Der letzte Tanz für Öl - Teil 1 von 2
Chris Mayer in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. Mai 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Hat Öl den Preisgipfel erreicht oder noch nicht?
Die Antwort auf diese Frage führt mich zu der Frage, ob die Rohstoffe eine Blase sind, die kurz davor steht, zu platzen. Barron’s jüngste Titelstory über Rohstoffe kam zu dem Schluss, dass die Party vorbei ist. Ich habe nicht viel Vertrauen in die Makro-Vorhersagen – weil niemand die Zukunft vorhersehen kann. Aber man kann die Spuren nachzeichnen. Man kann sich die Geschichte ansehen. Die Geschichte enthüllt einige interessante Hinweise darüber, wie die Zukunft aussehen könnte.
The quick take? Es sieht nicht so aus, als sei die Party schon jetzt vorbei. Aber selbst wenn, vergangene Ölgipfel geben uns Hinweise. Wenn man bei diesen Verhältnissen tiefer bohrt, dann findet man eine große Straßenkarte, mit der sich Geld machen lässt.
Sieht man sich den Ölpreis an, dann stellt man etwas Interessantes fest. Seit Januar 2001 kann man die Bewegungen des Ölpreises hauptsächlich als eine Funktion der steigenden Geldmenge beschreiben. Wenn die Geldmenge steigt, dann steigt der Ölpreis. Um genau zu sein können fast 87% des Preises mit dem Anstieg der Geldmenge erklärt werden, wie verschiedene Graphen zeigen.
Im Grunde genommen ist ein Ölpreis von 100 Dollar das, was man erwarten würde, wenn man dieses Verhältnis zwischen der Geldmenge und dem Ölpreis berücksichtigt. Bedenkt man, dass wir uns Mitten in einer ordentlichen Kreditkrise befinden, scheint es unwahrscheinlich, dass die Zentralbank beim Geld überhaupt knapper werden wird.
Damit haben der Ölpreis und die Rohstoffe freie Fahrt, ihre Rally nominal fortzusetzen. Die andere Sache, an die man denken sollte – und die Leute vergessen das, weil sie sich exzessive Sorgen um eine Rezession in den USA machen – ist die Geschichte, dass Öl heute keine Sache mehr ist, die ihr Zentrum in Amerika hat.
Sie haben sicher schon einmal etwas von dem rapiden Wachstum in China und anderen Schwellenmärkten gehört, dass die Nachfrage nach Öl in die Höhe treibt. Nun, es ist gut, wenn man das im Hinterkopf behält.
China und Indien fangen überhaupt erst an, Öl in einem nennenswerten Maße zu konsumieren. Gerade im Moment konsumieren sie in einem Maße, wie die USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber wissen Sie, wir brauchen nicht darauf zu warten, dass China anfängt, Öl im gleichen Maße zu verbrauchen wie wir es tun.
Selbst wenn es sich der Nachfrage in Hongkong nur auf halben Wege nähert, dann ist das schon ein gewaltiger Anstieg der Nachfrage.
Und ich sehe das so: Was ist wahrscheinlicher, dass China auch weiterhin Öl verbraucht wie wir im Jahr 1910, oder dass es sich eher dem amerikanischen Ölverbrauch der Fünfziger anpasst?
Ich gehe davon aus, dass letzteres der Fall ist. Mark Mobius schrieb in einer Kolumne der Financial Times, dass die Grundlagen der Schwellenmärkte viel besser sind, als in einer langen Zeit. Die Zukunft sieht sehr hell aus.
„Die chinesischen und die indischen Konsumenten sind die neuen Konsumenten der Welt und sie werden eine wichtige Macht am Weltmarkt – zusammen mit Brasilien, Russland, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Mexiko, Polen und vielen anderen Schwellenländern.
All das sind gute Vorzeichen für die Nachfrage nach Öl. Aber ich habe das Beste noch gar nicht erwähnt…
Selbst wenn Öl bereits den Gipfel erreicht hätte, dann würde das nicht bedeuten, dass es auf dem Weg zurück zu 40 Dollar pro Barrel oder weniger ist.
Es ist sogar so, dass wir, wenn der Ölboom überhaupt der Geschichte folgt, wir Jahren von Ölpreisen von ungefähr 100 Dollar pro Barrel entgegenblicken.
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