Publikum handfestes Rüstzeug für das wahrscheinlich auch weiter turbulente Jahr 2007 präsentiert.
Neues deutsches Wirtschaftswunder
Den Reigen der Vorträge eröffnete Daniel Bernecker mit einem fundamentalen Überblick über die aktuelle Situation mit "Deutschland im Mittelpunkt des weltweiten Kapitalmarktes". In seinen Kernaussagen präsentierte er Deutschland als eine der wachstumsstärksten Regionen der Welt mit einer gesunden und boomenden Wirtschaft, besonders bezüglich des Exports von Maschinenbau und Technologien für die Energieerzeugung vom alternativen Sektor bis zur Kernkraft. Den Wissensvorsprung der deutschen Industrie sieht er noch auf Jahre als uneinholbar an. Der normale ökonomische Zyklus soll bis zum Jahr 2012 anhalten, sofern dem nicht internationale Probleme entgegenwirken. Der starke Euro ist seiner Meinung nach dabei ähnlich wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit kein Problem, weil deutsche Produkte überall auf der Welt gebraucht werden. Sorgen bereitet ihm jedoch eine mögliche Verknappung der internationalen Liquidität durch neue Stärke des Yens, die zu einem Rückgang der Carry-Trades führen können. Relativ gesehen erkennt er weltweit noch ein sehr niedriges Zinsniveau, das durch das geringe Angebot hochwertiger Staatsanleihen bei hoher Nachfrage auch in absehbarer Zeit nicht ansteigen sollte. Dieser Effekt ist größer als je zuvor und hat damit die extreme Rallye an den Aktienmärkten getrieben, die er als "Ritt auf der Kanonenkugel" bezeichnete.
Korrektur oder Trendwende?
Roger Peeters bot einen Blick auf künftige Tendenzen "nach vier Jahren Aktienrallye". Es bewegt ihn die Frage, ob der jüngste Markteinbruch nur eine normale Korrektur darstellt oder ob er schon die Trendwende bedeutet. Einen Wechsel des Zinstrends zu einer Aufwärtsbewegung, der die Kapitalmärkte belasten würde, sieht er aktuell noch nicht. Dagegen erkennt er Gefahren im amerikanischen Immobilienmarkt, einem sich abschwächenden US-Konsum und beim schwachen US-Dollar, sollte dieser die langfristige Unterstützung im Dollar-Future bzw. den Widerstand in EUR/USD über 1,3650 durchbrechen.
Einen weiteren möglichen Belastungsfaktor stellt seiner Meinung nach der Ölpreis dar, sollte es zu einer Eskalation der Nahost-Krise kommen. Andere mögliche Gefahren sieht er bei der Derrivateschwemme und den Carry-Trades. Der Status quo der Aktienbewertungen sei bezüglich Dividendenrendite und KGV immer noch günstig, doch die Gefahr bestehe, dass die Gewinndynamik ihren Zenit erreicht hat und die Dividenden in der bisherigen Höhe nicht mehr so einfach zu finanzieren seien. Er erkennt keinen Diskount mehr von Deutschland gegenüber anderen Märkten. Das mache gezieltes Stockpicking bei der Aktienauswahl zunehmend wichtiger. Chancen sieht Roger Peeters immer noch bei deutschen Zyklikern, die vom Aufschwung profitieren, in fair bewerteten IPOs, Übernahmekandidaten und in günstigen Emerging Markets. Dabei rät er, die Entwicklung der Geldströme genau im Auge zu behalten, denn frei nach Kostolany ist "Börse nur Liquidität und Psychologie"
Diversifizierung ist Trumpf
Die Vorträge des Vormittags aus eher fundamentaler Sicht wurden abgerundet durch Ralf Vielhabers "Optimierung der Vermögensstruktur durch innovative Investments". Als Quintessenz seines Vortrags stellte er fest, dass es keine Sicherheit mehr durch klassische Diversifizierung gibt, zu parallel fließen die Liquiditätsströme weltweit in alle rentablen Investments. Dabei sieht er die Aussichten für die Aktienmärkte auf längere Sicht positiv: Die Megatrends der Weltwirtschaft wie die Öffnung unterentwickelter Märkte, steigende Produktionskapazitäten, effektive Tranportlogistik sowie eine Ausweitung des Kapitalstocks sorgen seiner Meinung nach für eine weiter positive Wirtschaftsentwicklung. Er rät, poltische Risiken nicht überzubewerten, langfristig sieht er eine größere Gefahr in der demographischen Alterung mit ihren Finanzierungsschwierigkeiten für die kollektiven Versorgungssysteme als in der aktuellen Nahostkrise.
Der Grund für zunehmende Schwierigkeiten bei der Risiko-Diversifizierung eines Depots liegt nach der Ansicht von Ralf Vielhaber in einer stark zunehmenden Korrelation der meisten Anlageklassen seit 2004. Nicht nur der Aktienmarkt, sondern auch Rohstoffe, Zinsen und Immobilien steigen seither parallel an. Dass sie damit auch einem gleichzeitigen Risiko ausgesetzt sind, habe sich bei der jüngsten Korrektur deutlich gezeigt, als alle Märkte fielen. Die Lösung dieses Problems liege in einem optimierten Timing, gezieltem Cash-Aufbau, Long-Short-Strategien und Diversifikation durch Währungspositionen. Seine Warnung an Privatanleger: "Lustkäufe enden oft als Last" ermahnt zu diszipliniertem Handeln mit effektivem Risiko- und Moneymanagement.
Lesen Sie weiter unten im zweiten Teil den Ausblick auf den weiteren Verlauf des Jahres aus chartechnischer und zyklischer Sicht.
