Der Motor einer Volkswirtschaft
unserem Korrespondenten Sean Corrigan in Investors Daily
vom 11. September 2002 18:00 Uhr
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Wenn Sie sich die Zahlen für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ansehen, dann können Sie schwarz auf weiß sehen, dass das BIP im Jahre 2001 rund 10 Billionen Dollar betrug ... und dass die privaten Konsumausgaben fast 7 Billionen Dollar erreichten.
Da der private Konsum für fast 2 Drittel der amerikanischen Volkswirtschaft verantwortlich ist, ist es offensichtlich: Die Konsumenten müssen weiterhin Geld, das sie nicht haben, ausgeben. Die erhoffte wirtschaftliche Erholung hängt ganz vom US-Konsumenten ab.
Wirklich? Ich sehe das etwas anders.
Lassen Sie mich mit der Annahme beginnen, dass nicht nur Konsum uns reich macht. Konsum ist nur der Teil unseres Einkommens, den wir heute ausgeben wollen, aber auch das Gesparte ermöglicht in der Zukunft Konsum.
Es geht im Endeffekt um die Produktion, denn steigende Produktion kann unsere derzeitige Wirtschaftskrise beenden. Dies sagt uns der gesunde Menschenverstand.
Dies wurde vom französischen Ökonom Jean-Baptiste Say leicht verständlich niedergeschrieben: Das Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst. Oder: "Du willst etwas von diesem Gut? Was hast Du mir denn dafür zu bieten?"
Für die meiste Zeit des letzten Jahrhunderts entsprach dies der Realität. Es war kein wirkliches Problem, wenn Angebot und Nachfrage auf der Mikro-Ebene (Käufer und Verkäufer) nicht immer übereinstimmten. Fakt war, dass die Produktion letztlich der Quell von Reichtum war.
Wenn man reich werden wollte, produzierte man etwas. Leider ist dies mittlerweile anders geworden: Diebstahl ist sehr viel einfacher als ein eigenes Produkt zu vermarkten.
Und Diebstahl ist natürlich immer dann am einfachsten, wenn er durch den Staat selbst begangen wird.
Der "fiskal-militärische Staat", wie ihn John Berger in seinem Buch 'The Sinews of Power' nennt, ermöglicht es, dass der Staat vom Wert jedes Gutes, das über die Ladentheke geht, einen Teil erhält. Früher wurde Diebstahl durch Gewalt ausgeführt – heute durch Schulden, Steuern, Papiergeld.
Unternehmer müssen nicht nur für sich selbst arbeiten, sondern auch für Bürokraten, Gerichte, bewaffnete Hooligans, Steuerbeamte, Monopolisten.
Es ist merkwürdig, dass die Unzufriedenheit mit irgendetwas oft zum Ruf nach der Regierung führt: "Die da oben sollen etwas machen." Manchmal sollen sie einfach nur etwas zurücknehmen, was sie vorher durchgeführt haben. Oder, wie es ein Brite im 18. Jahrhundert einmal gesagt hat: "Armeen brauchen Steuern, Steuern bringen Unruhe, Unruhe braucht Armeen."
Auf diese Weise kam es zur Weltwirtschaftskrise. Sie wurde nicht durch den Zusammenbruch des freien Marktes verursacht, sondern durch die Unterdrückung eben des freien Marktes.
Und sie wurde durch die internationale Aufteilung der Arbeit durch hohe Zölle verschärft. Und durch den Unwillen, eine Lösung für die Kriegsschulden und Reparationen des 1. Weltkriegs zu finden.
In der Mitte der Depression versuchte Keynes die Leute von seiner Theorie zu überzeugen. Laut Keynes ist es die Nachfrage, die das Angebot schafft (Bitte, könnte ich noch etwas haben?). Er meinte, dass die Leute nur mehr Geld haben müssten, und durch Konsum würde der Reichtum wieder hergestellt.
Keynes hatte Unrecht.
Tatsache ist, dass wir nicht 100 %ig wissen, wie die Mechanismen der Volkswirtschaft funktionieren. Nehmen wir als Beispiel das BIP der USA von 1998. Es erreichte den Wert von 8,8 Billionen Dollar, und der private Konsum lag bei 5,9 Billionen Dollar.Die Produktion schien mit 1,5 Milliarden Dollar relativ gering, Dienstleistungen erreichten 2,1 Billionen der Wertschöpfung. Wenn man sich anschaut, was eigentlich die Volkswirtschaft ausmacht ... wo die Jobs geschaffen warden ... dann ist das Bild ein ganz anderes als das der "Experten" bei CNBC.
Industrielle Produktion ist wichtig. Sie ist verantwortlich für ein Viertel der gesamten Produktion. Und hier ist der kritische Punkt: 60 % sind Input für andere Industrien, und wieder 60 % davon gehen zurück in andere Zweige der industriellen Produktion. Nur 25 % gehen direkt in den Verbrauch.
Wenn man dies berücksichtigt, dann sollte man sich fragen, ob wir wirklich in einer "Dienstleistungsgesellschaft" leben, und ob die Wirtschaftskrise wirklich nur vom privaten Konsum der privaten Haushalte abhängt. Keynes sagt, dass es noch kein Warnsignal ist, wenn die Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren. Man kann die Konsumenten immer noch veranlassen, einfach mehr Geld auszugeben. Andere gehen davon aus, dass wir derzeit eine Überproduktion haben und dass die Preise deshalb fallen. Wenn wir nicht aufpassen, wird der Konsum einbrechen, außer wir erhöhen die Nachfrage durch weitere Zinssenkungen.
Zugegeben, es gibt möglicherweise in gewissen Bereichen eine Überproduktion. Es gibt Überkapazitäten im Breitband-Bereich, zum Beispiel. Aber müssen wir wirklich soviel konsumieren, um die Wirtschaft zu retten?
Haben wir die besten Schuhe, die schönsten Kleider, unlimitierte Energie, die auch noch umweltfreundlich ist, gute medizinische Behandlung, die besten Bildungsstandards für unsere Kinder? Natürlich nicht.
Zusätzliches Geld kann wenig tun, um die Lage zu verbessern. Es kann keinem Schachspieler zwei Züge geben, um ein drohendes Matt zu vermeiden, und es kann keinen Reichtum schaffen – da Reichtum eben nicht das Gegenstück des aktuellen Klagens über "zuwenig Geld" ist. Es kann aber den Reichtum umverteilen. Es kann einen Wettbewerb um Ressourcen auslösen, der deren Preise immer weiter steigen lässt (Immobilienmarkt). Es ist auf jeden Fall kein Allheilmittel.