Der nächste Ölpreisschock wird kommen
Volkmar Michler in Profit Radar zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 6. August 2009, 19:00 Uhr
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Ich stelle Ihnen eine Preisfrage: Wer hat zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise das größte Konjunkturpaket aufgelegt: die USA, Europa oder China? Alles falsch. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit: der Ölpreis.
Diesel, Benzin, Heizöl und Gas - alles ist bedeutend billiger als noch vor einem Jahr. Auch wenn der Ölpreis vor wenigen Wochen schon wieder über 70 US$ gestiegen ist, liegen wir immer noch rund 50% unter den Höchstständen vom Vorjahr. Dadurch haben Firmen und Verbraucher deutlich mehr Geld zur Verfügung. Wir reden hier über eine Ersparnis, die einige Hundert Milliarden Euro umfassen wird. So viel bringt kein staatliches Hilfspaket auf die Waage.
Das sieht übrigens auch die Ölindustrie so. Klaus Picard, der Sprecher des Mineralwirtschaftsverbands, nennt den Effekt des billigen Kraftstoffs „ein drittes Konjunkturprogramm." Doch es könnte aus der Erleichterung über gespartes Geld schon bald ein Schock werden - ein regelrechter Ölpreisschock, auf den Sie sich als Anleger schon jetzt einstellen können. Die entsprechenden Aktien haben wir den Taipan-Lesern in einer Energie-Themenschwerpunkt-Ausgabe vorgestellt. Für mehr Infos dazu klicken Sie auf Taipan.
Denn die Ölindustrie agiert letztendlich genauso kurzsichtig wie die Politik auch. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist die weltweite Nachfrage nach Öl eingebrochen. Zum ersten Mal wird es in diesem Jahr ein neues Phänomen geben: Die internationale Energieagentur (IEA) rechnet 2009 weltweit mit einem sinkenden Öl- und Stromverbrauch.
Und wie reagiert die Ölindustrie auf diesen Preis- und Nachfragerückgang? Mit einem drastischen Investitionsrückgang. Und zwar in genau dem Moment, in dem eigentlich gewaltige Investitionen notwendig wären, um den absehbaren Rückgang aus den bereits erschlossenen Ölfeldern wenigstens ansatzweise auszugleichen.
Unabhängig davon, dass viele Gegenstände des Alltags - vom Autosprit einmal ganz abgesehen - vom Öl abhängen, gibt es für die nachlassende Förderung einen naturgesetzlichen Grund: In dem größten Teil der heute genutzten Ölfelder lässt der Druck nach, sodass die Förderung Jahr für Jahr um mindestens 5% abnimmt.