Der Krieg scheint gewonnen ...
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 07. April 2003 18:00 Uhr
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Zumindest scheinen die Anleger das zu denken. Der Dax steigt um 5,6 %. Die 2750 Punkte Marke wurde wie Butter genommen. Nur die letzte Hürde, die 2800 Punkte bereitet nach diesem Anstieg verständliche Schwierigkeiten. Nun warten die Anleger auf die Amerikaner. Wie werden sie in den Tag starten?
Übers Wochenende kristallisierte sich heraus, dass der Irak-Krieg leicht gewonnen zu werden scheint. Die Amerikaner demonstrieren Stärke, indem sie in die Stadt einfallen. Scheinbar können sie dies je nach Lust und Laune tun. Sie sehen mich etwas verwundert. Nur, ich weiß immer noch nicht welche Nachrichten wahr oder falsch sind. Mittlerweile widersprechen sich die verschiedenen Nachrichten immer heftiger. Meistens im Krieg ein Zeichen dafür, dass eine Seite Recht hat. In diesem Falle wohl eher die Amerikaner.
Aber was mich bei dieser ganzen Nachrichtenlage so verwundert: Sollte Saddam Husseins Stärke so grandios überschätzt worden sein? Sollte es nicht zu einem Straßenkrieg kommen? Sollte Saddam Hussein etwa still und heimlich verschwinden? Im Moment sieht alles danach aus. Aber, erinnern Sie sich, es sah schon einmal so gut aus und wurde dann wesentlich schlechter. Da niemand hier der Nachrichtenlage vertrauen kann, sind Prognosen eigentlich unmöglich.
Politische Börsen. Jede einzelne Nachricht wird mit Kursgewinnen gefeiert oder mit Kursverlusten abgestraft. Eine schwierige Zeit, die leider wenig mit "Börse" zu tun hat. Wie Sie wissen, halte ich mich deswegen hauptsächlich an die Charttechnik und hier läuft alles wie geplant. Bei Bruch der 2750 Punkte wurde meine kleine Longposition mit einer zweiten Position ausgebaut.
Der Euro fällt wie erwartet mit weiter steigenden Kursen. Auch hier war der Ausstieg bei 1,10 Dollar im Nachhinein fast perfekt. Gold werde ich erst wieder anfassen, wenn die Charts eine deutliche Umkehr ankündigen. Der Goldpreis wird langfristig steigen. Denn die wirtschaftliche Situation in Amerika wird sich durch diesen "kleinen" Krieg nicht nachhaltig verbessern können. Egal was Sie auch lesen, die US-Schulden sind immer noch erdrückend hoch und steigen weiter. Die Arbeitslosenzahlen sprechen für sich. Die amerikanischen Indizes sind noch überbewertet.
Die Leichtigkeit des Krieges wirft natürlich noch eine ganz andere Frage auf: War der Irak so gefährlich, dass dieser "übereilte" Krieg notwendig wurde? Es dürfte ein wenig schwierig für die Amerikaner sein, diesen schnellen unkomplizierten Krieg mit der Gefährlichkeit Saddam Husseins zu begründen. (Wenn denn nicht noch irgendetwas Unerwartetes geschieht). Vielmehr sieht es doch im Moment so aus, als wäre der Irak schon im Vorfeld kaum noch "handlungsfähig" gewesen. Das "Dumme" ist jedoch, wenn die Amerikaner siegen, wird kaum jemand mehr nach dem eigentlichen Kriegsgrund fragen ... zumindest nicht in Amerika.
Zum Dax: Vorne liegen heute TUI und die Lufthansa. Natürlich profitieren gerade die Reiseunternehmen von einem schnellen Kriegsende. Beziehungsweise sie profitieren nicht davon, sondern sie leiden weniger. Das führt zu den Kurssteigerungen. In den Kursen der Reiseunternehmen und Fluglinien waren die Auswirkungen eines langen Krieges bereits eingepreist. Deswegen haben diese Aktien nun auch das das höchste Erholungspotential, neben den Versicherern
Gerade die Lufthansa kann nachhaltig von einem schnellen Kriegsende profitieren. Denn wenn die Kriegsgefahr und -phantasie beendet ist, dann bleiben die fundamentalen Aspekte: Die Lufthansa ist sicherlich eine der Firmen, die aus dem aktuellen Konkurrenzkampf in der Luftverkehrbranche gestärkt herausgehen werden. Hier ist langfristiges Potential möglich, wenn keine politischen Einflüsse dagegen spielen.
Ein unerfreulicher Gedanke noch zum Schluss: Was macht der amerikanische Präsident Bush, wenn er sieht, wie schnell dieser Krieg zu gewinnen war? Wenn er sieht, wie danach der Zuspruch der Bevölkerung und seine Anerkennung dramatisch zunimmt? Fühlt er sich in seinem Krieg gegen die Achse des Bösen bestätigt? Was wird er machen, wenn die wirtschaftliche Situation ihn Stimmen kostet? Einen weiteren Krieg, um mit einem weiteren Sieg von der katastrophalen Wirtschaft abzulenken?
Noch kann ich Ihnen keine Antwort darauf geben, aber dieser Gedanke bereitet mir Sorge. Denn es gibt keine Institution mehr, die Amerika bremsen könnte ... Die UN zurzeit sicher nicht mehr.
Die Amerikaner starten ebenso freundlich: Der Nasdaq 100 befindet sich um 16.15 Uhr bei 1090 Punkte, 3,78 % und der Dow bei 8509 Punkten, 2,8 %.