Der Meister
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 22. März 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Ich hatte in den letzten Wochen immer einmal wieder über die Biographie von Alan Greenspan geschrieben. Und in dieser Biographie spielt seine "Mentorin" Ayn Rand eine relativ wichtige Rolle. Ayn Rand starb 1982 an Lungenkrebs – ausgerechnet an Alan Greenspans Geburtstag (wenigstens die Götter haben einen Sinn für Ironie). Schon zu diesem Zeitpunkt hatte sich Greenspan von seiner Lehrerin emanzipiert. Rand verachtete zentrale Steuerungsmaßnahmen. Ihr Schüler war nun aber gerade dabei, zu einem der erfolgreichsten "Zentralplaner" der Geschichte zu werden. Nur vier Jahre nach Rands Tod wurde Greenspan zum Vorsitzenden des Federal Reserve Systems ernannt. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem glühenden Verfechter des Gold-Standards längst ein Anhänger des kontrollierten Währungsmanagements geworden. Und er fühlte sich großartig dabei.
E. Gerald Corrigan sagteam 20. Okotber 1987: "Alan, das ist Dein Job." So jedenfalls zitiert ihn Bob Woodward, Autor des Buches "Maestro: Greenspan's Fed and the American Boom". Greenspan hatte den Job als Chef der Notenbank vor gerade einmal elf Wochen übernommen, und der Dow hatte gerade einen Crash um 508 Punkte erlitten. Corrigan weiter: "Verdammt noch mal, dieses Ding musst Du schultern." In seinem Buch beschreibt Woodward die Szene wie ein Eichhörnchen, das gerade Zeuge eines Bankraubs wird. Er registriert jede Bewegung, kann sich aber keinen Reim darauf machen. Greenspan dagegen wusste zu diesem Zeitpunkt dagegen ganz genau, was er tat: Als echtem Rand-Anhänger war ihm sein Eigeninteresse wichtiger als die Berücksichtigung der Interessen seiner Mitmenschen. Da war er sehr fügsam.
"Das Federal Reserve System versichert in seiner Verantwortung als Zentralbank der Nation seine Bereitschaft, Wirtschaft und Finanzsystem mit Liquidität zu versorgen", hieß es in Greenspans Pressemitteilung. Der Fed-Chef schien sagen zu wollen: Zum Teufel mit dem Gold-Standard! Wir werden sicherstellen, dass für wirklich jeden genügend Papiergeld und Kredit da sind. Und genau so kam es dann auch.
Während aller nachfolgenden Krisen, die wir erlebt haben – den ersten Golf-Krieg, die Rezession des Jahres 1993, die asiatische Währungskrise, die Russland-Krise, den Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM, die Bedrohung durch den Milleniums-Wechsel und schließlich den anhaltenden Bärenmarkt seit dem Jahr 2000 – handelte Greenspans Fed immer auf genau die gleiche Art und Weise: Der Markt wurde stets mit mehr Liquidität in Form von billigem Geld und Krediten versorgt. Das Ergebnis ist atemberaubend. Seit der Kontrollübernahme der nationalen Geldpolitik hat der Vorsitzende Greenspan das Geldangebot um nicht weniger als 4,5 Billionen US$ erhöht (gemessen an der Geldmenge M3). Damit hat er doppelt soviel Geld gedruckt, wie alle Fed-Vorsitzenden vor ihm zusammen.