Der Markt wartet auf die EZB-Zinsentscheidung
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 2. Juli 2008, 13:02 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
und wieder einmal warten wir - so wie schon in der vergangenen Woche. Nur diesmal warten wir auf einen anderen Notenbankchef, auf dass er zu uns sprechen möge: auf Jean-Claude Trichet, seines Zeichens Chef der europäischen Zentralbank EZB.
Während wir allerdings in der vergangenen Woche nicht viel mehr erwarteten - und dabei auch bestätigt wurden - als, dass FED-Chef Bernanke uns lediglich mitzuteilen habe, man werde den Zinssatz unverändert bei 2 % belassen, ist die Erwartungshaltung an die EZB eine andere.
Grundsätzlich erwartet der Markt - und diese Erwartungshaltung hat er mittlerweile auch schon eingepreist - eine Zinsanhebung. Doch diese dürften Trichet und seine Mannen nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln - die kostet bekanntlich Schweiß und Tränen. Die vor allem in Spanien und Italien vergossen werden. Denn diese beiden Staaten haben bereits beim Euro -area PMI (Manufacturing Purchasing Managers Index) am schlechtesten abgeschlossen. Der PMI ist eine wichtige Kenngröße die Auskunft über das wirtschaftliche Umfeld und generell über Stabilität und Gesundheit einer Volkswirtschaft gibt. Er repräsentiert praktisch ein Viertel des gesamten BIP der Euro-Zone. Nun Deutschland hat zwar im vergangenen Monat sogar besser abgeschnitten als im Vormonat, aber andere eben leider nicht.
Womit wir wieder beim springenden Punkt sind: eine Zinsanhebung ist für einen Teil der Euro-Mitglieder zwar ratsam, für einen anderen Teil aber ganz und gar nicht.
So ist es fast kein Wunder, dass inzwischen schon neue Gerüchte umgehen, die EZB könnte sich das mit der Zinsanhebung doch noch einmal anders überlegen.
Nun, in meinen Augen wäre dies eine große Überraschung. Ich halte es nach wie vor für realistisch, dass die EZB morgen eine Leitzinsanhebung von 25 Basispunkten durchführen wird. Schließlich war und ist es erklärtes Ziel der EZB die Ausweitung der Inflation einzudämmen. Und nur viel weniger wirtschaftliche Stabilität zu garantieren.
Der USD zeigt weiterhin Schwäche, fiel sogar bis auf 1,5848 gegenüber dem EUR heute morgen. Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,5804.
Dennoch im Moment ist noch nicht sehr viel los, die Marktteilnehmer erwarten noch die Veröffentlichung neuer Daten aus den USA. Die Markterwartung geht in Richtung weiterhin sinkender Job-Zahlen. Dies dürfte zunächst auch weiterhin leichten Druck auf den USD ausüben.
Doch ist zudem zu erwarten, dass die Marktteilnehmer nun zunächst die morgige Zinsentscheidung abwarten werden um sich neu zu positionieren.
