Der Markt und die Masse
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 10. November 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
vielleicht erinnern Sie sich noch an die zahlreichen Inflationsprodukte, die vornehmlich zwischen März und Mai diesen Jahres großen Absatz bei Privaten und Institutionellen Anlegern fanden.
Dies ist gerade einmal 6 Monate her und die Inflation war damals das weltumspannende Thema Nummer 1. Heute spricht davon kaum jemand mehr und das Thema Inflation ist aus den Medien fast vollständig verschwunden. In dieser Woche werde ich im Rohstoff-Daily auf dieses Thema genauer zu sprechen kommen. Schließlich ist die Inflation meiner Ansicht nach die Wichtigste Kennzahl zur Prognose der Wirtschafts- und Aktienkursentwicklung. Nur wer die Inflation, ihre Ursprünge, ihre Tücken und ihre Folgen versteht, der wird an der Börse Erfolg haben können.
In einem indirekten Zusammenhang zu diesem Inflationstrend möchte ich Ihnen in dieser Woche einen meiner Lieblingsratschläge für meine Kursprognosen vorstellen. Dieser lautet: "Mache wenn möglich immer das Gegenteil der Maße". Die Einschränkung "wenn möglich" musste ich deshalb anfügen, da es manchmal einfach sehr schwierig ist, die Maße richtig zu verstehen. Insbesondere wenn es sich um eine "Maßenhysterie" handelt. Mir ist es in meiner noch jungen Börsenkarriere schon häufiger passiert, dass ich eine Fehleinschätzung der Masse zwar richtig erkannt habe, doch bei dem Versuch mit dieser Erkenntnis Geld zu verdienen, habe ich auch schon erhebliche Verluste erlitten. Denn der Markt kann länger solvent sein, als ich liquide.
Auf gut Deutsch gesagt: Wenn ich in einer Hysterie zu früh kehrt mache, dann werde ich von der Masse überrollt. Sinnbildlich können Sie sich das wie eine Herde von Rindern vorstellen, die auf einen Abgrund zulaufen. Wenn ich in dieser Herde mitlaufen, was ich von Zeit zu Zeit gerne tue, denn auch die Maße liegt oftmals eine Zeit lang richtig... dann muss ich den richtigen Zeitpunkt abwarten, bevor ich stehen bleiben oder sogar kehrt mache. Stoppe ich zu früh, dann werde ich von der Rinderherde niedergetrampelt. Laufe ich dagegen weiter, dann werde ich unweigerlich zusammen mit allen anderen "Rindviechern" in den Abgrund stürzen.
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